von Bernhard Gaus

Bietigheim-Bissingen.| Nach zwei Siegen in Folge wollen die Bietigheimer Handballer am 28. Spieltag ihre Leistung stabilisieren. Gegner am Samstag (19:30 Uhr) ist Aufsteiger TuS Fürstenfeldbruck. Die Partien der 2. HBL werden unverändert ohne Zuschauer ausgetragen, das Spiel kann im Livestream unter www.sportdeutschland.tv kostenfrei verfolgt werden.

Was für turbulente Tage für Bietigheims Nummer Zwei im Tor. Den Amtsantritt von Interimscoach Brian Ankersen und die ersten Spiele unter dem Dänen verfolgt Nick Lehmann von außerhalb des Spielfeldes. Der 22-Jährige hat nach einem in Großwallstadt erlittenen schweren Kopftreffer Trainingsverbot. Eine Vorsichtsmaßnahme. Es folgt sein Auftritt in Lübeck, als er für den werdenden Vater Aron Edvardsson zwischen den Pfosten stand. Mit zwei Paraden hatte der 1,95m große Torsteher den 24:22-Erfolg der SG BBM an der Ostsee in den Schlussminuten gesichert, durfte sich dafür nach dem Schlusspfiff von seinen Kollegen ausführlich feiern lassen. Am Donnerstag bekam Lehmann dann zusätzliche Spielzeit in der 1. Liga, rückte dank Zweitspielrecht für den verletzten Jogi Bitter gegen Friesenheim in den Kader des TVB Stuttgart. Jetzt geht es gegen Fürstenfeldbruck vermutlich zunächst wieder zurück auf die Bank.

Die „Brucker Panther“ kommen mit einem dicken Ausrufezeichen in die Halle am Viadukt. Die Mannschaft von Martin Wild hat am vergangenen Wochenende Spitzenreiter HSV Hamburg mit einer 27:29-Niederlage nach Hause geschickt. Und das war nicht der erste Coup der Bayern, die Ende Februar auch dem VfL Gummersbach eine deutliche 25:32-Schlappe beigebracht hatten. Dass der Neuling dennoch unverändert auf dem letzten Platz der Tabelle rangiert, zeigt, wie hartnäckig dort um den Klassenerhalt gekämpft wird.

Die SG BBM ist aber nicht nur durch die beiden Fürstenfeldbrucker Überraschungserfolge vorgewarnt. Schon im Hinspiel hatte sich der Aufsteiger als äußerst schwer zu bespielender Gegner erwiesen. Die Schwaben gewannen Ende Januar das Nachholspiel zwar mit 33:30 Toren, doch der Ausgang der Partie vor den Toren Münchens war bis in die Schlussminuten offen. Mit ihrer offensiven 3-2-1-Abwehr können es die Brucker Panther jedem Gegner ganz schön schwer machen. Der gegen die verbreiteten 6-0-Abwehrvarianten gewohnte Spielaufbau muss umgestellt werden, nicht jede Mannschaft kommt damit klar. Der zurückgetretene Bietigheimer Coach Hannes Jón Jónsson setzte im Hinspiel von der ersten Spielminute an einen zusätzlichen Feldspieler dagegen, beorderte Torsteher Aron Edvardsson im eigenen Positionsangriff immer wieder auf die Bank.

Das drängt die gegnerische 3-2-1-Abwehr zwar wieder in die Defensive, verlangt vom angreifenden Team aber volle Konzentration, sicheres Passspiel und sichere Torabschlüsse. Das Ganze ist nicht ohne Risiko, schließlich will auch das Spiel mit sieben Angreifern mit Tempo gespielt werden, um in erfolgsversprechende Abschlusssituationen zu kommen. Die Brucker Panther haben inzwischen viel Übung gewonnen gegen diese Spielvariante, lauern auf Umschaltsituationen und auf leichte Tore gegen das verwaiste gegnerische Gehäuse. Auch für Brian Ankersen wird der zusätzliche Feldspieler eine taktische Option sein, die in dieser Trainingswoche im Mittelpunkt stehen wird.

Ankurbler des Fürstenfeldbrucker Angriffsspiels ist Falk Kolodziej. Der 27-jährige Spielmacher liegt mit seinen 131/44 Saisontoren auf Rang Sieben der erfolgreichsten Torewerfer der Liga, jene Statistik, die aktuell Bietigheims Rechtsaußen Christian Schäfer mit 164/69 verwandelten Würfen anführt. Genauso gefährlich wie seine häufig ansatzlosen Würfe sind die Anspiele von Kolodziej auf Julian Prause am Kreis oder die Räume, die er für seine Nebenleute wie Max Horner oder Yannick Engelmann auf den Halbpositionen schafft.

Eines der Bietigheimer Erfolgsrezepte der beiden letzten Spiele war eine kompakte Abwehr, die bei den Siegen gegen Aue (31:20) und Lübeck-Schwartau (24:22) nur sehr wenige Gegentore zuließ. Beginnt die Defensive zu greifen und bekommen Edvardsson oder Lehmann eine Hand an die Bälle, dann hat die SG BBM auch gegen Fürstenfeldbruck das Momentum auf ihrer Seite.