Kreis Böblingen.| Der Planungs- und Bauausschuss des Landkreises Böblingen gibt grünes Licht für die Entwurfsplanung des Krankenhauses Leonberg sowie die Vorentwurfsplanung des Krankenhauses Herrenberg.

Die umfangreichen Modernisierungsmaßnahmen an den Krankenhäusern Leonberg und Herrenberg nehmen Gestalt an: So gab der Planungs- und Bauausschuss (PBA) des Landkreises Böblingen in seiner Sitzung Anfang Dezember sowohl die fertige Entwurfsplanung mit einem Kostenrahmen von 72,5 Millionen Euro für Leonberg frei und beauftragte parallel die Entwurfsplanung für Herrenberg auf Basis der vorliegenden, abgeschlossenen Vorentwurfsplanung mit einem Gesamtvolumen von 42,5 Millionen Euro inklusive Hubschrauberlandeplatz fortzuführen.

Landrat Roland Bernhard erklärte: „Die Beschlüsse des PBA zur Investition in die Krankenhäuser Herrenberg und Leonberg sind ein bedeutender Meilenstein. Wir senden damit ein wichtiges Signal an die Patienten und die Mitarbeitenden. Es steht ein arbeitsreiches Jahr bevor, wenn an beiden Standorten 2020 erste Baumaßnahmen sichtbar werden. Die Entwurfsplanung für Leonberg ist am 16. Dezember noch im Kreistag zu beschließen. Zur Stützung des Medizinkonzepts brauchen wir für Herrenberg und Leonberg flankierend schlüssige Campus-Lösungen mit der Verzahnung verschiedenster Gesundheitsdienstleistungen. Der Kreis ist bereit, dafür seine Grundstücke um die Krankenhäuser zu entwickeln“.

Der Gesamtprojektleiter Michael Hartmann, Geschäftsbereichsleiter Bau- und Technik beim Klinikverbund Südwest, stellte dem Gremium die Planungen, Kostenberechnungen sowie den weiteren Zeitplan vor. „Für beide Häuser haben wir in den vergangenen Monaten im intensiven und konstruktiven Dialog mit unseren Mitarbeitern sehr gute Ideen und zukunftsfähige, bauliche Lösungen entwickelt, um unsere klinischen Prozesse und Abläufe maßgeblich zu unterstützen und zu verbessern“, betonte der medizinische Geschäftsführer des Verbundes Dr. Jörg Noetzel. Diese enge Nutzereinbindung werde sich auch in den weiteren Planungs- und dann vor allem Bauphasen, fortsetzen. In den kommenden Wochen stehen u.a. für Leonberg die Erstellung der Förderanträge beim Sozialministerium sowie die weitere Genehmigungsplanung (Bauantrag) an, für Herrenberg schließt sich jetzt die Phase der Entwurfsplanung an, welche Mitte des kommenden Jahres dann im PBA respektive Kreistag vorgestellt wird.

In Leonberg fließen allein rund 52,5 Millionen Euro des Gesamtvolumens in die Modernisierung der Gebäudestruktur und Gebäudetechnik, der Rest in die Planung, Erschließung inkl. Außenanlagen und Ausstattung. Die ersten Umbau- und Interimsmaßnahmen hierfür haben im Hintergrund bereits begonnen, richtig sichtbar werden die Baumaßnahmen am sogenannten „Pavillon“ im Frühjahr 2020, alle weiteren Modernisierungsmaßnahmen innerhalb der Klinik schließen sich dann sukzessive ab Mitte 2020 an.

Neben einer Erneuerung der Gebäudetechnik sehen die Planungen in den kommenden fünf Jahren mehrere gewichtige Teilprojekte für das Krankenhaus Leonberg vor – insgesamt eine Modernisierung von fast 15.000 Quadratmetern Nutzfläche. Bereits umgesetzt wurden hier in den letzten Jahren u. a. der Neubau der Intensivstation, die Notstromversorgung und auch die neue DSA-Röntgenanlage zur bildgebenden Diagnostik und Behandlung von Gefäßerkrankungen. Bis Ende 2024 bleiben damit aber immer noch gut 10.000 Quadratmeter, denen man den Zahn der Zeit ziehen muss, um nicht nur für Patienten, sondern auch für die Mitarbeiter zukunftweisend und attraktiv zu bleiben.

