Dr. Murat Dağdelen ist Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie und Gründer und Ärztlicher Direktor von DiaMonD Aesthetics | Foto: DiaMonD Aesthetics
Die unvorhergesehenen Folgen von Nasenspray-Sucht

Düsseldorf.| Nasensprays können süchtig machen – das ist nichts Neues. Welche Folgen ein übermäßiger Konsum aber wirklich hat, wissen die wenigsten. Denn: Nicht selten entstehen gefährliche Löcher in der Nasenscheidewand. Dr. Murat Dağdelen, Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie und Gründer und Ärztlicher Direktor von DiaMonD Aesthetics, erklärt im Interview warum dies so ist und wie eine Behandlung abläuft.

Dr. Dağdelen, wie lange dauert es, bis man regelrecht süchtig nach Nasensprays ist?
Dr. Dağdelen: „In der Regel sollte man Nasensprays nicht länger, als zwei Wochen anwenden – dies gilt allerdings nur für Sprays mit abschwellender Wirkung.“

Welche Inhaltsstoffe sind es, die abhängig machen?
Dr. Dağdelen: „Abschwellende Nasensprays enthalten den Wirkstoff Xylometazolin. Dieser ist grundsätzlich nicht gefährlich. Man sollte Nasensprays mit diesem Wirkstoff nur nicht über einen längeren Zeitpunkt anwenden, da die Schleimhaut sich zu sehr daran gewöhnt. Sie verlangt dann entweder nach einer höheren Dosierung oder einer häufigeren Anwendung des Nasensprays. Das kann wiederum gesundheitsschädigende Folgen haben.“

Was passiert, wenn man das Spray mehr als zwei Wochen anwendet?
Dr. Dağdelen: „Durch Verengung der Gefäße schwellen die Schleimhäute ab – im Fall einer Erkältung ist das für den Erkrankten sehr befreiend. Wird das Spray allerdings über einen längeren Zeitraum angewendet, gewöhnen sich die Schleimhäute an die regelmäßige Dosis, was ein sogenanntes ‚Rebound-Phänomen’ zur Folge hat. Das bedeutet: Sobald die Wirkung des Nasensprays nachlässt, schwellen die Schleimhäute übermäßig an, was wiederum zur erneuten Benutzung des Sprays verleitet. Die übermäßige Anwendung bewirkt eine Austrocknung der Schleimhaut mit Krusten- und Borkenbildung und kann – im äußersten Fall – auch zu einer Lochbildung in der Nasenscheidewand und den Schleimhäuten führen.“

Löcher in der Nasenscheidewand – das klingt schmerzhaft und gefährlich. Was bedeuten sie für unseren Körper?
Dr. Dağdelen: „Die Nase kann einfallen und muss durch eine komplizierte Septumplastik erneut aufgebaut werden. Das heißt, die Nasenscheidewand muss komplett herausgenommen und nach Beheben der Schäden wieder eingesetzt werden.“

Welche Symptome können auftreten?
Dr. Dağdelen: „Der Verlauf ist zunächst asymptomatisch – das bedeutet ohne eindeutig erkennbare Symptome für den Betroffenen. Bei kleineren Septumlöchern treten zunächst pfeifende Atemgeräusche auf; fallen die Löcher hingegen größer aus, kommen andere Symptome zum Tragen und die Pfeifgeräusche treten nicht auf: Größere Löcher verursachen Atembeschwerden, weil die Luft in der Nase umgelenkt wird und an der Stelle des Lochs wirbelt. Auch starke Trockenheit und Borkenbildung in der Nase gehören dann zu den Symptomen. Außerdem besteht die Gefahr, häufiger an Infekten zu erkranken, weil die Nase nicht mehr in der Lage ist, die Luft zu befeuchten, zu erwärmen und zu reinigen. Zudem kann das Loch – je nach Größe – eine Instabilität der Nasenscheidewand verursachen. Der Knorpel wird dadurch ebenfalls instabil und verbiegt sich, was zu einer Verkrümmung der Nasenscheidewand führt. Das heißt: Wenn Knorpelgewebe sich auflöst, wird auch die Nase instabil und kann einfallen.“

Wie läuft eine Operation ab?
Dr. Dağdelen: „Es gibt verschiedene Methoden, um die Schäden an der Nasenscheidewand zu beheben. Wichtig ist, dass Sie sich an einen Facharzt wenden, der auf die Nasenkorrektur spezialisiert ist. Ich empfehle eine extrakorporale Septumplastik. Dabei wird die Schleimhaut vorsichtig abpräpariert und der komplette Nasenscheidewand-Knorpel entfernt. Dieser wird dementsprechend umgeformt, begradigt und dann wieder eingesetzt. Zudem werden Defekte an der Schleimhaut verschlossen, indem sie – unter vorsichtiger Präparation – von allen Seiten mobilisiert und nach vorne umgeschlagen werden, um so die Defekte zu verschließen. Im Anschluss wird dem Patienten eine Septumschiene eingelegt, um die Nase zu stabilisieren und ruhigzustellen. Alternativ ist es auch möglich die Nasenscheidewand durch eine Nachformung aus Ohrknorpel zu ersetzen. Die Verwendung eines künstlichen Implantats empfehle ich nicht. Generell handelt es sich bei der Behandlung um einen sehr schwierigen nasenchirurgischen Eingriff, der – in Kombination mit der äußeren Nasenkorrektur – zudem sehr viel Zeit, Geduld sowie Fingerspitzengefühl erfordert. Daher beschäftigen sich nur noch wenige Chirurgen mit dem operativen Verschluss der Nasenscheidewand.“

Was können weitere Ursachen für Löcher Nasenscheidewand sein?
Dr. Dağdelen: „Zu den häufigsten Ursachen gehören vorausgegangene Operationen an der Nasenscheidewand – bei diesen sogenannten Septumplastiken sollte eigentlich so vorsichtig operiert werden, dass die Schleimhaut dabei intakt bleibt. Dennoch lassen sich Verletzungen der Schleimhaut nicht immer in Gänze vermeiden. Daneben können auch Gefäßerkrankungen, Unfälle oder starke chronische Entzündungen oder Drogenkonsum ursächlich sein.“