Angesichts der neuen Steuerschätzung der Landesregierung mit Mehreinnahmen in Höhe von zwei Milliarden Euro freut sich der NABU-Landesvorsitzende Johannes Enssle über das Ziel von Ministerpräsident Winfried Kretschmann, mehr Geld in den Klima- und Artenschutz zu investieren: „Jetzt ist nicht die Zeit für schwäbische Sparsamkeit. Die Finanzministerin will Geld für schwere Zeiten sparen? Diese Zeiten sind längst da. Neue Studien belegen einen dramatischen Verlust an Artenvielfalt auch in Baden-Württemberg. Auch der Klimawandel erfordert konsequentes Handeln und Investitionen in die Energie- und Verkehrswende. Die Landesregierung sollte den Steuerschwung nutzen, um ihre Ziele beim Klima- und Artenschutz zu erreichen“.

Enssle weiter: „Das vom Landeskabinett beschlossene Eckpunktepapier, das die Landesregierung als Alternative zum Volksbegehren vorgelegt hat, enthält viele sinnvolle Maßnahmen, für deren Umsetzung mit einem höheren zwei- bis dreistelligen Millionenbetrag zu rechnen ist. Bereits vor wenigen Wochen hat der NABU mit weiteren 14 Verbänden die Studie „Kulturlandschaft 2030“ veröffentlicht, die allein für den ökologischen Umbau der Landwirtschaft einen Mehrbedarf von 225 Mio. Euro pro Jahr berechnet hat.“

Wie wichtig diese Investitionen sind, verdeutlichen die Zahlen zum Rückgang der Artenvielfalt in Baden-Württemberg: Am Bodensee ist die Zahl der Brutvögel in nur drei Jahrzehnten um 25 Prozent gesunken, von rund 465.000 Brutpaaren in 1980 auf nur noch 345.000 im Jahr 2012, wie das Max-Planck-Institut im September verkündete. Bei den einst häufigen Feldlerchen hat das Land innerhalb von 20 Jahren jedes Jahr 11.000 Brutpaare verloren, das sind täglich 30 Paare weniger. Heute brüten höchstens noch 100.000 Feldlerchen-Paare im Südwesten.

Auch bei den Insekten ist der Schwund wissenschaftlich belegt. In einer Schmetterlingsstudie des Naturkundemuseums Karlsruhe beschrieb ein Team um den Insektenkundler Robert Trusch erst Mitte Oktober, wie sich die „Artenvielfalt in freiem Fall“ befände. Die Studie, so die Wissenschaftler, belege eine flächendeckende Reduktion der Häufigkeit der meisten Arten – ein Trend, der auch vor Naturschutzgebieten und extensiv genutzten Flächen nicht Halt macht, unabhängig von Nutzungsgrad und Nutzungsänderung.