• Ausstellung im Stadtarchiv über christliche Religionsgemeinschaft
  • Eröffnung am 14. Oktober

Ludwigsburg.| Der Historische Verein Ludwigsburg, das Landeskirchliche Archiv Stuttgart und das Stadtarchiv Ludwigsburg sind die Veranstalter einer Ausstellung mit dem Thema „Ludwigsburger im Heiligen Land – 160 Jahre Tempelgesellschaft“. Die Ausstellung wird am Donnerstag, 14. Oktober, um 19.30 Uhr, im Stadtarchiv mit einem Vortrag des Ausstellungskurators Dr. Jakob Eisler eröffnet und ist bis zum 31. Dezember 2021 zu sehen. Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 8 bis 12 Uhr, Mo bis Donnerstag 14 bis 17 Uhr (bitte klingeln). Die zu diesem Zeitpunkt gültigen Pandemie-Regel sind zu beachten. Eine schriftliche Voranmeldung beim Stadtarchiv ist erforderlich (Stadtarchiv Ludwigsburg, Mathildenstraße 21, 71638 Ludwigsburg).

Gründer der Tempelgesellschaft, die im weitesten Sinne den pietistischen Strömungen Württembergs zuzurechnen ist, war der 1815 in Leonberg geborene Christoph G. J. Hoffmann. Zusammen mit dem ehemaligen Kaufmann Georg David Hardegg (1812 bis 1879) aus Ludwigsburg griff er die evangelische Amtskirche scharf an und warb für den Gedanken, neben der bestehenden Kirche ein neues Volk Gottes zu formen. Bald formierte sich um Hoffmann und Hardegg eine Gruppe namens Jerusalemsfreunde. 1856 gründeten sie eine Knaben- und Mädchenschule im Kirschenhardthof (einem Gehöft zwischen Marbach und Winnenden). Hier sollte die Jugend im Geiste des Tempels erzogen und aus ihrem Kreis sollten Personen für das Heilige Land rekrutiert werden.

1861 wurde der Deutsche Tempel zu einer selbständigen religiösen Gemeinschaft mit Hoffmann als Bischof und Hardegg als Vorsitzendem. Die evangelische Kirche versuchte in den folgenden Jahren mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln, die Anhänger der Templer zu bekämpfen. Der entscheidende Erfolg blieb ihr aber versagt. 1868 beschlossen die Templer, nach Palästina auszuwandern. 1869 wurde die Kolonie Haifa gegründet. Bis 1906 entstanden fünf weitere Siedlungen der württembergischen Templer. Die Blütezeit all dieser Kolonien lag im ausgehenden 19. Jahrhundert bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges.

Mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges kam auch das Ende der Kolonien: Alle noch im Land verbliebenen Palästinadeutsche, Siedler wie Missionare, wurden von den britischen Mandatsbehörden interniert, ein Teil nach Australien verbracht, ein Teil gegen Juden aus dem deutschen Machtbereich ausgetauscht.