Die Saison in der Handball Bundesliga der Frauen ist eröffnet. Den ersten Treffer der neuen Spielzeit erzielte der Buxtehuder SV, der am Ende gegen die Neckarsulmer Sport-Union mit 28:26 (16:15) die Oberhand behielt. Die Tabellenführung hatte das Team von Dirk Leun aber nur kurz inne, der Thüringer HC zog mit einem 30:22 bei den Kurpfalz Bären aufgrund der besseren Tordifferenz vorbei – wurde aber kurz darauf von Borussia Dortmund abgelöst. Die Mannschaft von André Fuhr wurde beim 34:21-Erfolg in Buchholz seiner Favoritenrolle ebenso gerecht wie die SG BBM Bietigheim beim 35:25 gegen die HSG Bad Wildungen Vipers. Einen Auswärtserfolg feierte die HSG Blomberg-Lippe in Göppingen. Am Sonntag drehte Leverkusen nach einem 12:11 Pause im zweiten Abschnitt auf und siegte mit 26:16, die HSG Bensheim/Auerbach verpasste durch das 34:22 in Mainz die Tabellenspitze nur um ein Tor und dem VfL Oldenburg gelang mit dem 26:25 gegen Metzingen eine erste Überraschung.

Leverkusen dreht im zweiten Abschnitt auf
Unruhig war die Woche beim SV Union Halle-Neustadt, der Aufsteiger hatte sich überraschend noch vor dem Saisonauftakt wieder vom neuen Trainer Christian Denk getrennt. Jan-Henning Himborn übernahm und sah eine starke erste Hälfte seines Teams, das nach zwanzig Minuten mit 9:6 führte. Dann aber fanden die Gastgeberinnen von Coach Michael Biegler in die Begegnung, trotz der starken Anica Gudelj im Tor der Gäste drehte Leverkusen das Spiel und nahm ein 12:11 mit in die Kabinen.

Nach Wiederbeginn spielten nur noch die Gastgeberinnen, die sich über 15:11 auf 21:13 absetzten und zu einem ungefährdeten 26:16-Erfolg steuerten. Halle lief sich immer wieder in der nun aggressiven Deckung des Bayer-Teams fest und kam im zweiten Abschnitt nur auf fünf Tore. Mit drei Treffern waren Marija Gudelj und Danique Boonkamp beste Schützinnen beim Aufsteiger. Bei Leverkusen erzielten Mia Zschocke, Zoe Sprengers und Fanta Keita fünf Tore.

„In der ersten Halbzeit haben wir Leverkusen vor schwere Aufgaben gestellt. An diese Leistung müssen wir in den kommenden Spielen anknüpfen. Wir haben zu Beginn der zweiten Halbzeit gleich mehrere Zeitstrafen bekommen, was Leverkusen ausnutzte, um sich mit 3-4 Toren abzusetzen“, so Jan-Henning Himborn und Leverkusens Renate Wolf, die gemeinsam mit Michael Biegler als Chefcoach agiert, betont: „Ich glaube, dass es auch moralisch sehr wichtig war, dass wir uns bis zur Pause nicht nur ran gekämpft haben, sondern sogar mit einer Führung in die Halbzeit gegangen sind. In der zweiten Halbzeit lief es dann so, wie wir uns das Ganze vorstellen.“

Bensheim/Auerbach mit perfektem Start in Mainz
Wie gemalt verlief der Saisonauftakt für die HSG Bensheim/Auerbach, von der ersten Minute an legte das Team von Heike Ahlgrimm den Spielstand in Mainz vor. Mit einem Sechser-Pack setzten sich die Gäste nach gut einer Viertelstunde beim 11:3 dann früh vorentscheidend ab und konnten die deutliche Führung in der Folge verwalten. Beim 16:6 betrug der Abstand erstmals zehn Tore, in die Kabinen ging es mit einem 19:10 für die Flames.

