Viele Kemnater beteiligten sich an der Veranstaltung zur Sanierung. Foto: Fritsche

Ostfildern.| Die Auftaktveranstaltung der Stadt und der Sanierungs- und Entwicklungsgesellschaft Ostfildern (SEG) zur Stadtsanierung Kemnat ist auf große Resonanz in der Bürgerschaft gestoßen.

Nach der Aufnahme Kemnats in das Landessanierungsprogramm haben die Stadt und die SEG die Bürger des Stadtteils zu einer Auftaktveranstaltung in die Kemnater Festhalle eingeladen. Die Resonanz war groß, die Ideen, wie das Sanierungsgebiet im Ortskern in den kommenden acht Jahren dank der Fördermittel aufgewertet werden kann, vielfältig.

„Die Unterstützung vom Land bedeutet eine große Chance für Kemnat“, sagte Oberbürgermeister Christof Bolay. Auch wenn diese Mittel allein nicht ausreichten und die Stadt trotz allem den Löwenanteil der Kosten tragen müsse. „Aber ich bin mir sicher, dass das Erscheinungsbild Kemnats sich in den kommenden Jahren sehr zum Positiven verändern wird“, sagte er. Um überhaupt Chancen auf das „umkämpfte Programm“ zu haben, musste die Verwaltung viel Vorarbeit leisten und so genannte vorbereitende Untersuchungen durchführen. Dabei wurden die Schwächen des Stadtteils deutlich, aber auch das Potenzial, das Kemnat besitzt. „Um den Stadtteilentwicklungsprozess nun anstoßen zu können, sind Ihre Ideen und Anregungen gefragt“, sagte Bolay zu den rund 300 Teilnehmern der Auftaktveranstaltung.

Doch bevor es zur Meinungsäußerung an die Stellwände ging, bot der Stadtarchivar Jochen Bender einen kurzen Rückblick auf die Geschichte Kemnats. Anhand von historischen Fotos zeigte er die Entwicklung vom einstigen Bauerndorf zum modernen Stadtteil. „Die Rosenstraße ist ein Beispiel dafür, dass man historische Bausubstanz bewahren kann“, sagte er.

Auch Reinhardt Kampmann, der Geschäftsführer der SEG, nutzte die Aussagekraft von Bildern, um die Bedeutung des eingegrenzten Sanierungsgebiets hervorzuheben. Seine Fotocollage zeigte unter anderem einen Spielplatz, Gastronomie, Verkehr, die Post, das Rathaus und auch den Nettomarkt. „Daraus wird die Vielfalt an Funktionen deutlich, die der Kemnater Ortskern hat“, sagte Kampmann. Für die weitere Planung ergeben sich daraus zahlreiche Themen wie Nahversorgung, Wohnen, Verkehr, Grünflächen oder Treffpunkte. „Wir sind bewusst nicht mit einem fertigen Plan in der Tasche gekommen“, sagte der Geschäftsführer. „Denn nur ein Konzept, das durch Sie mitgetragen wird, hat in der Zukunft auch Chancen.“ Daher bat er die Teilnehmer, auf grünen Zetteln die Stärken ihres Stadtteils zu notieren, auf roten die Schwächen – eine Aufforderung, der viele nachkamen.

Trotz der Menge an Zetteln ließ sich das Fazit der Aktion eindeutig zusammenfassen: Die Zahl der roten Zettel lag deutlich höher und die Topthemen wiederholten sich von Stellwand zu Stellwand. Dominierendes Thema war der Verkehr in all seinen Facetten, dicht gefolgt von der lokalen Ökonomie. Ebenfalls häufig genannt wurden fehlende Treffpunkte oder Aufenthaltsräume.

Die Anregungen aus der Bürgerschaft werden nun in die weitere Planung einfließen. Damit wurde das Büro Pesch und Partner beauftragt. Ein Vertreter des Büros war an diesem Abend ebenfalls anwesend. Künftig wird es einige Gelegenheiten geben, sich über die Entwicklungen zu informieren. In Kürze wird die erste Ausgabe der Sanierungszeitung erscheinen, auch bei Stadtteilspaziergängen im Juli oder auch auf der Kemnater Kirbe wird informiert werden. Dort wird die SEG mit einem Stand vertreten sein und die aktuelle Planung mit den Kemnatern diskutieren.

Als Anschubfinanzierung stehen von Seiten des Landes 0,9 Millionen Euro zur Verfügung, die Stadt steuert weitere 2,7 Millionen Euro bei. Diese Mittel aus öffentlicher Hand stoßen aber laut Kampmann erfahrungsgemäß Folgeinvestitionen privater Eigentümer an. „Ich denke, hier sind deutlich mehr als zehn Millionen Euro zu erwarten“, sagte er. Eigentümer im Sanierungsgebiet können nämlich ebenfalls von Fördermitteln und von steuerlichen Abschreibungsmöglichkeiten profitieren.