Durch mobile Teams, die in diesem Jahr neu im Einsatz sind, können Mädchen und Frauen schneller unterstützt werden. Seit Projektstart im Herbst 2023 hat die „Wasenboje“ insgesamt mehr als 1.700 Frauen unterstützt.
Zum Ende des 179. Cannstatter Volksfests zieht die Stadt Stuttgart Bilanz zu ihrem Projekt „Wasenboje“: Rund 220 Besucherinnen nutzten den Safer Space. Die Mehrheit der Frauen, die die „Wasenboje“ nutzten, ist unter 30 Jahren alt. Mehr als 20 Klientinnen des Safer Spaces waren jünger als 18 Jahre.
Rund ein Drittel der Frauen befand sich in einer kritischen Situation. Im Vergleich zum Frühlingsfest 2026 gab es somit zwar insgesamt etwas weniger Fälle, die Zahl der kritischen Fälle ist aber angestiegen. Neu ist seit diesem Jahr, dass die geschulten Mitarbeiterinnen der Wasenboje auch als mobile Teams auf dem Gelände unterwegs waren. Vor allem in kritischen Fällen konnten so schneller Unterstützung geleistet werden. Die Abteilung für Chancengleichheit und die Stabsstelle Sicherheitspartnerschaft in der Kommunalen Kriminalprävention bieten die Anlaufstelle seit 2023 auf dem Festgelände an.
Kritische Situationen haben sich vor allem am Abend und in der Nacht zugetragen. Darunter kam es zu Fällen von sexualisierter Gewalt, zu körperlichen Übergriffen oder es bestand der Verdacht auf K.O.-Tropfen. Andere Notsituationen waren Fälle von akuten psychischen Krisen wie Panikattacken. In vielen Fällen kam es zu Orientierungslosigkeit durch Alkoholkonsum. Mitarbeiterinnen der „Wasenboje“ unterstützten die Frauen dann dabei, sicher nach Hause zu kommen.
Angebot der mobilen Teams bestätigt sich
Beim Volksfest waren Mitarbeiterinnen des Safer Spaces auch direkt auf dem Festgelände als mobile Teams unterwegs. Besonders für Mädchen und Frauen, die sich in einer kritischen Situation befanden, bot die aufsuchende Arbeit der mobilen Teams schnell Hilfe. Franziska Haase-Flaig von der Abteilung für Chancengleichheit und Marc Reinelt von der Kommunalen Kriminalprävention der Stadt betonen: „Die mobilen Teams der Wasenboje haben sich unserer Auffassung nach bewährt. In einem Fall haben Mitarbeiterinnen der Wasenboje zum Beispiel eine junge Frau in hilflosem Zustand aufgefunden. Sie blieben bei ihr, holten das DRK dazu und kontaktierten die Eltern, die ihre Tochter daraufhin abholten. So stellen wir uns Fürsorge auf dem Cannstatter Wasen vor.“
„Wasenboje“ hilft in niedrigschwelligen Situationen präventiv
Viele Mädchen und Frauen suchten die „Wasenboje“ auch auf, weil sie die eigene Gruppe verloren hatten. Oft wurde die sichere Anlaufstelle auch genutzt, um das Handy aufzuladen. Die Mädchen und Frauen konnten so ihren Heimweg sicher planen und waren für Familie und Freundinnen wieder erreichbar. Andere haben die „Wasenboje“ als sicheren Rückzugsort genutzt und dort das Gespräch mit den Mitarbeiterinnen gesucht. Diese gaben bei Bedarf auch Wasser, Hygieneartikel und Pflaster aus.
Informationen zum Projekt sind unter wasenboje.stuttgart.de zu finden.
Schwesterprojekt „Nachtboje“ als dauerhaftes Angebot in Stuttgart
Neben dem temporären Angebot der „Wasenboje“ hat die Stadt Stuttgart auch ein kontinuierliches Angebot im öffentlichen Raum geschaffen, um die Sicherheit und das Sicherheitsempfinden von Mädchen, Frauen und anderen vulnerablen Personengruppen wie der queeren Community weiter zu verbessern. Das Projekt „Nachtboje“ macht Einrichtungen der Nachtwirtschaft wie Imbisse, Kioske, Restaurants, Bars oder Hotels sichtbar, die eine offene Tür bieten, wenn sich eine Person nachts unwohl oder unsicher fühlt. Seit dem Projektstart im Herbst 2023 engagieren sich mittlerweile mehr als 60 Einrichtungen als „Nachtbojen“ in Stuttgart.