Nach Riss eines Wildtieres und Untersuchungen im Labor steht fest: Es war ein Hund
In den letzten Wochen wurden dem Landratsamt Rems-Murr Kreis vermehrt Rehrisse im Bereich Murrhardt gemeldet. Der letzte Rehriss wurde Mitte Mai gemeldet. Daraufhin hatten die Wildtierbeauftragten des Landkreises umgehend die Situation vor Ort untersucht und in Absprache mit der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA) Abstrichproben an das Senckenberg Zentrum für Wildtiergenetik zur Untersuchung geschickt. Nun liegen die Ergebnisse vor: Die FVA teilte am 9. Juni 2026 mit, dass die Beteiligung eines Wolfes ausgeschlossen werden kann. Ein Hund wurde als Verursacher bestätigt.
Freilaufende und wildernde Hunde stellen eine erhebliche Gefahr für Wildtiere dar. Besonders kritisch ist die aktuelle Jahreszeit. Während der Brut- und Setzzeit im Frühjahr reagieren viele Wildtiere äußerst empfindlich auf Störungen. Hochtragende Rehgeißen können durch Stress Fehl- oder Frühgeburten erleiden. Werden Muttertiere gerissen, bleiben verwaiste Jungtiere oft unversorgt und schutzlos zurück. Zudem führen Hetzjagden durch Hunde nicht selten zu schweren Verletzungen, etwa wenn Tiere in Panik flüchten und sich in Zäunen verfangen. Meist schaffen es Haushunde nicht, ihre Beute zu töten und verletzen sie jedoch stark, was zum qualvollen Tod führt.
Forstdezernent Gerd Holzwarth weist darauf hin, dass freilaufende Hunde die Wildtiere nicht nur aufscheuchen, sondern auch verletzen oder töten können. Vor diesem Hintergrund wird an alle Hundehalterinnen und Hundehalter appelliert, ihre Tiere in Feld und Flur anzuleinen oder stets unter Kontrolle im unmittelbaren Einwirkungsbereich zu halten. Wird ein Hund als Verursacher eines Wildtierrisses identifiziert, kann dies rechtliche Konsequenzen sowie ein Bußgeld für die Halterin oder den Halter nach sich ziehen.
Anwesenheit von Wölfen im Kreis
Wölfe ernähren sich zu weit über 90 Prozent von Wildtieren – insbesondere Rehe, Rothirsche und Wildschweine gehören in das Beuteschema. Grundsätzlich ist das Auffinden eines Wildtierrisses daher möglich. In Baden-Württemberg sind derzeit vier männliche Einzeltiere sowie ein Wolfspaar im Schwarzwald bestätigt. Mit dem Auftauchen durchziehender Einzeltiere ist überall in Baden-Württemberg zu rechnen. Die FVA bestätigte, dass es sich bei dem Tier, das Anfang Mai 2026 von einer Wildtierkamera im Raum Murrhardt aufgenommen wurde, sehr wahrscheinlich um einen Wolf handelt. Aufgrund der Bildqualität konnte die Aufnahme jedoch nicht als eindeutiger Nachweis gemäß den Monitoringstandards eingestuft werden Weitere Aufnahmen oder Hinweise auf das Tier wurden dem Landratsamt Rems-Murr-Kreis bislang nicht gemeldet Der letzte eindeutige Nachweis eines Wolfes im Rems-Murr-Kreis wurde im April 2024 im Bereich Rudersberg dokumentiert.
Grundsätzliches Verhalten im Umgang mit Wildtieren
Bitte gehen Sie nicht auf Wildtiere zu und bedrängen Sie diese nicht, auch wenn sich ein Wildtier in einer Notsituation befindet, also beispielsweise verletzt ist. Bleiben Sie bitte auf den Wegen, halten Sie sich an Ruhezeiten und die Leinenpflicht in Schutzgebieten.
Wildtiere sollten zudem unter keinen Umständen gefüttert werden, da bei einer regelmäßigen Fütterung von Menschen ein aufdringliches oder aggressives Verhalten entwickelt werden kann. Auch eine indirekte Fütterung zum Beispiel durch das Liegenlassen von Speiseresten ist zu vermeiden.