Mainz stabilisierte sich nach der Pause und konnte den Abstand zunächst konstant halten. Bei Bensheim/Auerbach gab es angesichts der deutlichen Führung einige Wechsel, am Ende trugen sich so insgesamt neun Spielerinnen mit zwei oder mehr Treffern in die Torschützenliste ein. Beste Schützinnen waren Isabelle Hurst und Ines Ivancok bei den Gästen sowie Carina Gangel für Mainz mit jeweils sechs Treffern. Die Flames verpassten mit dem 34:22 die Tabellenspitze am Ende um ein Tor, Dortmund hatte am Vortag mit 34:21 in Buchholz gewonnen.

„Wir haben uns vorgenommen keine 25 Tore zu bekommen, das haben wir geschafft und wir haben 34 erzielt, das muss man erst einmal machen. Jetzt haben wir die zwei Punkte. Von daher sind wir absolut zufrieden“, kommentierte Flames-Trainerin Heike Ahlgrimm und Dynamites-Coach Florian Bauer resümierte: „Wir waren in der 1. Halbzeit absolut überhaupt nicht auf Augenhöhe. In der Halbzeit habe ich der Mannschaft gesagt, sie sollen bei null anfangen und es als Vorbereitung für die kommenden lösbaren Aufgaben sehen. Mit der zweiten Halbzeit kann ich ganz gut leben.“

VfL Oldenburg überrascht TuS Metzingen
Einen Krimi sahen unterdessen die 300 zugelassenen Zuschauer in Oldenburg sowie viele weitere im Livestream. Der gastgebende VfL und die TuS Metzingen lieferten sich einen packenden Schlagabtausch. Im ersten Abschnitt legten die Gastgeberinnen jeweils vor, konnten sich aber nicht absetzen.

Mit einem Doppelschlag zum 14:10 gelang dies zu Beginn der zweiten Hälfte, doch Metzingen kämpfte sich wieder heran und schaffte beim 17:17 den Ausgleich. Fünf Minuten vor dem Ende war Oldenburg beim 22:23 dann erstmals mit einem Rückstand konfrontiert, doch Jenny Behrend holte diesen mit zwei Treffern umgehend wieder zurück. Zwei Siebenmeter von Kathrin Pichlmeier, die mit 12/5 Treffern beste Schützin der Partie war, hielten die Gastgeberinnen dann bis zum 26:25-Endstand auf Kurs.

„Wir haben heute so gefightet. Wir wussten, wir müssen auf uns gucken und dass wir das abrufen und spielen, was wir können. Das ist uns heute sehr gut gelungen und deshalb haben wir auch verdient gewonnen“, so Oldenburgs Trainer Niels Bötel. „Wir hatten im Angriff auch Probleme, aber wir haben in der Abwehr super aggressiv gespielt und es ist immer die zweite dazugekommen und haben die entscheidenden Bälle gewonnen.“

Metzingens Trainerin Edina Rott haderte nach dem Spiel mit der Leistung ihrer Mannschaft: „Schlussendlich war es ein verdienter Sieg für den VfL Oldenburg. Wir haben überhaupt nicht ins Spiel gefunden, im Angriff wie in der Abwehr keine Lösungen parat gehabt. Heute waren wir zu ängstlich, haben zu viele Fehler gemacht und konnten das Heft des Handelns nie richtig in die Hand nehmen.“

Buxtehude mit Achterbahnfahrt gegen Neckarsulm
Dass der Handball den Spielerinnen gefehlt hat, merkten die 366 Zuschauer bereits in der torreichen Anfangsphase: 11:7 hieß es nach dreizehn Minuten. Neckarsulm setzte danach vier Treffer in Serie und glich zum 11:11 aus, beim 13:14 sah sich Buxtehude sogar mit einem Rückstand konfrontiert – Caroline Müller-Korn setzte dann aber für Buxtehude den 16:15-Pausenstand.

Nach Wiederbeginn konnte sich Buxtehude beim 20:17 wieder leicht absetzen, doch beim 23:23 war Neckarsulm wieder auf Augenhöhe. Die Gäste vergaben aber die Chance auf die Führung, stattdessen setzte der BSV die vorentscheidenden Treffer: Mit dem 27:24, das Teresa von Prittwitz mit ihrem ersten Bundesliga-Tor erzielte, war die Vorentscheidung gefallen.