So werden unter anderem sukzessive der OP-Bereich, die Notfallaufnahme mit Untersuchungskabinen, Gipsraum, gynäkologischer Untersuchungsraum, Wundversorgung und Schockraum, sowie die Radiologie und die Ambulanzen modernisiert. Der OP-Bereich verbleibt am heutigen Standort im Westbau. Damit wird eine optimale Anbindung an die Intensivstation ermöglicht und eine enge funktionale Verbindung zur Notfallaufnahme geschaffen. Die Sanierung der Operationssäle erfolgt stufenweise im laufenden Betrieb, eine komplexe Logistik ermöglicht dabei den Erhalt aller notweniger OP-Kapazitäten auch während des Umbaus.

Die Radiologie wird künftig ins Erdgeschoss des Nordflügels verlegt, ebenengleich zur Notaufnahme und zum Ambulanzbereich. Die restlichen, bis damals einschließlich 2010 noch nicht modernisierten Pflegestationen werden im Standard an die heutigen Anforderungen angepasst, hinzu kommt eine Wahlleistungsstation im zweiten Obergeschoss des Nordflügels mit gehobener Ausstattung. Die ambulante Notfallpraxis zieht zudem in den Eingangsbereich um – das ermöglicht eine einfachere, optimale Patientenführung und -steuerung zwischen Notfallpraxis und den Ambulanzen der Klinik.

Zudem zieht die bisher im Haus verortete Psychosomatik des Zentrums für Psychiatrie Nordschwarzwald (ZfP) voraussichtlich bis Herbst 2022 in einen eigenständigen neuen Gebäudekomplex neben dem Bestandsgebäude, um zentrale Krankenhausflächen frei zu machen für die Modernisierung. Gleichzeitig bleibt so dennoch die Nähe des ZfP zur Akutmedizin gewahrt. Für diesen Zusatz-Neubau geht man aktuell von knapp 6 Millionen Euro an Investitionskosten aus, finanziert durch das ZfP mit dem Land Baden-Württemberg als Träger.

In Herrenberg verteilen sich die 42,5 Millionen Gesamtinvestition auf 24 Millionen Euro für die Modernisierung der Gebäudestruktur und –technik, etwas über 4 Millionen Euro für Ausstattung und Außenanlagen, 2,5 Millionen Euro für die Neuverortung des Hubschrauberlandeplatzes und der Rest in Planung und Nebenkosten. Zum anvisierten Baustart Ende 2020 / Anfang 2021 wird der OP-Bereich an den aktuellen Stand bei Krankenhausneubauten angepasst und im laufenden Betrieb auf die freie Dachfläche über dem Erdgeschoss erweitert. So können zukünftig ambulante und stationäre Operationen auf einer Ebene im 1. Obergeschoss durchgeführt werden. Im Zuge dessen wird auch der Aufwachbereich deutlich vergrößert. Integriert wird auf dieser Ebene auch der Sectio-Saal (Kaiserschnitt). Ebenso stößt der derzeitige Kreißsaal-Bereich im 2. Obergeschoss aufgrund der anhaltend hohen Geburtenzahlen an seine Kapazitätsgrenzen (jeweils bis zu 1.400 Geburten jährlich). Um möglichst kurze Wege u.a. für Not-Kaiserschnitte zu ermöglichen, wird der Kreißsaal-Bereich daher von drei auf vier Säle erweitert und ebenfalls ins 1. Obergeschoss angrenzend an den OP-Bereich verlegt. Auch die Wochenstation wird ebenen gleich in die Nähe zu den Kreißsälen umziehen. Vorteilhaft für Mitarbeiter und Schwangere: Während des Ausbaus an neuer Stelle im 1. OG kann der Betrieb im 2. OG bis zur Fertigstellung ganz regulär und parallel weitergehen.

Gleiches gilt für die Intensivstation, welche innerhalb des ersten Stockwerkes nach Fertigstellung in moderne Räumlichkeiten mit drei beatmeten Intensivplätzen und vier überwachten Intermediate-Care-Betten umziehen kann. Kurze Wege gibt es künftig auch im Erdgeschoss, wenn die Kassenärztliche Notfallpraxis mit ihren Räumlichkeiten vom 1. OG ins Erdgeschoß vis-à-vis der Zentralen Notaufnahme umzieht. Neben den Funktionsbereichen werden aber auch die Pflegestationen mit ihren Patientenzimmern saniert und zeitgemäß modernisiert. Zukünftig wird auch im Krankenhaus Herrenberg dann die 2-Bettzimmer-Struktur mit eigener Nasszelle (Dusche/WC) im Zimmer zum Standard.