Saisonstart Ende Oktober

Ludwigsburg.| Die Wasserballer des SV Ludwigsburg starten am 31. Oktober mit einem Heimspiel in die neue Bundesliga-Saison. Vieles ist in der Spielzeit der obersten Liga Pro A wegen der Corona-Pandemie noch ungewiss. Bis dato ist zum Beispiel nicht geklärt, wo dieses erste Spiel gegen Duisburg überhaupt stattfinden wird.

Der Team-Manager Adrijan Jakovcev sagt, die Mannschaft würde am liebsten daheim spielen, im guten alten Stadionbad. Doch eigentlich ist das Becken zu klein, der Verband müsste eine Ausnahmegenehmigung erteilen. Die Alternative ist das Inselbad in Stuttgart. Die Verantwortlichen beim SVL denken zudem darüber nach, ob es womöglich eine Option sein könnte, im Freibad in Winnenden anzutreten, das 50-Meter-Sportbecken im Wunnebad wird den ganzen Winter über geheizt und ist beliebt bei Schwimmern aus der gesamten Region Stuttgart.

Klar indes ist, wohin die Reise gehen soll: nach ganz vorne, sagt Adrijan Jakovcev, und dabei guckt und lächelt der 34-Jährige recht zufrieden. Die vergangene Saison hat Ludwigsburg mit einem guten sechsten Platz in der Pro A abgeschlossen. Der Manager, der von 2014 bis 2019 selbst Teil der Mannschaft war, sagt, man wolle sich Jahr für Jahr um einen Platz verbessern.

Wohin dieses Vorhaben führen könne, das sei „reine Mathematik“. Als der Manager diesen Satz sagt grinst er verschmizt. Sein Plan ist ehrgeizig. Sehr ehrgeizig. Ludwigsburg, sagt Jakovcev, wolle in fünf Jahren mit um den Titel spielen. Noch indes seien die Wasserfreunde Spandau aus Berlin und Waspo Hannover kaum zu schlagen. In Deutschland spielen nur in diesen beiden Mannschaften fast ausnahmslos Vollprofis.

Der Team-Manager sagt, der Rückblick auf die vergangenen Jahre zeige aber, dass es möglich sei, große Schritte zu machen. „Vor vier Jahren standen wir kurz vor dem Abstieg aus der zweiten Liga.“ Und jetzt habe sich die Mannschaft sogar für den Europacup qualifiziert. Wenn alles glatt läuft, dann startet das Experiment Europa für den SVL am 4. Dezember. Wo die Spiele gegen die anderen europäischen Spitzenclubs stattfinden, ist allerdings noch nicht geklärt.

Der Schwimmverein wolle sich und die Stadt Ludwigsburg „gut in Europa präsentieren“. Ziel sei es auch, in der Barockstadt Wasserball als die zweite wichtige Sportart nach Basketball zu etablieren. Immerhin stelle der Verein mit seinem Nationalspieler Timo van der Bosch aktuell den Ludwigsburger Sportler der Jahres.

In Europa tritt Ludwigsburg gegen Teams unter anderem aus Kroatien und aus Ungarn an. In diesen beiden Ländern ist Wasserball weit populärer als hierzulande. Allein in Ungarns Hauptstadt Budapest, sagt Jakovcev, gebe es „mehr als 20 Bäder für Wasserball“. In Deutschland indes, auch in der Wirtschaftsmetropole-Region Stuttgart, fehlen vielerorts Hallenbäder. „Wir diskutieren hier über e i n e Traglufthalle.“

Die Spiele des Europacups werden erst Mitte November ausgelost. Doch wegen Corona „sei leider noch alles offen“ – wer weiß, womöglich kann in manchen Ländern gar nicht gespielt werden. Ein Blick nach Ungarn – wo der Ligabetrieb bereits begonnen hat – lässt Ungemach erwarten: einige Ligaspiele in dem Land mussten wegen positiver Corona-Tests von Spielern abgesagt beziehungsweise verschoben werden. Der Team-Manager sagt: „Wir sind gespannt und warten.“

Die erste Mannschaft des SVL mit ihrem Kapitän, dem Torwart Ivan Pisk, sei jedenfalls topfit. Die Männer haben bis Ende September im Freibad Hoheneck trainiert, jetzt stehen in Ludwigsburg das Stadionbad und das Campusbad zur Verfügung.

