von Bernhard Gaus

Bietigheim-Bissingen.|  Am Samstag (23.11.2019 um 19.30 Uhr, EgeTrans Arena Bietigheim) lebt das dramatische Saisonfinale der Handball-Bundesliga aus der zurückliegenden Saison noch einmal auf, wenn am 13. Spieltag die SG BBM Bietigheim im Duell der beiden Absteiger den VfL Gummersbach erwartet.

Unvermeidlich wird der Geist des 9. Juni 2019 noch einmal durch die EgeTrans Arena wehen, jenes an Spannung nicht zu überbietenden finalen Spieles vor ausverkauftem Haus, das durch das 25:25-Unentschieden zwischen Bietigheim und Gummersbach am Ende nur Verlierer kannte und beide Teams gemeinsam in die 2.HBL stürzte.

„Natürlich ist das Spiel bei jedem noch irgendwo im Kopf“, sagt Hannes Jón Jónsson. „Aber innerhalb der Mannschaft haben wir nicht mehr darüber geredet“. Es sei übrigens die einzige Begegnung in der vergangenen Rückrunde gewesen, die sich der Trainer der SG BBM nicht noch einmal im Videorückblick angeschaut habe. „Abgehakt“ will der Isländer damit wohl signalisieren und redet lieber über die aktuelle positive Entwicklung seiner Mannschaft. „Für uns ist das Spiel gegen Gummersbach eine Chance uns zurückzumelden“, sagt der Coach des Tabellenelften.

Für Jónsson ist es wenig verwunderlich, dass sich der Traditionsverein aus Nordrhein-Westfalen nach kleinen Anfangsschwierigkeiten relativ schnell in der 2. HBL zurechtgefunden hat. Stolze 53 Jahre immerhin waren die Oberberger in der höchsten Spielklasse vertreten, jetzt folgt das erste Jahr im Unterhaus. Orientierungsprobleme sind da leicht vorstellbar. Nur ein Minuspunkt trennt den VfL jedoch aktuell von einem der beiden Aufstiegsplätze. Die Truppe von Torge Greve hat mit 15:7 Punkten auf Rang 4 direkten Kontakt zur Tabellenspitze. Sechs Siege aus den letzten sieben Partien machen Gummersbach am Samstag zum leichten Favoriten.

„Es war klar, dass Gummersbach mit diesem Kader eine Rolle spielen wird“, sagt Jónsson. Zwar hat der zwölffache Deutsche Meister sich nach dem Abstieg auf zahlreichen Positionen verändert. Doch die eigentlich für die 1. Liga verpflichteten Verstärkungen konnten gehalten werden. Alexander Hermann (Wetzlar) und Janko Bozovic (Emsdetten) bilden mit zusammen über 100 Feldtoren eine wurfgewaltige Rückraumachse. Im Tor hat der Kroate Filip Ivic (Kielce) den Platz von Carsten Lichtlein eingenommen. Die Gummersbacher Defensive hat aktuell die wenigsten gegnerischen Treffer zugelassen. Jüngst wurde der Kader in der Breite nochmals verstärkt. Per Zweitspielrecht könnte der 19-jährige Alexander Weck vom Bergischen HC am Samstag seine erste Partie im Gummersbacher Trikot bestreiten.

Und da ist nicht zuletzt Robin Haller. Der mittlerweile 33-jährige Rückraumspieler, dessen Vertrag nach zwölf Spielzeiten in Bietigheim nicht mehr verlängert wurde, hat für zwei Jahre beim Mitabsteiger unterschrieben. Das Trikot des Bietigheimer Publikumslieblings hängt seit Juni unterm Hallendach der EgeTrans Arena – eine der ganz besonderen Geschichten rund um das Gummersbach-Spiel.

„Da spielen am Samstag zwei ambitionierte Mannschaften gegeneinander“, will Jónsson auch das eigene Licht nicht unter den Scheffel stellen. „In beiden Teams steckt viel Qualität“. Mit der jüngsten Entwicklung seines Kollektivs zeigt sich der 39-jährige Isländer zufrieden. „Wir haben drei sehr gute Trainingswochen hinter uns und die letzten zwei Spiele gegen Coburg und Krefeld gewonnen. Die Form stimmt.“ Im letzten Spiel beim stark ersatzgeschwächten Aufsteiger HSG Krefeld waren seine Jungs allerdings wenig gefordert, das Spiel beim Tabellenletzten nach einer konzentrierten ersten Hälfte beim Stand von 8:17 bereits beim Seitenwechsel entschieden.

„In einer solchen Situation ist mir dann wichtiger, dass alle unsere Spieler zum Einsatz kommen“, sagt Jónsson, „als auf ein mögliches höheres Ergebnis zu gehen.“ Das 19:26 in Krefeld markiert ohnehin den bislang höchsten Saisonerfolg der Schwaben. Auf der rechten Angriffsseite empfahl sich Max Emanuel für kommende Aufgaben. Der 25-jährige Linkshänder stand zuletzt einige Spiele nicht im Kader. Mario Urban krönte den ersten Punktspieleinsatz auf der rechten Außenbahn mit seinem Premierentor in der 2.HBL. Am Samstag könnte aber auch Kreisläufer Jonathan Fischer nach überstandener Fußverletzung wieder in den Kader zurückkehren. Linkshänder Dominik Claus, der sich in Krefeld den Ringfinger der rechten Hand ausgekugelt hatte, stand schon im Montagstraining wieder auf der Platte.

„Worum es jetzt geht, sind frische Beine und ein frischer Kopf“, sagt Jónsson und gönnte seiner Mannschaft kurzfristig einen trainingsfreien Mittwochabend. Um die Motivation für den Samstagabend macht sich der Bietigheimer Trainer  ohnehin keine Sorgen: „Es geht gegen den VfL Gummersbach. Das ist unverändert eine Hausnummer im Handball. Da wird einfach jeder sein Bestes geben.“