von Bernhard Gaus

Bietigheim-Bissingen.| Die SG BBM Bietigheim wartet weiter auf die ersten Heimpunkte. Beim zweiten Auftritt der Schwaben in der EgeTrans Arena entführte der TUSEM Essen mit einem 28:33 (12:17)-Erfolg am Freitag beide Punkte. Während sich Essen mit 5:1 Punkten in der Spitzengruppe festsetzt, sortiert sich Bietigheim im unteren Mittelfeld der 2. Liga ein.

„Ich bin sehr unzufrieden mit der ersten Halbzeit“, kritisierte Hannes Jón Jónsson den Auftritt seines Teams vor der Pause. „Wir gehen das Spiel zu locker an“, so der Trainer der SG BBM. Wie ein roter Faden scheint sich durch die bisherigen Saisonspiele zu ziehen, dass Bietigheim immer erst im zweiten Abschnitt so richtig in Fahrt kommt. Bleibt am Freitag noch die Erkenntnis, dass der Bundesliga-Absteiger zurzeit noch nicht mit den Top-Teams der 2. Liga mithalten kann.

„Wir haben heute vieles richtig gemacht“, freute sich mit Jaron Siewert zum zweiten Mal in dieser Saison ein Gästetrainer in der Bietigheimer Arena. „Wir haben uns super reingekämpft und das Spiel an uns gerissen.“ Vom Anpfiff an entwickelte sich ein offener Schlagabtausch mit schnellen Torabschlüssen. Spätestens nach dem 4:4 deutete sich an, wohin es in dieser Partie gehen sollte. Mit den ersten Fehlwürfen musste die SG BBM den Altmeister auf 4:8 davonziehen lassen, nur noch einmal zum 7:8 schafften die Bietigheimer Handballer den Anschluss.

Essens Torschütze vom Dienst, Dennis Szczesny, war nach zehn Minuten schon früh mit zwei Zeitstrafen belastet und hatte dennoch am Ende acht Treffer auf seinem Konto. Auf Bietigheimer Seite blieb der zuletzt angeschlagene Mimi Kraus im zweiten Abschnitt auf der Bank.

Für den isländischen Trainer der SG BBM stand gegen Essen vor allem die Defensivleistung im Mittelpunkt. „Wir waren zu passiv in der Abwehr und uns fehlte die Cleverness“, so Jónsson, der seine beiden Torsteher ausdrücklich von der Kritik ausnahm. Essen verstand es das Spiel breit auch über die Außen und mit einer geringeren Anzahl von technischen Fehlern aufzuziehen. Doch auch die Tempogegenstoßbilanz spricht eine deutliche Sprache, wer am Freitag das Zepter vor den 1823 Fans in der EgeTrans Arena in der Hand hatte. Nach Ballverlusten der SG BBM tauchte Essens bester Werfer, Tom Skroblien, nicht nur einmal frei vor dem Tor des Bundesliga-Absteigers auf. „TUSEM hat das clever gespielt“, musste auch SG BBM-Torsteher Jonas Maier eingestehen. „33 Gegentore sind natürlich zu viele.“

17 davon fielen bereits vor der Pause, wobei die SG BBM mit einer Kraftanstrengung einen klaren 10:17-Rückstand halbzeitüberspannend zum 14:17 verkürzte – die vielleicht beste Phase der Hausherren. „Mit der 2. Halbzeit bin ich nicht so ganz zufrieden“, musste denn auch Gästetrainer Siewert eingestehen, „zweimal haben wir das Spiel aufgemacht, am Ende aber die Ruhe bewahrt.“ Bietigheim agierte jetzt im Angriff druckvoller, zwang Essen in der Defensive auch zu längeren Spielzügen. Tim Dahlhaus und Jonas Link übernahmen immer wieder die Verantwortung und trafen gegen den guten Fredrik Genz im Gästetor. Doch erst spät, sechs Minuten vor dem Ende, kam nach drei schnellen Toren der SG BBM durch Martin Marčec und zweimal Jan Döll zum 25:27 noch einmal Spannung auf den Rängen auf. Jónsson hatte in den letzten Minuten auf eine offensivere Deckungsvariante umgestellt.

Als Stimmungskiller erwies sich schließlich eine Unterzahl in der Crunchtime, die Essen eiskalt mit drei Toren zum vorentscheidenden 25:30 bestrafte. „Ich habe Positives in unserem Angriffsspiel im Vergleich zu den ersten Partien gesehen“, nimmt Jónsson aus der zweiten Heimniederlage gegen eines der Top-Teams der 2. Liga mit. „Aber auch hier gibt es für uns noch viel Luft nach oben.“

TUSEM Essen: Genz, Bliss; Skroblien (10/2), Szczesny (8), Klingler (4), Ellwanger (3), Müller (3), Firnhaber (3), Beyer (1/1), Zechel (1), Urios Gonzales, Akakpo, Ridder.

SG BBM Bietigheim: Müller, Maier; Dahlhaus (7), Link (7), Schäfer (3/2), Döll (3), Marčec (3), Kraus (2), Trost (2), Fischer (1), Rentschler, Rønningen, Asmuth, Öhler, Emanuel, Claus.

Spielverlauf: 4:4 (7.), 4:8 (10.), 7:8 (17.), 9:12 (24.), 9:15 (27.), 10:17 (29.), 12:17 (30.), 15:18 (36.), 16:21 (42.), 18:21 (44.), 19:25 (48.), 22:25 (51.), 25:27 (54), 25:30 (57.), 28:33 (60.).

Zeitstrafen: Asmuth (18.), Rentschler (28.), Fischer (55.) – Szczesny (2., 11.), Müller (25.), Ellwanger (58.)
Siebenmeter: 2/2 – 3/4
Schiedsrichter: Denis Regner / Julian Koppl (DHB Elitekader)
Zuschauer: 1823 (EgeTrans Arena Bietigheim)