Bild: Das Meisterschaftsteam der Stuttgart Reds | Foto: Iris Drobny

von Felix

Stuttgart.| Bei der diesjährigen Deutschen Meisterschaft in Mainz können die Baseballer des TV Cannstatt nach zwei dramatischen Spielen im Halbfinale und Finale in der Altersklasse U12 den Deutschen Meistertitel bejubeln.

Eigentlich hatte ihr Trainer letztes Wochenende etwas ganz anderes vor: Der Urlaub mit Sightseeing in Venedig war für Trainer Christoph Manske fest im privaten Terminkalender eingetragen. Statt im sonnigen Venedig war dann aber doch die Deutsche Meisterschaft im schönen Baseballstadion der Mainz Athletics wichtiger. Die Youngsters der U12 überzeugten von Anfang an und zeigten ihrem Trainertrio, Michele Grassellini, Marcus Ehrnecker und Christoph Manske, schon in der spät startenden Saison, dass sie es über Teamgeist und Trainingsfleiß auch in diesem Jahr weit bringen konnten. Die Spielsaison begann wegen der Corona-Pandemie erst sehr spät in diesem Jahr, doch die ersten Ligaspiele zeigten schon, dass die Mannschaft die altersbedingten Abgänge in die nächste Altersklasse Anfang der Saison gut verkraftet hatte. Anfang September bei der Baden-Württemberg Meisterschaft war das Team dann voll da. Zuerst schlugen die Reds die favorisierten Raubritter aus Schriesheim souverän mit 9:1 Punkten und feierten mit einem nie gefährdeten 8:4 gegen die Heidenheim Heideköpfe den Titel im Ländle, wodurch die Tickets zu den Deutschen Meisterschaften in Mainz gebucht waren.

Samstag, früh morgens, ging es dann gleich gegen den Titelfavorit aus Paderborn für die 13 Stuttgarter Spieler los. Beide Teams schonten wegen der strengen Turnierregel (Beschränkung, wie viele Würfe ein Pitcher an dem Wochenende machen darf) ihre besten Pitcher. Nur zu Beginn starteten die Reds etwas nervös, lagen früh mit 2:1 Runs hinten, waren dann aber plötzlich hellwach. Stuttgarts Pitcher Lanoh Awokou gelang es mit Hilfe seiner Defensive die Paderborner Offensive, gespickt mit zig Nationalspielern, in Schach zu halten. Lediglich drei Runs brachte Paderborn im gesamten Spiel auf die Anzeigetafel. Die Offensive der Reds hingegen zündete gegen die Werfer der Paderborn Untouchables ein wahres Feuerwerk. Ab dem zweiten Spielabschnitt droschen die Reds den Ball immer wieder weit ins Outfield und scorten damit Run um Run. Der Endstand fiel entsprechend hoch mit 15:3 aus. Stuttgarts Trainer waren mehr als zufrieden mit der Leistungsexplosion. War doch gerade die Offensive der vermeintliche Schwachpunkt der Roten aus Cannstatt. Die neue Offensivpower der Reds erlebten dann im Nachmittagsspiel die Bad Homberg Hornets mit voller Wucht. 13 Punkte alleine im 1. Spielabschnitt entschied die einseitige Partie gegen den hessischen Meister sehr früh. In der bestens aufgelegten Reds-Mannschaft stachen Laszlo Hellwig und Samuel Redle mit zwei Homeruns weit über den Outfieldzaun heraus. 15:0 lautete der Endstand, wobei es den Reds zudem gelang, ihre Pitcher für den Folgetag zu schonen. Im Halbfinale trafen sie auf das Team des Gastgebers, den Mainz Athletics. Die Reds, nach den beiden starken Auftritten am Vortag zum Titelanwärter aufgestiegen, mussten nicht nur gegen eine hochmotivierte Mainzer Mannschaft antreten, sondern hatten auch noch das gesamte Heimpublikum gegen sich, welche das Stadion in einen wahren Hexenkessel verwandelten. Beide Teams hatten als Ziel vorab Kund getan, dass sie mit ihren Mannschaften jeweils das Halbfinale erreichen wollten. Dies war nun gelungen, und beiden Mannschaften war anzumerken, dass sie jetzt den Einzug ins Finale schaffen wollten. Es entwickelte sich ein spannendes Pitcher-Duell zwischen den beiden Teamkollegen in der Nationalmannschaft Robert Haffner auf Mainzer Seite und Stuttgarts Tristan Manske. Offensiv war gegen das gute Pitching beider Teams nicht viel auszurichten. Mainz konnte sich durch einen Fehler der Reds Defensive einen 2:1 Vorsprung erarbeiten. Ein letztes Aufbäumen der Stuttgarter Offensive gelang zum Schluss der hochklassigen Partie, als alle drei Bases mit Runnern geladen wurden. Allerdings hatten die Reds bereits zwei Aus gegen sich. Stuttgarts letzte Hoffnungen ruhten damit nun auf den Schultern des nächsten Schlagmanns, und Michel Hundt lieferte prompt ab. Ihm gelang der Schlag des Spiels. Sein hoch geschlagener Ball konnte nicht vom Mainzer Leftfielder gefangen werden, rollte bis an die Outfieldbegrenzung und ermöglichte nicht nur die drei Runs der Läufer auf den Bases. Michel Hundt selbst konnte auch noch punkten, und so hatten die Reds die Partie mit 5:2 gedreht. Doch noch gaben sich die Mainzer nicht geschlagen. Tristan Manske übergab den Baseball als Pitcher bei einem Aus und einem Runner auf Base nach einem starken Auftritt an seinen Mannschaftskameraden Luca Grassellini. Zwar gelang es Grassellini noch einen zweiten Mainzer auszumachen, war zwischenzeitlich sogar nur noch einen Strike entfernt die Partie zu beenden, doch nach einem Hit by Pitch, einigen Walks und zwei Gegenpunkten im mittlerweile tobenden Stadion, in dem das eigenes Wort nicht mehr zu verstehen war, wechselte das Trainertrio nochmals auf der Pitcherposition. Samuel Redle zeigte dabei starke Nerven und warf das erlösende Strike Out. Mit dem 5:4 Erfolg gegen Mainz zogen die Stuttgart Reds nun ins Finale ein.

