Schwaikheim.| Die Neue Mitte Schwaikheim ist das Herzstück der Gemeinde, ihr zentraler Ort. Entsprechend emotional ist der Verkauf des 24-Millionen-Projektes durch die  Bauherrengemeinschaft an einen Investor vom Gemeinderat aufgenommen worden. Nun haben der Vorsitzende der Kreisbau-Geschäftsführung, Dirk Braune, sowie sein Stellvertreter Steffen Krahn am Dienstagabend dem Gremium umfassend die Hintergründe des erfolgreichen Verkaufs erläutert. Das vielleicht wichtigste Signal des Abends:  Gemeinderat, Gemeindeverwaltung sowie die Bauherrengemeinschaft treiben das Vorzeigeprojekt Hand in Hand weiter voran.

Dass die 46 Wohnungen für Jung und Alt, für Singles und Familien in zentraler Lage – dazu Einkaufsmöglichkeit im EDEKA-Vollsortimenter mit Bäckerei – verkauft  werden sollen, war dabei von Anfang an Teil des Planes. „Wir haben nie gesagt, dass wir die Wohnungen im Bestand halten“, erklärte Geschäftsführer Dirk Braune am Dienstag. Die Vermarktung des Projektes liegt dabei ausschließlich in Händen der Bauherren – der Kreisbaugruppe, der BauGeno Backnang sowie der Firma Geiger.

Da sich die Suche nach einem Investor jedoch zunächst als schwierig gestaltete, habe man umfassende Vorbereitungen für die Einzelvermarktung getroffen. Dazu gehörten aufwändige Exposés, die bereits gedruckt und teils in Umlauf sind. Doch dann habe  ein Investor Mitte März unvermittelt sein Kaufinteresse bekundet. Sprich, er signalisierte seine Bereitschaft, das gesamte wirtschaftliche Risiko des Vorhabens zu tragen.

„Natürlich bedauern wir, wie auch die Gemeindeverwaltung, dass in der Neuen Mitte Schwaikheim nun nicht wie erwartet Eigentum erworben werden kann“, so Dirk Braune. „Dennoch sind wir uns einig, dass dies die beste Lösung für dieses attraktive Projekt im Herzen Schwaikheims ist.“ Trotz des Verständnisses für die Interessenten betonten aber auch sowohl Dirk Braune , als auch Bürgermeister Gerhard Häuser die Bedeutung von 46 attraktiven Mietwohnungen. Deren Bedarf ist ebenfalls unbestritten groß.

Vorwürfe, der Verkauf komme einem Vertrauensbruch gleich, wehrte Dirk Braune mit deutlichen Worten ab. Bei einem Rückblick auf das langjährige Projekt konnte er darlegen, dass der mögliche Verkauf an einen Investor schon früher Thema der Gespräche mit dem Gemeinderat gewesen sei. Nachdem ein solcher zunächst nicht gefunden wurde, sei diese Debatte jedoch nicht weitergeführt worden, so die Reaktion seitens des Gremiums.

Unbegründet sei laut Braune überdies die Sorge, mit der Gemeinde im Vorfeld getroffene Vereinbarungen können keinen Bestand mehr haben. „Sie haben einen gültigen Kaufvertrag über die 20 öffentlichen Tiefgaragenstellplätze“, so Dirk Braune. Dieser habe selbstverständlich ebenso weiterhin Bestand, wie der Vollsortimenter, der in die Neue Mitte einziehen sollen.

„Das waren die Grundlagen des Vorhabens“, ergänzte Bürgermeister Gerhard Häuser. „Ein Vollsortimenter sowie die 20 öffentlichen Tiefgaragenstellplätze – weitere Bedingungen sind vom Gemeinderat nicht festgelegt worden. Und beides wird eingehalten“, versicherte der Verwaltungschef.

Dennoch waren auch selbstkritische Töne vom Kreisbau-Geschäftsführer zu vernehmen. Ganz sicher sei die Kommunikation mit dem Gemeinderat im Vorfeld nicht optimal gelaufen, so Dirk Braune. Hinzu kam ein wegen Krankheit geplatzter Termin, an dem sich der Investor beim Rathauschef vorstellen wollte.

Der mangelnde Informationsfluss war auch einer der Hauptkritikpunkte seitens des Gemeinderates. Nicht zuletzt sei dieser aber auch der Tatsache geschuldet, dass der Aufsichtsrat der Kreisbaugesellschaft als zuständiges Gremium zuerst habe informiert werden sollen. Dessen Sitzung hatte vergangenen Freitag stattgefunden. In diesem Zug habe man allerdings auch gleich die Gemeinde informiert und sogar eine erste Pressemitteilung versandt. Dirk Braune legte zudem offen, dass erste Interessenbekundungen seitens des Investors erst Mitte März getätigt wurden, sodass nicht viel Zeit blieb, die Kommunikation zu forcieren. Zumal eine Vertraulichkeitsvereinbarung getroffen wurde.

Bekannt ist bislang darum nur so viel: Der Bruchteilsgemeinschaft war bei der Verhandlung der regionale Verbundenheit sowie der wertbeständige Anlagefokus des mittelständischen Investors von besonderer Bedeutung. Zudem macht sich der Geldgeber für nachhaltige Immobilienprojekte mit langfristigem Anlagehorizont stark. Daher investiert dieser vorwiegend in Wohn- und Gewerbeprojekte umliegender Regionen.

Am Ende der Sitzung war aber auch von allen Beteiligten deutlich die Wichtigkeit und die Bereitschaft zur weiteren guten Zusammenarbeit herauszuhören. Die Neue Mitte Schwaikheim hat eine lange, nicht immer einfache Geschichte hinter sich. Dass die Kreisbaugesellschaft die Verantwortung übernommen hatte, als das Projekt schon fast zum Stillstand gekommen war, sei ein gutes und beruhigendes Signal gewesen, so mehrere Stimmen aus dem Gremium. Über die Jahre hinweg hat sich so eine gute Partnerschaft zwischen Gemeinderat, Gemeindeverwaltung und der Bauherrengruppe entwickelt, die jetzt das Vorhaben zu einem guten, versöhnlichen Abschluss bringen soll – darin sind sich die Beteiligten einig.