Die Steinköhleförderung in Deutschland ist beendet – als letzte Zeche hat Prosper Haniel in Bottrop den Betrieb offiziell eingestellt. „Eine bedeutende Ära geht zu Ende“, erklärte Bundeskanzlerin Merkel. Bei einer Abschiedsveranstaltung in Bottrop übergaben Bergleute das letzte Stück Kohle an Bundespräsident Steinmeier.

Steinkohle wurde seit 200 Jahren im Ruhrgebiet gefördert – bis zum Freitag. Mit Prosper Haniel hat die letzte deutsche Steinkohlezeche geschlossen. Auch in Ibbenbüren wird nun keine Steinkohle mehr gewonnen.

„Mit dem Ende der Steinkohleförderung geht eine bedeutende Ära zu Ende. Es war für die Region eine prägende Zeit. Die Steinkohle ermöglichte die Industrialisierung der Region und mit ihr den Wandel in ganz Deutschland“, erklärte Bundeskanzlerin Angela Merkel. „Dies möchte ich würdigen. Denn wir profitieren alle davon – bis heute.“

Zentrale Abschiedsveranstaltung in Bottrop
Zu einer zentralen Abschiedsveranstaltung an der Schachtanlage Franz Haniel in Bottrop kamen am Freitag zahlreiche Vertreter aus Politik, Wirtschaft, den Gewerkschaften und der Gesellschaft. Neben Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und dem Präsidenten der Europäischen Kommission, Jean-Claude Juncker, nahm auch Bundesumweltministerin Svenja Schulze an der Veranstaltung teil.

Dank an die Kumpel
Am Nachmittag förderten Bergleute das letzte Stück Kohle zu Tage und übergaben es an den Bundespräsidenten. „Wir sind heute, hier auf Prosper-Haniel, Zeugen eines historischen Augenblicks“, sagte Steinmeier. Es gehe ein Stück deutscher Geschichte zu Ende, das im Ruhrgebiet jeden einzelnen geprägt habe, ohne das aber auch das ganze Land und seine Entwicklung in den vergangenen zwei Jahrhunderten nicht denkbar wäre. „Deswegen bin ich als Bundespräsident heute dabei und deswegen sage ich Ihnen an diesem geschichtsträchtigen Tag im Namen aller in unserem Land: Danke, Kumpel.“

Steinkohle war wichtig für die Stromproduktion
Die Bundesregierung hat bereits im Energiekonzept 2010 Leitlinien für die Entwicklung und Umsetzung einer bis 2050 reichenden Gesamtstrategie für eine umweltschonende, zuverlässige und bezahlbare Energieversorgung festgelegt. Unter anderem gilt es, bis 2020 40 Prozent weniger Treibhausgase zu emittieren. Um dieses Ziel zu erreichen, beschloss die Bundesregierung 2014 das Aktionsprogramm Klimaschutz 2020. Dazu soll auch die Energiewirtschaft einen Beitrag leisten. Ein entsprechender Strukturwandel ist damit auch aus umweltpolitischer Sicht erforderlich.

Der fossile Energieträger – die deutsche Steinkohle – war wichtig für die Stromproduktion. Seit der Entscheidung über den Ausstieg im Jahr 2007 sicherten zunehmend Einfuhren die Stromerzeugung aus Steinkohle. Die einheimische Kohleförderung war seit Längerem international nicht wettbewerbsfähig und musste subventioniert werden. Zuletzt nahm Deutschland einen der vorderen Plätze der Hauptimporteure von Steinkohle ein.

Strukturwandel ist das Zauberwort
Auch wenn die Subventionen von der EU-Kommission genehmigt wurden, haben sich der Bund, das Land Nordrhein-Westfalen und die Gewerkschaft IG BCE darauf verständigt, den Steinkohlebergbau zu beenden. Dies soll durch die Schaffung neuer Arbeitsplätze und sozialverträglich geschehen.

Um die Kohleverstromung künftig zu verringern und schließlich zu beenden und damit die Klimaziele umzusetzen, sind strukturelle und wirtschaftliche Veränderungen wichtig. Deshalb hat die Bundesregierung im Juni die Kommission „Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung“ eingesetzt.