„Mit so vielen technischen Fehler gewinnen wir kein Spiel“, hadere Neckarsulms Trainerin Tanja Logvin. „Wir haben gesehen, was eine junge Mannschaft ausmacht. In der ersten Halbzeit haben wir tollen Tempohandball gespielt, aber wir sind noch nicht so konstant, dass wir den Vorsprung ausbauen“, so BSV-Coach Dirk Leun nach der Achterbahnfahrt zum 28:26-Erfolg – bei der er auch die 366 Zuschauer für die Unterstützung lobte.

Thüringer HC siegt bei Kurpfalz Bären
Auch der Thüringer HC ist mit einem Sieg in die neue Saison der Handball Bundesliga Frauen gestartet. Die Mannschaft von Trainer Herbert Müller gewann am Samstag bei den Kurpfalz Bären mit 30:22 (15:9). Beste THC-Werferin war Emma Ekenman-Fernis mit sechs Treffern. Für die Gastgeberinnen erzielte Lara Eckhardt acht Tore.

Das Müller-Team übernahm nach leichten Schwierigkeiten zu Beginn zunehmend die Spielkontrolle. Torhüterin Petra Blazek, die insgesamt zwölf Würfe parierte, präsentierte sich als sicherer Rückhalt für ihre Mannschaft. Josefine Huber traf in der 19. Minute zum Zwischenstand von 10:5 und sorgte damit für die erste Fünf-Tore-Führung des THC.

Nach dem Seitenwechsel bauten die Thüringerinnen ihren Vorsprung weiter aus. Der schwedische Neuzugang Ekenman-Fernis verwandelte einen Siebenmeter zum 22:13 (43.). In der Schlussphase ließ der siebenmalige deutsche Meister nichts mehr anbrennen und feierte am Ende einen souveränen Auswärtssieg. „Wir haben heute ein kampfbetontes Spiel gesehen. Ketsch hat sich ordentlich verkauft. Wir haben gefightet bis zum Schluss. Ketsch hat gut dagegen gehalten. Wir haben heute noch viele Fehler gemacht. In so einem Spiel geht es aber auch nicht um schön spielen, sondern darum die Punkte mitzunehmen und das haben wir geschafft“, so THC-Chefcoach Herbert Müller.

Dortmund trumpft in Buchholz auf
Mit dem deutlichsten Sieg des Tages unterstrich unterdessen Borussia Dortmund gleich zum Auftakt die Favoritenrolle in dieser Saison. Der Auftsteiger konnte mit einem Hygiene-Konzept immerhin 197 Zuschauern in die Halle lassen, die allerdings gleich von der ersten Minute an dominierende Gäste sahen. „Ich bin nicht ganz unzufrieden, denn die Mannschaft hat über sechzig Minuten gegen ein Ausnahme-Team gekämpft“, sollte Luchse-Coach Dubravko Prelcec nach sechzig Minuten konstatieren.

Schnell hatte sich die Borussia auf 4:0 abgesetzt, erst nach einer ersten Auszeit konnten die Gastgeber dann nach fast neun Minuten durch Marleen Kadenbach den ersten Treffer erzielen. Bis zum 10:7 konnte der Außenseiter den Abstand in der Folge konstant halten, eine Dreier-Serie brachte den Westdeutschen dann aber die erste Sechs-Tore-Führung. Doch Buchholz stabilisierte sich wieder, Dortmund nahm ein 16:12 mit in die Pausen.

Eine weitere Dreier-Serie zum 19:12 stellte dann jedoch gleich in den ersten Minuten des zweiten Abschnitts endgültig die Weichen und beendete die letzte Hoffnung auf eine Sensation. Beim 26:16 betrug der Abstand erstmals zehn Tore, am Ende hieß es 34:21 für den Favoriten, bei dem gleich sieben Spielerinnen drei oder mehr Tore erzielten. Inger Smits und Johanna Stockschläder waren mit je sechs Treffern die erfolgreichsten Schützinnen bei Dortmund, bei Buchholz kam Marleen Kadenbach auf 5/2 Tore.