Der weit über die Stadtgrenzen bekannteste Ludwigsburg Spieler ist Timo van der Bosch, er gehört zum deutschen Olympiakader. Der Polizist ist für die kommenden Monate für sein Training vom Dienst komplett freigestellt worden. Das Team Deutschland tritt im Februar kommenden Jahres beim Qualifikationsturnier für die Olympischen Spiele an.

Mit Blick auf van der Bosch erklärt der Manager: „Auch das ist etwas Großes und Historisches für uns.“ Adrijan Jakovcev selbst spielt übrigens immer noch Wasserball: jetzt allerdings in der dritten SVL-Mannschaft. Dieses Team, das vom SVL-Urgestein Dieter Gscheidle gemanaged wird, tritt in der Verbandsliga an.

Mit Blick auf das ambitionierte Ziel, sich Jahr für Jahr um einem Platz zu verbessern, sagt der Manager augenzwinkernd: „Wir sind auch offen für mehr.“ Für mehr als Platz fünf in dieser Saison also. Platz vier wäre wirklich top, denn damit würde sich der SVL direkt für das Viertelfinale qualifizieren und einen möglichen Abstieg in die Pro B von vorne herein komplett unmöglich machen.

Die Wasserball-Bundesliga ist in die ProA und die Pro B unterteilt, in den beiden Ligen spielen jeweils acht Mannschaften um den Auf- und den Abstieg beziehungsweise um die Meisterschaft.

Ludwigsburg hat im Abschlussturnier der Saison 2019/2020 Potsdam geschlagen, das Team, das schließlich auf Platz drei gelandet ist. Und auch gegen den Traditionsverein aus Duisburg hat sich der SVL durchgesetzt. Diese Siege stimmen den Team-Manager optimistisch. Ein womöglich gutes Omen für das Auftaktspiel – wo auch immer es stattfinden wird. Adrijan Jakovcev ist sich sicher: „Mit Ludwigsburg ist zu rechnen, alle Mannschaften müssen sich warm anziehen.“

Das Ludwigsburger Team ist zu 80 Prozent das selbe wie in der zu Ende gegangen Saison. Derzeit stammen nur zwei Spieler aus der Ludwigsburger Jugend: Toni Tadic und Leopold Friedrich. Ein weiteres wichtiges Ziel sei es, Jahr für Jahr möglichst mindestens einen weiteren Spieler aus der eigenen Jugend in die erste Mannschaft zu integrieren.

Derzeit sind die meisten Spieler Sportler aus Südosteuropa, einige von ihnen arbeiten beim SVL, zum Beispiel als Schwimmtrainer oder als Leiter der Schwimmkurse. Neuer Trainer-Spieler ist Marko Martinic, er hat bereits in der vergangenen Saison beim SVL gespielt. Nun übernimmt er also die Doppelrolle.

Der Vizepräsident des SV Ludwigsburg, Matthias Nagel, erklärt mit Blick auf die Corona-Pandemie, er befürchte, dass nur wenig Zuschauer zu den Spielen zugelassen werden – völlig egal, ob im Stadionbad gespielt wird oder unter der Traglufthalle des Inselbads in Stuttgart.

Für die Fans des SVL und für alle Wasserball-Freunde werde die neue Saison vermutlich „keine schöne“, leider. Für die Spieler werden die nächsten Monate jedenfalls eine extrem anspruchsvolle Zeit: Nagel sagt, er rechne bis Weihnachten Wochenende für Wochenende mit ein bis zwei Spielen – viele Sportler arbeiten regulären in einem Fulltime-Job. Auch der Manager, er ist Bauingenieur.

Von Januar bis März 2021 pausiert der Spielbetrieb in der Bundesliga, damit sich die Nationalspieler wie der SVLer van der Bosch optimal auf das wichtige Quali-Turnier vorbereiten können, das Ende Februar in Holland ausgetragen werden soll. So Corona will.