Kornwestheim.| Ab kommenden Montag, 24. August 2020, sind Biomüll-Scouts der AVL (Abfallverwertungsgesellschaft des Landkreises Ludwigsburg) in Kornwestheim unterwegs. Sie sichten die zur Leerung nach draußen gestellten Biotonnen. Ihr Ziel besteht darin, durch Beratung und ein Ampelsystem die Qualität des Biomülls zu verbessern.

Morgens um 6 Uhr beginnt die Arbeit der Biomüll-Scouts. Noch vor dem Müllfahrzeug durchkämmen sie am Leerungstag die Wohngebiete. Ausgestattet mit Handschuhen und einer Zange öffnen sie hunderte Biotonnendeckel am Tag. Bewertet wird der Inhalt der Tonnen nach einem Ampelsystem. Eine farbige Banderole wird an der Tonne befestigt und informiert die Bürgerinnen und Bürger darüber, ob der Biomüll gut getrennt worden ist.

Wie funktioniert das Ampelsystem?
Insgesamt gibt es vier Abstufungen: Für sauber getrennte Biotonnen gibt es eine grüne Karte. Biotonnen, die nur wenige Fehlwürfe enthalten, bekommen eine gelbe Karte. Die Tonne wird nochmal geleert, es muss aber zukünftig sauber getrennt werden. Bei mehreren oder schwerwiegenden Fehlwürfen gibt es eine rote Karte. Dann bleibt die Tonne stehen und wird nicht geleert, bis sie nachsortiert worden ist. Alternativ können Betroffene die Abfälle auch in ihre Restmülltonne leeren oder sie beauftragen eine Sonderleerung. Diese kostet um die 30 Euro, je nach Tonnengröße. Für Wiederholungstäter gibt es eine dunkelrote Karte, was in jedem Fall eine kostenpflichtige Sonderleerung nach sich zieht.

Was ist der Hintergrund der Aktion?
Im Biomüll des Landkreises Ludwigsburg befinden sich noch zu viele Abfälle, die dort nicht hinein gehören – insgesamt rund drei Prozent. Was auf den ersten Blick nach wenig klingt, sind im Schnitt pro Jahr rund 900 Tonnen. Darunter finden sich vor allem Plastiktüten, auch sogenannte kompostierbare Plastiktüten, die sich in der Verwertungsanlage gar nicht oder zu langsam zersetzen. Aber auch Aluminiumfolien, Glas und Hartplastik finden sich in den Biotonnen wieder. All diese Störstoffe müssen aufwändig aus dem Biomüll gefischt werden, um die Grenzwerte einzuhalten und hochwertigen Kompost zu erzeugen. Da dies nicht immer vollständig möglich ist, können Mikroplastik, Glasscherben oder Aluminiumteilchen im fertigen Kompost verbleiben und auf dem Acker landen. Außerdem muss der Kompost, der in Verwertungsanlagen aus dem Biomüll hergestellt wird, wegen zu vieler Störstoffe sehr fein gesiebt werden. Beim Absieben werden aber nicht nur Störstoffe aussortiert, sondern auch verwertbarer Biomüll wie kleine Äste. Dieser störstoffhaltige Biomüll wird verbrannt, statt nachhaltig zu Kompost und Biogas verwertet zu werden. Je feiner die Siebung, desto höher sind die Kosten für die Verwertung des Biomülls.

Was darf in die Biotonne? Was nicht?
In die braune Biotonne gehören biologisch abbaubare Abfälle wie Speisereste, verdorbene Lebensmittel, Fleisch- und Wurstreste (immer ohne Verpackungen), Obst- und Gemüseabfälle (auch von Zitrusfrüchten), Kaffeefilter, Eier- und Nussschalen. Auch Gartenabfälle wie Gras, Laub, krautige Abfälle und kleine Wurzelstöcke dürfen in der Biotonne entsorgt werden. Gleiches gilt für Hygienepapiere wie Papierküchentücher, Papiertaschentücher und Papierservietten (außer bei Corona-Infizierten, dann bitte in einem zugeknoteten Müllsack in die Restmülltonne). Was nicht in die Biotonne darf, sind kompostierbare Kunststoffe. Dies betrifft vor allem kompostierbare Kaffeekapseln, Einweggeschirr oder biologisch abbaubare Biomülltüten. Deshalb rät die Ludwigsburger Abfallwirtschaft: Biomüll in Zeitungspapier oder Papiertüten, die man zum Beispiel noch vom Bäcker zu Hause hat, verpacken.

Weitere Informationen gibt es dazu im Abfallkalender oder unter www.biotonne-ohne-plastik.de

Was wird aus dem Kornwestheimer Biomüll?
Der Biomüll wird in die Vergärungsanlage nach Westheim (Landkreis Germersheim) in der Pfalz gebracht. Dort entsteht daraus wertvoller Kompost für die Landwirtschaft sowie Biogas. Durch die Energie, die in dieser Anlage aus Bananenschale und Co. erzeugt wird, können jedes Jahr rund 1,9 Millionen Liter Heizöl ersetzt werden. Das entspricht der energetischen Leistung von vier mittelgroßen Windkraftanlagen. Wer seinen Biomüll sauber trennt, leistet also einen wichtigen Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz und geht sicher, dass die Biotonne auch in Zukunft noch geleert wird.