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StartAktuellRund 3.000 Menschen bei Kundgebung auf dem Schlossplatz

Rund 3.000 Menschen bei Kundgebung auf dem Schlossplatz

AktuellRund 3.000 Menschen bei Kundgebung auf dem Schlossplatz
OB Nopper: „Unsere Herzen sind Blau-Gelb gefärbt“

Stuttgart.| Oberbürgermeister Dr. Frank Nopper hat am Sonntag, 27. Februar, seiner Verbundenheit zu den Menschen in der Ukraine Ausdruck verliehen. Bei einer Kundgebung auf dem Stuttgarter Schlossplatz sagte er vor etwa 3.000 Menschen: „Unsere Gedanken sind in diesen schweren Stunden bei den Menschen in der Ukraine, ihnen gilt unsere Solidarität. Und wir trauern um die Opfer, die dieser furchtbare Krieg bereits in wenigen Tagen mit sich gebracht hat.“ Die russische Invasion verurteilte Nopper als einen „Angriff auf die Völkergemeinschaft“.

Nopper betonte, dass in Stuttgart viele Menschen aus der Ukraine und Russland friedlich nebeneinander und freundschaftlich miteinander lebten. „Wir dürfen es nicht zulassen, dass diese guten Beziehungen, dass diese Freundschaften durch diesen Krieg beschädigt oder sogar zerstört werden. In diesen Zeiten müssen wir unsere Städtepartnerschaften ganz besonders pflegen – auch diejenige mit unserer russischen Partnerstadt“, so Nopper.

Er sagte auch: „Unsere Herzen sind in dieser schweren Zeit in den ukrainischen Nationalfarben Blau-Gelb gefärbt. Wir stehen ganz fest an der Seite der Ukraine, auch an der Seite derjenigen, die wegen des Kriegs aus der Ukraine flüchten müssen.“ Gräber- und Gedenkstätten der Opfer von Krieg, Gewalt und Terror mahnten Frieden und Versöhnung an. Sie mahnte zugleich gegen das „Schlafwandeln und die Fehleinschätzung, dass der Friede ohne unser Zutun für alle Zeiten gesichert sei.“

Nopper schloss in Anspielung auf die ukrainische Nationalhymne mit den Worten: „Wenn wir alle zusammenstehen, stirbt die Ukraine nicht, sterben Frieden und Freiheit nicht. Deswegen geht von Stuttgart ein flammender Appell aus – für Versöhnung, für Entschlossenheit, für Frieden in Freiheit!“

Die Kundgebung war von den Grünen, der CDU, der SPD und der FDP organisiert worden. Neben Vertreterinnen und Vertretern der Parteien sprach auch eine Stuttgarter Ukrainerin.

Die Rede von OB Dr. Nopper im Nopper:
„Liebe Stuttgarterinnen und Stuttgarter, liebe Freundinnen und Freunde, meine sehr geehrten Damen und Herren,

seit Donnerstag früh stehen wir alle unter Schock, ja vielleicht sogar unter Schockstarre. Wir alle sind tief bewegt, ja geradezu fassungslos, weil in der Ukraine und damit in Europa Krieg herrscht – zum ersten Mal wieder seit langer Zeit.

Unsere Gedanken sind in diesen schweren Stunden und Tagen bei den Menschen in der Ukraine, unsere Solidarität gilt den Menschen in der Ukraine, unsere Verbundenheit gilt den Menschen in der Ukraine. Und wir trauern um die Opfer, die dieser furchtbare Krieg bereits in wenigen Tagen mit sich gebracht hat. Deswegen ist es großartig, dass so viele hierher zu dieser Friedenskundgebung gekommen sind. Das Land Baden-Württemberg hat das Neue Schloss mit den ukrainischen Farben beflaggt. Als Zeichen der Solidarität und als Zeichen für Frieden habe ich am Freitag die Flagge des Bürgermeister-Netzwerks „Mayors for peace“ am Rathaus hissen lassen. Außerdem habe ich im Festraum des Rathauses eine Friedenskerze entzündet, um damit ein Zeichen für Frieden, Freiheit und Völkerverständigung zu setzen. Auch in Stuttgart leben viele Menschen aus Russland und aus der Ukraine nicht nur friedlich nebeneinander, sondern sogar freundschaftlich miteinander. Wir dürfen es nicht zulassen, dass diese guten Beziehungen, dass diese Freundschaften durch diesen Krieg beschädigt oder sogar zerstört werden. In diesen Zeiten müssen wir unsere Städtepartnerschaften ganz besonders pflegen – auch diejenige mit unserer russischen Partnerstadt. Städtepartnerschaften sind in Friedenszeiten von großer Bedeutung, in Zeiten von Krieg und bewaffneten Konflikten sind sie von noch größerer Bedeutung. Sie bereiten den Boden für eine friedliche Entwicklung zwischen den Städten und den Völkern. Deswegen setzen wir darauf, auch in Zukunft unsere seit 30 Jahren gewachsene Städtepartnerschaft mit unserer russischen Partnerstadt Samara fortzusetzen.
Meine sehr geehrten Damen und Herren, dieser Angriff auf die Völkergemeinschaft, dieser Angriff auf die freien Völker zeigt, wie brüchig der Friede in Europa ist. Vielleicht haben wir zu sehr an den ewigen Frieden in Europa geglaubt, vielleicht waren wir zu wenig wachsam.

