Vereinbarter Zeitplan für die Fertigstellung der Rohbauarbeiten kann von der Baufirma nicht eingehalten werden

Freiberg a. N.| Auf den ersten Blick kann man den Eindruck gewinnen, dass der Neubau der Oscar-Paret-Schule (OPS) voranschreitet und das Gebäude und seine Struktur immer deutlicher zu erkennen sind. Vor wenigen Wochen wurde mit dem Betonieren der Wände im ersten Obergeschoss des nördlichen Baukörpers begonnen. Allerdings ist ebenfalls offenkundig, was die Stadt Freiberg a.N. bereits vor geraumer Zeit bemängelt hat: Der Baufortschritt hinkt dem Zeitplan deutlich hinterher.

Die Rohbauarbeiten für den Neubau der OPS sollten nach dem mit der beauftragten Rohbaufirma vertraglich festgelegten Zeitplan zum 31.07.2020 abgeschlossen sein, im Juli sollte daher Richtfest gefeiert werden. Schon im Herbst letzten Jahres zeichneten sich auf der Baustelle zunehmend Rückstände im Bauablauf ab, die von der Stadt Freiberg a.N. mehrfach angemahnt wurden. Die beauftragte Firma sicherte seinerzeit mehrmals schriftlich zu, den vertraglich vereinbarten Fertigstellungstermin einzuhalten. Ebenso wurde dies in Gesprächen durch den Geschäftsführer des beauftragten Unternehmens auch mündlich zugesagt, zuletzt in einem Gespräch Mitte Januar diesen Jahres. Die Stadt Freiberg a.N. war daher erstaunt, als nur wenige Wochen später vom beauftragten Rohbauunternehmen anderslautende Äußerungen zu vernehmen waren. Demnach teilte das Unternehmen schriftlich mit, dass mit einer Verzögerung von sechs Monaten zu rechnen sei. Gleichzeitig bot die Firma an, die Verzögerungen durch entsprechende Beschleunigungsmaßnahmen auf drei Monate zu minimieren, wenn die Stadt einen zusätzlichen Betrag von rund 2,1 Millionen Euro bezahle. Ohne diese Zusatzzahlung werde sich der Rohbau ansonsten um sechs Monate verzögern, teilte das beauftragte Rohbauunternehmen mit.

Da die Ursachen der Verzögerungen aus Sicht der Stadt von der Firma eigenverschuldet sind, kam eine zusätzliche Zahlung für die Rathausspitze nicht in Frage. Stattdessen hat die Stadt entsprechend der Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen weitere Schritte eingeleitet und rechtlichen Beistand hinzugezogen. Durch die Verzögerung entsteht der Stadt erheblicher Schaden, da unter anderem Verträge mit den anschließend tätigen Baufirmen nicht eingehalten werden können. Hierfür wird die Stadt Schadenersatz einfordern.

Nachdem das beauftragte Rohbauunternehmen zudem nicht bereit war, einen konkreten neuen Fertigstellungstermin zu benennen, hat die Stadtverwaltung zusammen mit den beteiligten Planern einen überarbeiteten Zeitplan erstellt, anhand dessen sämtliche nachfolgenden Gewerke neu in den Bauablauf eingetaktet werden müssen. Zu berücksichtigen ist dabei auch, dass einzelne Gewerke aufgrund der Terminverzögerungen mit der Ausführung ihrer Leistung in den Winter 2020/2021 verschoben werden und dass diese Arbeiten deshalb witterungsbedingt unter Umständen mit weiteren Verzögerungen ausgeführt werden, da verschiedene Baumaterialien z.B. nur bei Temperaturen oberhalb 5°C verarbeitet werden können.

Bei einer Verzögerung der Rohbauarbeiten und damit auch der Fertigstellung des Schulgebäudes um mindestens ein halbes Jahr, ist der geplante Bezug der Schule in den Sommerferien 2021 nicht einzuhalten. Ein Umzug der Schule kann unter anderem wegen der Abschlussprüfungen nur in den Weihnachts- oder Sommerferien durchgeführt werden. Daher muss nun davon ausgegangen werden, dass der Schulstart im Neubau der Oscar-Paret-Schule erst im September 2022 stattfinden kann. Die Stadt hofft, dass dieser spätere Termin eingehalten werden kann, da angesichts der Corona-Pandemie weitere Verzögerungen auf der Baustelle durch Lieferengpässe oder Quarantänemaßnahmen nicht auszuschließen sind.