Ludwigsburg.| Der Kraftakt hat sich gelohnt: Der Theatersommer ist das einzige Freilichttheater in Baden-Württemberg, wohl sogar in Deutschland, das es trotz Corona geschafft hat, über zwei Monate hinweg beinahe täglich zu spielen – mit phasenweise bis zu 12 Vorstellungen in der Woche. Vom 15. Juli bis 12. September 2020 besuchten nahezu 5.000 Zuschauer*innen 66 Vorstellungen auf den drei Bühnen im Theatergarten. Aufgrund der stark eingeschränkten Kapazität von 50 bis 85 Plätzen waren alle Vorstellungen schon weit im Voraus und innerhalb kürzester Zeit restlos ausverkauft.

Mit gleich drei Premieren und einer Wiederaufnahme war der Theatersommer ein erhebliches Risiko eingegangen – und darf sich im Rückblick über ein Happy-End freuen. Denn das Bedürfnis und die Nachfrage nach Kultur und Theater waren riesig, die Dankbarkeit der Besucher*innen für das Programm 2020 quasi mit Händen zu greifen. Im Vorfeld wurde ein überzeugendes Sicherheitskonzept erarbeitet, das bis zum Ende der Spielzeit von einem engagierten Team konsequent umgesetzt wurde. Publikum und Sponsoren zeigten sich in vielfältiger Weise solidarisch und hilfsbereit. Neben Geldspenden brachten viele Zuschauer immer wieder durch Mails oder in Gesprächen zum Ausdruck, wie wichtig ihnen der Theatersommer als Kulturinstitution gerade in diesen Zeiten ist.

Auch wenn das Hin und Her in der Vorbereitungszeit mehr Kraft und Nerven gekostet hat als die eigentliche Inszenierungsarbeit: Mit den beiden Premieren von CYRANO und DIE BLECHTROMMEL im Abendspielplan unterstrich Intendant Peter Kratz den unverändert hohen künstlerischen Anspruch des Theatersommers. Die modernisierte Fassung von Rostands Theaterklassiker CYRANO kam ebenso gut an wie das musikalisch erweiterte Solo DIE BLECHTROMMEL nach dem Roman von Günter Grass. Presse und Publikum zeigten sich gleichermaßen begeistert.

Im Kinder- und Familientheater konnte die langjährige Theatersommer-Schauspielerin Diana Gantner mit ihrer ersten Inszenierung von PIPPI LANGSTRUMPF voll und ganz überzeugen. Mit Fantasie, Tempo und einem glänzend aufgelegten Ensemble wurden so die Weichen für die Zukunft des Kindertheaters gestellt. Zum Schluss der Spielzeit trugen die ausnahmslos ausverkauften Vorstellungen von HOW TO DATE A FEMINIST – dem Komödienerfolg der Spielzeit 2019 – mit dazu bei, dass der Theatersommer auch unter finanziellen Gesichtspunkten einigermaßen glimpflich davongekommen ist. Mit drastischen Einsparungen, Gehaltsverzicht und Kurzarbeitergeld ist es jedenfalls gelungen, die Spielzeit ohne ein existenzgefährdendes Defizit abzuschließen.

Trotzdem fällt es nicht leicht, nach dieser stark beeinträchtigen 30. Jubiläumssaison Bilanz zu ziehen. Die Zuschauerzahlen lassen sich aufgrund des um 65 bis 70% reduzierten Platzangebots nicht mit denen der letzten Jahre vergleichen. Besuchen in einer normalen Spielzeit mehr als 7.000 Zuschauer*innen allein das Kinder- und Familientheater, war in dieser Saison gerade einmal Platz für ca. 1.000 Besucher*innen. Zudem ließ sich aufgrund der Corona-bedingten kürzeren Spielzeit ein beträchtlicher Teil des Abendspielplans nicht realisieren. Das teilweise schon fertig umgesetzte Jubiläumssonderprogramm REALITY CLOSE-UP musste komplett verschoben werden.

Es bleibt die Hoffnung auf die kommende Spielzeit 2021! Einige Eckpunkte stehen bereits. Denn natürlich will der Theatersommer die Chance nutzen, Inszenierungen und Projekte wiederaufzunehmen, die dieses Jahr nur von einem kleinen Publikum gesehen werden konnten. Im Kindertheater können sich so Tausende von Schulkindern und Familien auf die Aufführungen von PIPPI LANGSTRUMPF freuen. Ebenso wird die gefeierte BLECHTROMMEL erneut auf dem Spielplan stehen. Vor allem aber kann sich das Publikum auf die künstlerische Linie des Theatersommers verlassen: Auch künftig werden Peter Kratz und das Theatersommer-Team nicht nur auf Unterhaltung setzen, sondern den Zuschauer*innen spannende, gesellschaftlich relevante Themen und ein breit gefächertes Programm bieten.