von Bernhard Gaus

Bietigheim-Bissingen.| Die neue Zweitliga-Saison beginnt für die Handballer der SG BBM mit einer echten Standortbestimmung. In der Bietigheimer Viadukthalle treffen die Männer unter ihrem neuen Trainer Iker Romero am Samstag (19 Uhr) auf den ThSV Eisenach. Erst Mitte Juni hatten die Wartburgstädter an gleicher Stelle mit 32:35 Toren triumphiert.

Doch nicht nur das überraschende Ergebnis des drittletzten Spieltages der Vorsaison macht dieses Auftaktmatch zu einem echten Gradmesser für beide Teams. Die Thüringer Handballer knüpften in der Vorbereitung an ihren starken Saisonendspurt an und setzten sich in der ersten Pokalrunde beim Ligakonkurrenten VfL Lübeck-Schwartau mit 31:35 Toren durch. Und auch die SG BBM legte im DHB-Pokal bei Aufsteiger Empor Rostock einen Traumstart hin.

Beim 19:26-Erfolg der Schwaben an der Ostsee war sie schon zu sehen, die Handschrift des früheren spanischen Weltklassespielers. Manche wollen schon Elemente der spanischen Handballschule erkennen, die der neue Mann auf der Trainerbank mit nach Bietigheim bringt. Ob hohe Ballgeschwindigkeit in den Angriffsaktionen oder antizipatives Abwehrverhalten, davon dürfen sich am Samstag mehr Zuschauer als zum Ende der vergangenen Saison vor Ort ein Bild machen. Zum Saisonauftakt gilt für Hallenveranstaltungen in Baden-Württemberg unter den aktuellen Pandemieregeln eine Obergrenze von 5000 Zuschauern. Die kann die altehrwürdige Halle am Viadukt, in die die SG BBM zu ihren beiden ersten Heimspielen ausweicht, natürlich nicht ausschöpfen. Beim Saisonfinale im Juni jedoch war die erlaubte Zuschauerzahl noch auf 250 begrenzt. Und zumindest diese Zahl sollte die SG BBM locker toppen, auch wenn die Sommerferien in Baden-Württemberg erst an diesem Wochenende enden. Für die Fans gelten vor Ort die 3G-Regeln (geimpft, genesen, getestet) und eine Maskenpflicht. Ticket sind nur im Vorverkauf oder online erhältlich. Parallel dazu wird die Partie im Livestream auf www.sportdeutschland.tv zu sehen sein.

Die Umsetzung des aktuellen Hygienekonzeptes wird der Vorfreude auf die neue Saison keinen Abbruch tun. Die Spieler um ihren neuen Kapitän Paco Barthe brennen auf das erste Punktspiel und auf eine Bestätigung ihrer guten Testspiel-Ergebnisse in der Saisonvorbereitung. Bietigheim muss unverändert auf den langzeitverletzten Patrick Rentschler sowie auf Jonas Link (Daumenbruch) und Mario Urban (Nasenbruch) verzichten. Der Einstieg ins Mannschaftstraining steht für die beiden letztgenannten immerhin unmittelbar bevor.

Am Samstag soll es aber die in Rostock erfolgreiche Formation richten. Gut möglich, dass in der Viadukthalle zwei ähnliche Spielsysteme sichtbar werden. Regelrecht von einem „Paradigmenwechsel“ wird in Eisenach zur neuen Saison gesprochen. Tempohandball ist angesagt beim Tabellenelften der letzten Runde, wo man wie im letzten Gastspiel in Bietigheim die Angriffe noch (erfolgreich) verschleppen wollte. Die Mannschaft von Markus Murfuni wurde dafür gezielt mit jungen Handballtalenten verstärkt. Bereits in der letzten Rückrunde stießen mit Jannis Schneibel (21) und Daniel Hideg (24) zwei talentierte Rückraumspieler zu den Wartburgstädtern. Dazu erwies sich die Verpflichtung von Peter Walz (HG Saarlouis) als echter Glücksgriff. Der 27-jährige Kreisläufer führt den ThSV in dieser Saison als Kapitän aufs Feld. Auch die ersten Auftritte von Torsteher Johannes Jepsen (21, N-Lübbecke) und den beiden Rückraumtalenten Fynn Hangstein (21, Lemgo) und Malte Donker (23, Hannover-Burgdorf) nähren in Eisenach die Hoffnung auf eine bessere Platzierung als in der Vorsaison.

Fast schon das Zeug zum „Running Gag“ haben die Aussagen der Erst- wie der Zweitligisten, wenn ganz konkret nach den Saisonzielen gefragt wird. Zurückhaltung ist dann überall angesagt, zu viele Unwägbarkeiten stecken wohl in der vor uns liegenden Saison. Daran hält man sich genauso in Eisenach wie in Bietigheim-Bissingen. Während die Ziele der Wartburgstädter zwischen „frühzeitig den Klassenerhalt sichern“ und einem „einstelligen Tabellenplatz“ variieren, will Bietigheims Paco Barthe mit seinem Team immerhin „möglichst lange vorne mitspielen“. Auch wenn die Ergebnisse eines 1. Spieltages niemals überbewertet werden sollten, zu einem Fingerzeig für die kommenden Wochen taugt die Partie gegen den ThSV Eisenach allemal.