Unternehmen will Emissionen bis 2030 um 70 % senken

Bietigheim-Bissingen.| Der Dürr-Konzern hat eine ganzheitliche Klimastrategie mit ambitionierten Zielen für den Klimaschutz vorgestellt. Bis 2030 will der Maschinen- und Anlagenbauer die von ihm verursachten Emissionen von Treibhausgasen um 70 % senken und damit zum Erreichen des 1,5-Grad Ziels aus dem Pariser Klimaabkommen beitragen. Neben den eigenen Emissionen hat der im MDax notierte Konzern auch den Klimaeffekt aus der vorgelagerten Lieferkette und der Nutzung seiner Produkte im Blick. Das Leitmotiv der neuen Klimastrategie heißt „Investieren statt kompensieren“. Statt Emissionen durch Zahlungen zu kompensieren, investiert der Dürr-Konzern in klimafreundliche Technologien, um den Ausstoß von Treibhausgasen zu minimieren.

„Wir nehmen unsere Verantwortung für den Klimaschutz aktiv wahr. Mit unserer Klimastrategie und den entsprechenden Reduktionszielen gehören wir zu den Vorreitern im Maschinen- und Anlagenbau. Ökologische Nachhaltigkeit hat bei Dürr Tradition. So sind wir bereits seit den 1960er Jahren in der Umwelttechnik aktiv. Bei Kunden auf der ganzen Welt leisten unsere Technologien einen wichtigen Beitrag zur Verringerung von Emissionen in der Produktion. Den ökologischen Fußabdruck unserer eigenen Standorte werden wir durch Investitionen in klimafreundliche Technologien und Gebäude und die Umstellung auf Ökostrom stark reduzieren“, sagte Dr. Jochen Weyrauch, zukünftiger Vorstandsvorsitzender der Dürr AG und zuständig für die Nachhaltigkeitsstrategie des Konzerns.

Wissenschaftliche Begleitung: Science Based Targets initiative
Derzeit lässt das Unternehmen seine Klimastrategie und deren Ziele von der Science Based Targets initiative (SBTi) wissenschaftlich validieren. Die weltweit anerkannte Organisation prüft, ob die vom Dürr-Konzern angestrebten Reduzierungen in Einklang mit dem Erreichen des 1,5-Grad-Ziels stehen. Die Stellungnahme der SBTi wird im ersten Halbjahr 2022 erwartet.

Investitionen in die Energieeffizienz
Im Jahr 2019 beliefen sich die dem Dürr-Konzern direkt zurechenbaren CO2- Emissionen auf rund 57.000 Tonnen. Dabei handelt es sich um die sogenannten Scope-1- und 2-Emissionen, die im Wesentlichen aus dem Standortbetrieb und dem Zukauf von Energie resultieren.

Die Klimastrategie enthält Maßnahmen, um diese Emissionen bis 2030 um 70 % zu senken. Bis 2023 werden alle Standorte weltweit ausnahmslos auf Ökostrom umgestellt. Überdies investiert der Konzern stark in Photovoltaik. Den Anfang machen die deutschen Standorte Bietigheim-Bissingen, Schopfloch und Holzbronn; allein dafür werden 1,4 Mio. € investiert. Im zweiten Schritt sollen weitere Werke in Deutschland, Polen, China und den USA folgen. Ergänzend werden ORC-Anlagen (Organic Rankine Cycle) aus dem eigenen Produkt- programm installiert. Damit lässt sich nachhaltig Strom aus Abwärme erzeugen. Mithilfe von Photovoltaik und ORC sollen die entsprechend ausgerüsteten Standorte mindestens 70% des benötigten Stroms klimaneutral selbst erzeugen.

Weitere Emissionsreduzierungen sollen durch Gebäudeinvestitionen erreicht werden. Zum Beispiel werden die im Frühjahr angekündigten Neubauten bei HOMAG in Schopfloch und Sroda (Polen) mit energieeffizienter Gebäudetechnik ausgerüstet. Auch bei Beleuchtung und Heizung wird auf verbrauchs- arme Technik umgestellt. Unter dem Strich will der Dürr-Konzern die Energieeffizienz seiner Standorte jedes Jahr um 1 bis 2 % verbessern. Zudem wird die komplette Firmenfahrzeugflotte in Deutschland bis spätestens 2030 schrittweise auf alternative Antriebe umgestellt.

Energieeffiziente Produkte und Emissionsreduzierung in der Lieferkette
Die neue Klimastrategie zielt auch auf die Senkung der sogenannten Scope-3- Emissionen ab. Sie beinhalten vor allem den CO2-Ausstoß in der Lieferkette und die Emissionen, die durch die Nutzung der verkauften Produkte bei den Kunden entstehen. Diese Emissionen sind naturgemäß weitaus umfangreicher als die Eigenemissionen und können nur indirekt beeinflusst werden. Dennoch sollen sie bis 2030 um mindestens 15 % gesenkt werden.

In der Innovationsarbeit des Konzerns bildet die Energieeffizienz der Produkte einen Schwerpunkt. In den vergangenen 15 Jahren konnte Dürr den Energieverbrauch großer Lackieranlagen für die Automobilindustrie durch entsprechende Innovationen bereits um zwei Drittel senken. Dieser Kurs wird fortgesetzt und intensiviert. „Wir sind für unsere Kunden ein wichtiger Partner bei der Dekarbonisierung, da unsere Maschinen und Anlagen großen Einfluss auf die Klimabilanz der Produktion haben“, so Dr. Jochen Weyrauch. „Bei Investitionsentscheidungen achten die Kunden zunehmend darauf, wie stark neues Produktionsequipment zur Erreichung ihrer Klimaziele beiträgt. Daher rücken wir die Entwicklung energiesparender Technologien und die Nutzung regenerativer Energien im Rahmen der Klimastrategie noch stärker in den Fokus.“

Bei seinen Lieferanten wird der Dürr-Konzern verstärkt auf Nachhaltigkeit hinwirken. Aktuell wird ein Programm entwickelt, das finanzielle Anreize für Lieferanten mit klimafreundlichen Prozessen bietet. In der Logistik sollen mehr Warentransporte von der Straße auf die Schiene verlagert und Transporte per Luftfracht, soweit wie möglich, vermieden werden. Zudem wird die CO2-Bilanz von Logistikpartnern bei der Auftragsvergabe zukünftig eine Rolle spielen.

Auch die Beschäftigten werden in die neue Klimastrategie eingebunden. Vorschläge aus der Belegschaft, die zur ökologischen Transformation des Unternehmens beitragen, sollen künftig durch ein neues Programm für das Ideenmanagement gefördert und belohnt werden. Außerdem arbeitet der Konzern an Angeboten für Pendler, um die Emissionen auf dem Arbeitsweg zu senken.