Regional, mit Ballen, Zertifikat oder aus Durchforstung – Alternativen zum gespritzten Plantagenbaum

Stuttgart.| Der Trend beim Weihnachtsbaum geht zu regionalen Modellen. Das freut den NABU-Landesvorsitzenden und Forstexperten Johannes Enssle: „Das Kaufverhalten ändert sich. Nur noch zehn statt früher 25 Prozent der Bäume stammen aus dem europäischen Ausland, meist aus dänischen Plantagen. Die Menschen im Südwesten kaufen vermehrt Christbäume aus regionalem Anbau. Rund zehn Prozent greifen zu einem Baum mit Ballen, der nach 14 Tagen im Wohnzimmer nicht mehr auf dem Kompost landet. Und manche mieten sich einen Baum.“

Aktuell stehen auf 2.400 Hektar Fläche im Land Weihnachtsbäume. „Plantagenbäume werden in der Regel kräftig gespritzt und gedüngt, mit Insektiziden gegen Rüsselkäfer und Läuse, Herbiziden gegen konkurrierendes Gewächs und Mineraldünger für einen gleichmäßigen Wuchs und für eine intensive Grün- und Blaufärbung der Nadeln. Die Bäume werden häufig in Monokulturen angebaut. Diese bieten wenig Vielfalt als Lebensraum für Tiere. Dabei zeigen Ökobetriebe, dass es anders geht. Alle Bereiche der Landwirtschaft sollten prüfen, welchen Beitrag sie zur Pestizidreduktion im Land leisten können“, sagt Enssle.

Wer Wert auf giftfreie Bäume in der guten Stube legt, kann zu einem der noch wenigen Weihnachtsbäume mit Siegel greifen: „Mit dem Kauf eines Baumes mit Siegel von Naturland, Bioland, Demeter oder Forest Stewardship Council (FSC) setzen Verbraucherinnen und Verbraucher ein Zeichen für den giftfreien Anbau von Weihnachtsbäumen“, so Enssle. Einen Überblick über lokale Anbieter nach Regionen gibt die Waldschutzorganisation Robin Wood unter www.robinwood.de. Hier sind 62 Verkaufsstellen von 19 Betrieben gelistet.

Regional und giftfrei: Bäume aus Durchforstung
Bäume aus dem Wald sind ökologisch gesehen jedem weit gereisten, gespritzten Baum aus riesigen Monokulturen in Dänemark oder andernorts vorzuziehen“, fügt der Forstexperte an. Eine gute Wahl seien Fichten, Kiefern und Weißtannen, die beim Durchforsten des Waldes ohnehin weichen müssen, um anderen Bäumen Platz zu machen. „Diese Bäume stehen mitten im Wald statt auf Plantagen, verbrauchen damit keinen zusätzlichen Platz und sind frei von Giften. Dafür sind sie nicht ganz so perfekt gezogen. Am besten beim lokalen Förster danach fragen.“

Regionale Christbäume sind besser fürs Klima, weil sie nicht quer durch die Republik anreisen. Zudem besteht bei Bäumen aus dem Ausland immer die Gefahr, dass sie unerwünscht gebietsfremde Arten huckepack einschleppen. Trotzdem wachsen viele Bäume aus dem Südwesten in Christbaummonokulturen, etwa in der Ortenau und im östlichen Odenwald, wo sie gespritzt werden: „Auf den bis zu zwei Hektar großen Äckern werden oft Kunstdünger, Totalherbizide wie Glyphosat und Insektizide eingesetzt, um mit weniger Aufwand vermeintlich perfekte Bäume zu produzieren. Dabei stehen die vermeintlich perfekten Bäume dann nur ein paar Tage im Lichterglanz. Das müsste nicht sein“, kritisiert Enssle.

Eine Alternative zum geschlagenen Baum sind solche mit Wurzelballen. Zehn bis zwölf Prozent der Christbäume werden im Topf gekauft, so die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald. Bevor der Christbaum von Terrasse oder Balkon für die Feiertage ins warme Wohnzimmer umzieht, sollte er sich in Keller oder Garage akklimatisieren, damit er den Besuch gut übersteht. „Wer ihn von unten über eine Schale alle zwei Tage gießt und hell stellt, schafft gute Überlebenschancen. Der Ausflug ins Warme sollte nur kurz dauern, damit der Baum nicht mitten im Winter frisch treibt. Nach dem Auszug muss der Ballen für einige Zeit vor Frost geschützt werden“, empfiehlt Enssle.

Ein neuer Großstadttrend sind gemietete Weihnachtsbäume im Topf. Eine gute Anschaffung kann auch ein stilisierter, geschnitzter Baum sein, wie man sie bald auf Adventsmärkten finden kann. „Alternativ lassen sich Tannenzweige oder eine stabile Zimmerpflanze schmücken.“ Von den Plastikversionen rät Enssle ab: „Mit Plastikmüll haben wir ja wirklich genug Sorgen. Muss es da auch noch ein Baum aus Plastik sein?“.