Bietigheim mit klarem Auftaktsieg gegen Vipers
In Bietigheim erzielte Julia Maidhof vor rund 420 Zuschauern den ersten Treffer der Partie für die Gastgeberinnen, die sich in der Folge von den Vipers auf 5:1 absetzten. Starker Rückhalt in der Anfangsphase war die neue Nummer 1, Emily Sando, mit zwei klasse Paraden sowie einem gehaltenen Siebenmeter. Über ein 7:3 und 9:4 sowie ein 14:7 ging es mit einem 16:11 in die Kabinen.

Nach der Pause setzte sich der Favorit beim 18:11 wieder auf sieben Tore ab, doch die Gäste kämpften sich zurück und konnten zwölf Minuten vor dem Ende auf 25:20 verkürzen. Der Sieg der Gastgeberinnen geriet aber nicht mehr in Gefahr, im Gegenteil: Die Bietigheimerinnen drehten noch einmal auf und siegten am Ende beim 35:25 sogar mit zweistelliger Differenz.

Bietigheims Cheftrainer Markus Gaugisch zeigte sich zufrieden nach dem Auftaktsieg: „Ich habe viel Gutes gesehen. Wir leisteten uns sehr wenige technische Fehler. Zwischendurch hatten wir eine kleine Schwächephase, das sollten wir in Zukunft abstellen. Aber im Großen und Ganzen bin ich sehr zufrieden mit der gezeigten Leistung meiner Mannschaft.“

„Das erste Spiel war ein Spiel mit vielen Höhen und Tiefen – in der ersten Halbzeit hat die Abwehr überhaupt nicht gut gestanden. Wir haben den Bietigheimerinnen über die Mitte zu viele Freiräume geboten, konnten uns aber glücklicherweise in der zweiten Halbzeit deutlich steigern. Im Angriff hat uns am Anfang ein bisschen der Mut gefehlt und zum Ende hin haben wir zu viele technische Fehler gemacht“, kommentiert Vipers-Trainerin Tessa Bremmer zusammenfassend die Leistung beim Bundesliga-Auftakt.

Blomberg gewinnt in Göppingen
In Göppingen waren knapp 500 Zuschauer bei der Rückkehr der Bundesliga in der Halle. Den ersten Treffer setzte Lisa Rajes für die Gäste, die auch in der Folge zunächst den Ton angaben. Neuzugang Myrthe Schoenaker erhöhte für Blomberg auf 7:3, in der Folge kamen aber die Gastgeberinnen besser ins Spiel – vor allem dank Linksaußen Iris Andjic und Torfrau Anne Bocka. Zur Pause führten die Gäste nur noch mit 12:10.

Im zweiten Abschnitt sollte beim 14:14 dann der Ausgleich fallen, doch für Blomberg schien das der Weckruf: Drei Treffer in Serie sorgten für das 17:14 – und diese Führung sollten die Gäste bis zur Sirene verteidigen. Bocka parierte im Göppinger Gehäuse ein ums andere Mal stark, die Abpraller sicherten sich jedoch meist die hellwachen Blombergerinnen, die am Ende ein 26:22 bejubeln konnten. Beste Werferin war Nele Franz, welche sich als sichere Siebenmeterschützin erwies und insgesamt 7/5 Treffer erzielte.

„Ich bin stolz darauf, was wir hier geschafft haben. Jeder aus dem Team hat seinen Beitrag zum Erfolg geleistet. Es war unglaublich schön, die Mannschaft wieder spielen zu sehen, zusammen fighten zu sehen und unglaublich schön, wieder dieses Wettkampfgefühl zu erleben“, so Steffen Birkner nach dem Spiel. Der Blomberger Trainer fügte an: „Wir haben es vor allem in der Abwehr über 60 Minuten lang gut gelöst. Auch wenn wir noch nicht am Ende der Entwicklung angekommen und weiter in einem Prozess sind, bin ich heute erst einmal zufrieden. Siege tun am Ende des Tages immer gut!“