von Bernhard Gaus

Bietigheim-Bissingen.| Die SG BBM Bietigheim baut die heimische Viadukthalle wieder zur Festung aus. Mit einem 33:27(12:13)-Erfolg über den TuS Ferndorf feierten die Jungs von Hannes Jón Jónsson am 16. Spieltag der 2. Handball-Bundesliga den vierten Heimsieg in Folge und gehen mit einem positiven Eindruck ins neue Jahr. Ferndorf muss nach der fünften Niederlage in Serie die WM-Pause nutzen, um sich zu sammeln.

„Das war im Angriff in der zweiten Halbzeit unsere beste Leistung in diesem Jahr“, freute sich Bietigheims Trainer auch über die richtige Antwort seines Teams auf die herbe Niederlage in Desslau-Roßlau. „Man hat gesehen, dass die Jungs Spaß hatten, das war auch die nötige Lockerheit dabei.“

Der Treffer von Jonas Link zum 18:17, der ersten Führung für die Hausherren, war in der 38. Minute so etwas wie eine Initialzündung. Bis dahin war die Partie völlig ausgeglichen. „Wir können mit der ersten Halbzeit zufrieden sein, wir führen“, analysierte Robert Andersson. Beim Stand von 4:8 sah der Coach des TuS Ferndorf sein Team zwar schon mit einem deutlichen Vorsprung, bis zur Pause sollte der allerdings auf ein Tor schrumpfen. Den Unterschied in der Anfangsphase machten einige Ballverluste der SG BBM, die Ferndorf mit vier Kontertoren gnadenlos bestrafte. Nach dem Treffer zur 3:7-Führung sollte Ferndorf nur noch ein Tempotor gelingen. „Wir hatten anfangs auch Probleme unserer offensiven Abwehrvariante“, bemerkte Jónsson, „aber keinen Stress mit dem Halbzeitstand.“

Da spürte der Isländer wohl schon, dass sein Team das Spiel in den Griff bekommen sollte. Es folgten 20 ganz starke Minuten der Hausherren, in denen die Bietigheimer angeführt vom umsichtigen Jonas Link aus dem Rückraum Druck machten wie (zu) selten in dieser Saison. Ferndorfs Torhüter bekamen kaum mehr eine Hand an die Würfe der SG BBM, während auf der Gegenseite Aron Edvardsson jetzt mit einigen Paraden seinem Team wichtige Impulse geben konnte. „Wir waren in der 2. Halbzeit kompakt in der Abwehr, das hilft dabei natürlich“, gilt der isländische Keeper das Lob weiter. Abwehr und Abschlüsse der SG BBM gewannen zusehend an Sicherheit. Ein aus der Spielsituation entstandener Mosaikstein war dabei auch der Abwehr-Angriff-Wechsel zwischen Dominik Claus und Tim Dahlhaus, der mit seinen sechs Toren auf Touren kam. „Der Unterschied in der zweiten Hälfte war, dass Bietigheim mehr Zweikämpfe gewonnen hat und sein Konzept gehalten hat“, sagte Robert Andersson. „Wir kriegen das über die gesamte 60 Minuten noch nicht hin“. Der Schwede nahm, da beim Stand von 25:20 die Partie zu entgleiten drohte, seine dritte Auszeit.

Aber Bietigheim bleibt hinten stabil und vorne mutig. Als Ferndorf den Angriffsdruck mit dem siebten Feldspieler verstärken will, gelingen Jonathan Fischer und Martin Marčec zwei Tore ins verlassene TuS-Gehäuse. Bietigheim führt mit 29:11 Toren. In dieser Phase läuft bei Ferndorf fast alles über den auf die Spielmacherposition gerückten Julian Schneider, der selbst vier Tore macht und zwei weitere Treffer der Gäste auflegt. Schneider markiert den letzten Treffer zum 33:27-Endstand und war zusammen mit Josip Eres erfolgreichster Werfer auf dem Feld.

Bei Bietigheim waren die Schützen breiter verteilt. Neben Link und Dahlhaus zeigten sich auch Nikola Vlahovic, Jonathan Fischer am Kreis und Martin Marčec treffsicher. Am Ende standen 33 Tore für Bietigheim auf der Anzeigentafel, so viele wie noch in keinem Spiel in dieser Saison. Trotz des Erfolgserlebnisses sehnt Jónsson die jetzt beginnende Auszeit von der Corona-geplagten Saison herbei: „Das Spiel zeigt, dass wir den Handball nicht verlernt haben. Aber momentan hilft und nichts mehr als der Urlaub bis zum 11. Januar.“

SG BBM Bietigheim: Edvardsson, Lehmann; Link (6), Dahlhaus (6), Fischer (5), Marčec (4), Vlahovic (4), Schäfer (3/1), Asmuth (2), Barthe (1), Claus (1), de la Peña (1), Rentschler, Öhler, M. Urban, Boschen.

TuS Ferndorf: Durica, Puhl, Hottgenroth; Eres (7/5), J. Schneider (7), Matzken (3), M. Michel (3), Sario (3), L. Schneider (2), Bornemann (2), Rink, Pechy, L. Michel, Koloper.

Spielverlauf: 2:5 (8.), 4:8 (14.), 9:9 (19.), 10:12 (26.), 12:13 (30.), 18:17 (38.), 23:19 (45.), 26:21 (50.), 31:23 (55.), 33:27 (60.).
Zeitstrafen: Fischer (27.), Barthe (34.), Marčec (40.) – Rink (16.)
Siebenmeter: 1/1 – 5/5
Schiedsrichter: Manuel Lier / Jan Lier (DHB Bundesligakader)
Zuschauer: 0 (Halle am Viadukt Bietigheim)