Dort trafen die Baseballer des TV Cannstatt dann erneut auf Paderborn. Die Untouchables starteten nach der Auftaktniederlage gegen die Reds, wie erwartet, voll durch und besiegten im Halbfinale souverän die Freising Grizzlys. Entgegen der Auftaktpartie am Vortag hielten sich beide Teams nicht mehr zurück und schickten ihre vermeintlich besten Werfer aufs Feld. Somit traten die gut befreundeten Samuel Redle (Stuttgart) und Emilio Götz (Paderborn) gegeneinander an. Und damit war auch schon klar, dass das Spiel von guten Defensivaktionen bestimmt werden sollte. Doch Paderborn überraschte im  ersten Inning mit kurz geschlagenen Bällen (Bunts) und schaffte damit die 2:0 Führung. Stuttgart konnte aber sofort im Nachschlag ausgleichen. Im dritten Inning gingen die Stuttgart Reds erstmals in Führung. Durch Hits von Grasselini, Hellwig und McElveen brachten die Reds drei weitere Runs zum 5:2 Zwischenstand nach Hause. Analog zum Halbfinale gegen Mainz hatten die Reds im letzten Inning eine komfortable Dreipunkte-Führung und benötigen lediglich 3 Aus, um den Titel zu gewinnen. Doch wieder, den Sieg vor Augen, gerieten die Reds unter Druck, und Paderborn punktete fleißig. Bei lediglich nur einem Aus schaffte der NRW-Meister den Ausgleich mit den letzten Schlagchancen in der regulären Spielzeit. Zudem stand der mögliche Siegespunkt als Läufer bereits an der 3. Base. Die Reds wechselten einen bis dahin grandiosen Samuel Redle auf der Pitcherposition gegen Luca Grassellini aus. Ausgerechnet Grassellini, dem im Halbfinale etwas die Nerven flatterten und dadurch Mainz wieder zurück ins Spiel brachte. Dieses Mal jedoch zeigte sich das 12 jährige Talent bärenstark und erlöste sein Team mit zwei schnellen Aus, und das vor allem ohne weiteren Gegenpunkt. Das Spiel ging damit in die Verlängerung. Um hier eine schnelle Spielentscheidung zu finden, werden den Turnierregeln nach in den sogenannten Extra-Innings dazu Runner an die 1.- und 2. Base gesetzt. Paderborn versuchte nun wie im Auftakt-Inning mit kurzgeschlagenen Bällen (Bunts) ihre Läufer punkten zu lassen. Doch Grassillinis Pitching war stärker, weshalb es Paderborn nicht erneut gelang, und die Reds gingen ohne weiteren Gegenpunkt nun selbst in die Offensive. Selbstverständlich bekamen die Reds ebenso in der Verlängerung Runner jeweils an die 1. und 2. Base gesetzt. Stuttgarts Tristan Manske gelang als nächster Schlagmann das, was gerade den Paderbornern misslang: Einen perfekter Bunt, langsam rollend Richtung der 1. Base, zu setzen. Die Untouchables wussten mit diesem Ball nichts anzufangen, und somit hatten die Reds nun „Bases loaded“ bei keinem Aus. An den  Schlag kam nun wieder Michel Hundt, der mit seinem harten Treffer in der Halbfinalpartie den Finaleinzug überhaupt erst ermöglichte. Und auch hier gelang ihm der alles entscheidende Kontakt. Laszlo Hellwig überquerte durch den Schlag von Hundt die Homeplate zum sechsten Run – die Entscheidung war gefallen. Die Stuttgart Reds feierten ausgelassen ihren insgesamt vierten Titel in der Altersklasse U12 seit dem Jahr 2009.

Tristan Manske heimste noch einen Einzelaward als „Best Pitcher“ für seinen starken Auftritt in der Halbfinalpartie ein. Doch war der Titel der Stuttgart Reds eine wahre Teamleistung. Die Reds zeigten sich als Team, was immer an sich glaubte und in schwierigen Spielsituationen oder gar Fehlern zusammenhielt, sich selbst aufbaute und dadurch immer stärker wurde. Und zum Schluss letztendlich sich selbst mit dem höchst möglichen Titel, der Deutschen Meisterschaft, belohnte.