Bietigheim erhält Lehrstunde und ist gegen die Rhein-Neckar Löwen ohne Chance

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Foto: SG BBM

von Bernhard Gaus

Das Gastspiel von Vizemeister Rhein-Neckar Löwen gerät zu einer kleinen Lehrstunde für Aufsteiger SG BBM Bietigheim. Die Schwaben unterliegen am vierten Spieltag der Handball-Bundesliga vor 2723 Zuschauern in der EgeTrans Arena mit 21:36 (11:20) Toren deutlich gegen den Tabellenführer. „Wir haben in der Abwehr zu viel Respekt gezeigt gegen dieses Topteam“, sagt SG BBM-Coach Ralf Bader.

„Wenn du auswärts mit 15 Toren gewinnst, kannst du als Trainer ganz zufrieden sein, und das bin ich auch“, freute sich dagegen Löwen-Coach Nicolaj Jacobsen über eine gelungene Generalprobe vor der Champion League Saison. Zum Gruppenauftakt kommt mit dem FC Barcelona ein anderes Kaliber in die SAP Arena. „Mittwoch ist ein wichtiges Spiel für uns, um zu sehen, wie weit wir von der Weltspitze entfernt sind.“

Solche Sorgen hat der neue SG BBM-Coach Bader nicht. Für den weiter sieglosen Aufsteiger geht es um nicht weniger als um den Klassenerhalt. Punkte gegen die Topteams sind da zwar nicht unbedingt eingeplant. Gleichwohl will der Aufsteiger auch aus solchen Begegnungen wie am Sonntag und in einer Woche beim THW Kiel etwas mitnehmen und fit werden für zukünftige Aufgaben gegen Gegner auf Augenhöhe.

Das dürfte am Sonntag mit Blick auf das Endresultat nur eingeschränkt gelungen sein. „Es war nicht alles schlecht, es war nicht alles gut. Wir müssen die richtigen Schlüsse ziehen“, sagt Bader angesichts des Auftritts der Gäste, die in einer anderen Liga zu spielen scheinen. Spätestens nach der ersten Viertelstunde hatte der deutsche Pokalsieger klar gemacht, dass er die Partie beim Aufsteiger ernst nehmen wird. Dank eines 5:0-Laufes wurde aus einem 5:6 schnell eine komfortable 5:11-Führung der Gäste. Die Richtung war vorgegeben. Zur Pause hatten die Rhein-Neckar Löwen ein komfortables 11:20-Polster erspielt und in Offensive und Defensive das Übergewicht gewonnen. „Die Aktionen der Löwen sitzen bereits auf den Punkt“, hatte Bader schon im Vorfeld analysiert. Und Andy Schmid, Mads Mensah Larsen und Alexander Petersson demonstrierten das im Zusammenspiel mit Neuzugang Jannik Kohlbacher am Kreis.

Zusätzliches Handicap für Bietigheim war sicher der Ausfall seines Kapitäns Patrick Rentschler, dem eine Ellbogenverletzung aus dem letzten Spiel in Leipzig zu schaffen macht. „Die Aufgabe war, dass sich junge Spieler aus der 3. Liga und der norwegischen Liga im Innenblock gegen ein Spitzenteam der Liga behaupten müssen“, so Bader. „Das ist heute nicht ganz gelungen, in Kiel erhalten sie ihre nächste Chance“. Abwehrchef Rentschler fehlt wohl auch noch beim THW. Für ihn rückt Nicola Vlahovic in den Kader, der 19-jährige Youngster durfte seine ersten Bundesligaminuten sammeln.

SG BBM-Spielmacher Jonas Link war einer der positiven Momente am Sonntag. Er lieferte wie schon in Leipzig eine glänzende Partie ab und war auch von der guten Löwen-Defensive nie ganz auszuschalten. Am Ende war Link mit sieben Treffern aus allen Lagen erfolgreichster Werfer auf dem Feld. Streckenweise konnte Bader auch mit dem Auftritt seiner jungen Truppe in der zweiten Hälfte zufrieden sein. Dort ging es zwar längst darum, den Rückstand nicht zweistellig werden zulassen. Aber das gelang immerhin letztmalig bei Stand von 18:27 in der 49. Minute. „Ich bin froh, dass die Jungs in der zweiten Halbzeit noch die richtige Einstellung gefunden haben“, freute sich Bader über diese Phase.

Dennoch blieb die Spielkontrolle bei den Löwen, die mit Andreas Palicka auch das Torhüterduell für sich entschieden und einige ihrer Stammspieler (Groetzki, Sigurdsson, Guardiola) nicht einmal zum Einsatz gebracht hatten.

Auch im zweiten Heimspiel sind die Bietigheimer Fans, die ihren Spieler 60 Minuten lang den Rücken stärkten, für Bader immer noch ein Phänomen. „Dass wir bei einem solchen Rückstand noch diese Unterstützung erhalten, ist schon höchst erstaunlich.“ Ein Punkt, an dem der Aufsteiger schleunigst arbeiten muss: In der Schlussphase fehlten erneut einige Minuten an Kraft und Konzentration, die Rhein-Neckar Löwen schraubten das Ergebnis am Ende noch auf 21:36.

SG BBM Bietigheim: Ebner, Müller; Link (7), Schmidt (5/5), Fischer (2), Haller (1), Schäfer (1/1), Claus (1), Weber (1), Döll (1), Rønningen (1), Marčec (1), Oehler, Asmuth, Schwarz, Vlahovic.

Rhein-Neckar Löwen: Palicka, Appelgren; Kohlbacher (6), Tollbring (6), Lipovina (5), Mensah (4), Schmid (3), Radivojevic (3), Taleski (3), Petersson (3), Fäth (2), Nielsen (1), Abutovic, Groetzki, Guardiola, Sigurdsson.

Spielverlauf: 5:6 (8.), 5:11 (16.), 9:14 (24.), 11:20 (30.), 11:22 (36.), 15:25 (44.), 18:27 (49.), 19:34 (58.), 21:36 (60.).

Zeitstrafen: Oehler (11., 18.), Claus (23.), Asmuth (30., 56.) – Abutovic (17.), Radivojevic (44.)

Siebenmeter: 6/8 – 0/1
Schiedsrichter: Jörg Loppaschewski / Nils Blümel (DHB Elitekader)
Zuschauer: 2723 (EgeTrans Arena Bietigheim)