Wir müssen alles unternehmen, dass die Geister der Vergangenheit nicht wieder erwachen und alles dafür tun, ein friedliches Zusammenleben zu ermöglichen. Der große deutsche Philosoph Immanuel Kant hat diese Forderung bereits vor über 200 Jahren in seinem berühmten Werk „Zum ewigen Frieden“ erhoben. Kant schreibt: „Der Frieden ist kein Naturzustand unter Menschen, er muss gestiftet werden.“ Frieden stiften im Sinne des Königsberger Philosophen heißt: Jeder soll ein Friedensstifter sein, jeder soll seinen Beitrag dazu leisten, unser Zusammenleben in Deutschland, Europa und in der Welt besser und menschengerechter zu machen. Der völkerrechtswidrige Überfall auf die Ukraine muss für uns aber auch Anlass sein, über Bedeutung, Rolle und Akzeptanz von Militär, Streit- und Sicherheitskräften in unserem Land nachzudenken. Militär und auch Polizei haben mehr Wertschätzung, Achtung und Rückhalt verdient. Der Bundeswehr nur wohlwollendes Desinteresse entgegenzubringen, wie es der frühere Bundespräsident Horst Köhler einmal kritisch anmerkte, ist zu wenig. Und die in Teilen unserer Gesellschaft bestehenden Vorbehalte gegenüber allem Militär und allem Militärischen – auch gegenüber der Parlamentsarmee Bundeswehr – sind unberechtigt. Ohne eine funktionsfähige Polizei gibt es keinen Rechtsstaat, der diesen Namen verdient. Und der Krieg in der Ukraine zeigt uns auch: Jedes souveräne Land braucht funktionsfähige Streitkräfte, die bei der Wahrnehmung ihrer schwierigen Aufgaben von breiten Schichten der Gesellschaft getragen werden.

„Weil die Toten schweigen, beginnt immer wieder alles von vorn“, hat der französische Philosoph Gabriel Marcel einmal geschrieben. Damit die Toten nicht schweigen, damit wir ihre Stimme hören, gibt es die Gräber- und Gedenkstätten der Opfer von Krieg, Gewalt und Terror – als anhaltende Mahnung für Frieden und Versöhnung, als Mahnung gegen das Schlafwandeln, als Mahnung gegen Gleichgültigkeit und als Mahnung gegen die Fehleinschätzung, dass der Friede ohne unser Zutun für alle Zeiten gesichert sei.

Liebe Freundinnen und Freunde, unsere Herzen sind in dieser schweren Zeit in den ukrainischen Nationalfarben Blau-Gelb gefärbt. Wir stehen ganz fest an der Seite der Ukraine, auch an der Seite derjenigen, die wegen des Kriegs aus der Ukraine flüchten müssen. Die ukrainischen Nationalfarben Blau-Gelb sind das Symbol für Solidarität. Sie sind das Symbol des Widerstandes gegen diesen völkerrechtswidrigen, sinnlosen und ungerechten Angriffskrieg. Sie sind das Symbol für Frieden und Freiheit. Sie sind das Symbol der freien Welt. Der große ukrainische Dichter Pawlo Tschubynskyi hat ein Gedicht verfasst, das zur ukrainischen Nationalhymne weiterentwickelt wurde und das mit den Worten beginnt: “Noch ist die Ukraine nicht gestorben.“

Ja, liebe Freundinnen und Freunde, wenn wir alle zusammenstehen, stirbt die Ukraine nicht, sterben Frieden und Freiheit nicht. Deswegen geht von Stuttgart ein flammender Appell aus – für Versöhnung, für Entschlossenheit, für Frieden in Freiheit!“


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