Softball: Die Damen und Nachwuchsmädels vom TV Cannstatt räumen richtig ab. Meisterschaften, individuelle Preise und nun zum Höhepunkt der Saison gelingt dem U16 Team der große Coup: Erstmals werden die U16 Mädels Deutscher Meister.

Ziemlich genau ein Jahr ist es nun her, dass die Damen der Stuttgart Reds nach drei Vizemeistertitel hintereinander ihre Softball Bundesligamannschaft aus dem höchsten Spielbetrieb in Deutschland zurück ziehen mussten. Finanziell war das Team des TV Cannstatt nicht zu halten, und man hätte zu viel Geld investieren müssen, um die Abgänge im Team kompensieren zu können. Geld, das in den vielen Sportarten in Stuttgart selten da ist, schon gar nicht für die inzwischen olympische Sportart Softball. Mit viel Mühe konnte man zwei Teams im Spielbetrieb halten, hatte man nach dem Bundesligarückzug noch viel mehr Spielerinnen verloren. Nach schwierigem Start in die Saison raufte sich das stark verjüngte Team um Spielertrainerin Hope Cornell zusammen und konnte am Ende sogar die Baden-Württembergische Meisterschaft bejubeln. Und wie in den vielen Jahren davor auch, wurden nun Spielerinnen und auch das Budget zusammen gezählt, um die Machbarkeit des Wiederaufstiegs in die 1. Bundesliga zu prüfen. Doch ernüchternd musste das Team und der Vorstand sich der Realität stellen: sportlich aufgestiegen, aber für die Bundesliga reicht der Kader nicht. Und um diesen bundesligatauglich zu machen, fehlt schlichtweg das Geld. „No Sponsors No Sports“, der Slogan aus der Vereinszeitschrift der Stuttgart Reds, trifft den Softballsport der Stuttgart Reds um so mehr.

Aber um sportlich auch langfristig erfolgreich zu sein, starteten die Trainer Markus Weil und Nadja Manske Anfang des Jahres ein neues Nachwuchsprogramm für Mädels im Verein. Konnte man doch auf einzelne junge Talente, teilweise Nationalspielerinnen, in den eigenen Reihen zählen. Mit viel Werbung, Schul AG´s, usw. versuchte man Mädels zu begeistern Softball zu spielen. Der große erhoffte Zulauf blieb noch aus, aber es langte, um erstmals ein U16 Team im Spielbetrieb zu melden.

Durch die einzelnen großen Talente, die davor Baseball spielten, teilweise Softball Nationalspielerinnen wurden, konnte man souverän die Nachwuchsmeisterschaft in Baden Württemberg gewinnen. Anfang Oktober schickte man dann über ein Zweitspielrecht vier Spielerinnen der Stuttgart Reds mit den Karlsruhe Cougars zur U19 Deutschen Meisterschaft nach Kiel. Und hoch im Norden der Republik glänzten vor allem die beiden Geschwister Jennifer und Jessica Weil. Am Ende wurde das badische Team mit schwäbischer Hilfe Deutscher Meister, und die Cannstatterinnen räumten die Einzelawards ab. Jennifer Weil wurde als beste Pitcherin des Turniers ausgezeichnet und ihre jüngere Schwester zur besten Spielerin gekürt (MVP = most valuable player).

Letztes Wochenende dann der Showdown in Karlsruhe mit den Deutschen Meisterschaften der U16. Die Stuttgart Reds, diesmal mit badischer Unterstützung der Cougars angetreten, wollten sich erstmals in ihrer Vereinsgeschichte auf einem Podiumsplatz spielen. Nach einem lockeren 11:3 Sieg gegen Darmstadt trafen die Reds auf den amtierenden Deutschen Meister, die Freising Grizzlys. Es bedurfte zwei Verlängerungen bis den Reds die Überraschung gelang und sie das dominierende Team der letzten Jahre mit 11:10 bezwangen. Anschließend konnte man den dritten Turniersieg gegen Augsburg mit 6:0 feiern. Sonntags schaffte es dann das badisch/schwäbische Team denkbar knapp gegen die Spielgemeinschaft Neunkirchen/Hagen mit 1:0 zu gewinnen. Gegen München glänzte das Team wieder mit einem 9:1 Kantersieg. Damit stand man im Finale und das Ziel Podiumsplatz war längst erreicht.

Die Trainer schwörten nun das Team nach den vielen Spielen unter teilweise schlechten wetterbedingten Umständen erneut ein. Mit den Regensburg Legionären wartete ein schwerer Gegner, hatten die Legionäre immerhin davor Freising deutlich mit 12:1 schlagen können. Gleich im 1. Inning lag das Team prompt mit 1:0 zurück. Doch konnte man mit drei Runs im Nachschlag sofort kontern. Aber im letzten Spielabschnitt eroberte Regensburg sich die Führung erneut zurück und lag mit 4:3 vorne. Mit dem Rücken zur Wand bei schon 2 Aus, aber Runner auf der 3. Base, rettete sich das Team nach einem Schlag ins Infield gerade noch in die Verlängerung. Regensburg gelang in dieser Verlängerung wieder ein Run zum 5:4 und baute damit viel Druck auf das junge Team auf. Doch diesmal hatten die Reds sofort eine Antwort, schafften den Ausgleich und konnten somit ganz befreit aufspielen. Jule Walther rückte als Läuferin nach ihrem Schlag bis an die 3. Base vor. Jule Breuninger gelang dann der erlösende Schlag ins Outfield, der es ihrer Namensvetterin erlaubte, locker den vielumjubelten Siegpunkt zu erlaufen. Zwei Reds Spielerinnen erhielten noch Einzelawards. Sarah Jones wurde als beste Pitcherin des Turniers ausgezeichnet und Lola Robie wurde als beste Schlagfrau gekürt.

Was für ein erfolgreiches Jahr für den Stuttgarter Softball, und doch bleibt der Traum mit der Softball Bundesliga in der kommenden Saison wieder unerfüllt.