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Für kaum eine Branche ist die Coronakrise eine größere Herausforderung als für die Gesundheitsbranche. Von der anfangs befürchteten Überlastung ist derzeit nichts zu sehen. Sorgen macht man sich trotzdem. Nicht um mögliche Überforderung, sondern wegen rückläufiger Patientenzahlen.

Anfang März war in Stuttgart die Angst vor einer kaum zu bewältigenden Infektionsflut groß. Morgen für Morgen beriet sich das Gesundheitsamt mit Stuttgarter Kliniken und der Kassenärztlichen Vereinigung, um die Kapazitäten für den Ernstfall zu erweitern. Der ist bislang nicht eingetreten. Dafür steht man jetzt vor finanziellen Problemen. Schuld sind Ansteckungsängste und abgesagte Termine seitens der Patienten.

Zahlreiche Stuttgarter gehen seit der Pandemie kaum noch zum Arzt. Auch die Krankenhäuser bleiben in weiten Teilen leer. Während die Umsätze zurückgehen, steigt der Aufwand. Aufgrund der strenger gewordenen Hygiene-Auflagen haben Krankenhäuser und niedergelassene Ärzte mehr zu tun, verdienen aber nur noch einen Bruchteil ihrer vor-pandemischen Einnahmen. Droht Stuttgarter Medizinern wegen der Coronakrise jetzt eine finanzielle?

Das Problem der fehlenden Kapazitäten

250 Intensivbetten und 50 zusätzliche Beatmungsbetten standen in Stuttgart Anfang März zur Verfügung. Zu wenige? Um eine Überforderung auszuschließen,

  • plante man auf dem Gelände der Stuttgarter Messe ein Notfallkrankenhaus mit 300 Intensivbetten.
  • sagte man in Kliniken elektive Operationen ab.
  • schickte man Krankenschwestern und Pfleger zu Auffrischungskursen hinsichtlich der Intensivpflege.
  • verfolgte man strengere Hygiene-Auflagen.
  • digitalisierte man zahlreiche Arbeitsschritte zugunsten eines geringeren Infektionsrisikos und einer effizienteren Gestaltung von Terminen und Arbeitsabläufen in der Praxis.
  • bat man Patienten teils darum, nur noch im absoluten Notfall Krankenhäuser aufzusuchen.

Jetzt flaut die Pandemie langsam ab. Zahlreiche Corona-Regeln sind bereits gelockert. Und Stuttgarter Ärzten und Krankenhäusern fehlen die Patienten.

Das Dilemma ungenutzter Kapazitäten

Wollte man anfangs noch Kapazitäten schonen, machen der Stuttgarter Gesundheitsbranche mittlerweile ungenutzte Kapazitäten zu schaffen. Zahlreiche Patienten gehen aus Angst vor einer Ansteckung bis heute nicht zum Arzt. Sogar Herzinfarkte und Schlaganfälle werden in Krankenhäusern seltener. Vor allem niedergelassene Fachärzte stehen durch die Umsatzrückgänge während der Coronakrise vor einer finanziellen Herausforderung. Um überhaupt überleben zu können, haben viele mittlerweile

  • Kurzarbeit beantragt.
  • staatliche Hilfen in Anspruch genommen.
  • ihre Praxismiete ausgesetzt.
  • Kredite aufgenommen.

Ob und wann sich die Patientenzahlen wieder erhöhen werden, steht in den Sternen. Laut Experten werden einige Praxen die Krise nicht überleben. Und das, obwohl man sich gerade während Corona ihrer Bedeutung bewusst geworden ist.

Arztbesuche nicht mehr aufschieben

Die Kassenärztliche Vereinigung ruft aktuell eindringlich dazu auf, Arzttermine und auch Vorsorgeuntersuchungen wieder im normalen Maß wahrzunehmen. Je länger die rückläufigen Patientenzahlen in Arztpraxen und Krankenhäusern anhalten, desto schwerwiegender die wirtschaftlichen sowie gesundheitlichen Folgen. Um das Ansteckungsrisiko müssen sich Patienten laut Experten nur noch wenig Sorgen machen. Zum einen nehmen die Fallzahlen ständig ab und zum anderen verfolgen Ärzte und Krankenhäuser eine strikte Trennung von COVID-19-Fällen und anderen Patienten.