Archäologen finden Fundamente der Tal-Kaserne, der ältesten in Ludwigsburg

Ludwigsburg.| Im Rahmen des Projekts „Walckerpark“ entsteht gerade auf dem Areal der ehemaligen Talkaserne eine der bedeutendsten Klimaschutz- und Klimaanpassungsmaßnahmen in Ludwigsburg: ein neuer urbaner Park. Durch ein neues Parkdeck an der Bietigheimer Straße wird Platz für eine attraktive Grünanlage in der Stadt frei, mit viel Raum für Freizeit, Erholung und Sport. Ziel ist mehr Aufenthaltsqualität zu erreichen, ohne dass die notwendigen zentrumsnahen Parkmöglichkeiten wegfallen.

Bei den vorbereitenden Baumaßnahmen für das neue Parkdeck mit 125 Stellplätzen hat das Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart bei einer Sondierungs-Grabung Fragmente der ehemaligen Talkaserne gefunden, der „Lochkaserne“. Als älteste nahm sie eine besondere Stellung unter den zahlreichen Kasernen in Ludwigsburg ein. Mit ihr wurde 1736 die Grundlage für die Entwicklung zur Garnisonsstadt gelegt. 1737 zog eine neu aufgestellte Artilleriekompanie als erster Truppenteil ein: 500 Mann, die mit Frauen und Kindern hier in großer Enge lebten. Bis zum Zweiten Weltkrieg wurde die Kaserne als solche genutzt. Danach beherbergte sie Flüchtlinge, schließlich Sozialwohnungen bis zum Abbruch der Gebäude vor 50 Jahren.

Herausragendes archäologisches Kulturdenkmal
Die unterirdisch erhaltenen Teile der Talkaserne stellen ein für die Stadtentwicklung, Stadt- und Militärgeschichte des Landes Württemberg und speziell der Garnisonsstadt Ludwigsburg herausragendes archäologisches Kulturdenkmal dar. Innerhalb der vorgesehenen Baufläche für das geplante Parkhaus lagen der nördliche Teil des Westflügels der ehemaligen Kaserne, ein Teil des Nordflügels und der Innenhof. Die Erhaltung der Befunde hat sich in der „Sondage“ als sehr gut herausgestellt. Direkt unter dem Schottergrund des Bolzplatzes kommen zahlreiche Fundamente mit erhaltenen Pflasterungen und Fußböden zum Vorschein, die Raumaufteilungen, Ausstattungen und Umbauten erkennen lassen. Dazu kommt ein überwölbter Kanal, der wohl zur Vorbereitung des Baugrunds diente, sowie auch Brand- und Abbruchschichten. Insgesamt zeigt sich, dass trotz des Abbruchs der meisten Gebäudeteile und der Überformung des Areals in den 1970er Jahren ältere Nutzungen erstaunlich gut erkennbar und erhalten sind.

Grabung auf dem Baugelände
Durch eine weitere archäologische Grabung werden nun vor Beginn der Bauarbeiten die Funde großflächig freigelegt und dokumentiert. Das Landesamt für Denkmalpflege rechnet damit, dass hierfür etwa vier Monate benötigt werden. Für die Dauer der Grabung werden die Baumaßnahmen am Parkhaus durch die Bauherrin, die Stadtwerke Ludwigsburg-Kornwestheim GmbH, zurückgestellt. Die Arbeiten an den Grünflächen und den Spielbereichen können fortgesetzt werden. Nach Abschluss der Grabungen geht auch der Bau des neuen SWLB-Parkhauses weiter wie geplant.

Ziel der archäologischen Grabungen ist, wichtige Aspekte der barocken Kaserne näher zu betrachten: Das beinhaltet Fragen zum möglichen Standort und Grundriss eines Jägereigebäudes, das als Vorgänger der Kaserne dort zu lokalisieren ist. Außerdem sind auch die Art der Fundamente und die Vorbereitung des Baugrunds von Interesse, da in dem Bereich der Tälesbach floss und entsprechende Maßnahmen erforderlich waren, die zeitgleich mit dem Ausbau des Schlosses zur Jagdresidenz erfolgt sind. Als Keimzelle der militärischen Entwicklung der Garnisonsstadt Ludwigsburg war die ehemalige Talkaserne eng mit der barocken Stadtgründung verknüpft.