Mittel werden zum Kauf neuer Stadtbahnen und zum Bau eines neuen Betriebshofs verwendet

Stuttgart.| Die Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) erhält von der Stadt einen Investitionszuschuss in Höhe von 72,5 Millionen Euro, um 20 Stadtbahnfahrzeuge und drei Zahnradbahnfahrzeuge anzuschaffen sowie einen neuen Stadtbahnbetriebshof Nord zu bauen. Das hat der Gemeinderat in seiner Sitzung am 9. Mai beschlossen.

Als der Jahresabschluss 2016 festgestellt worden war, hatte der Gemeinderat Mitte 2017 eine Mittelbindung in der Rücklage für Überschüsse des ordentlichen Ergebnisses in Höhe von 72,5 Millionen Euro als Investitionszuschuss beschlossen. Die SSB hat nun die drei Vorhaben konkretisiert und die Auszahlung des Investitionszuschusses ab 2019 beantragt.

Die ständig wachsende Zahl von Fahrgästen und der Ausbau der Stadtbahn machen den Kauf zusätzlicher Fahrzeuge erforderlich. Die kurzfristigen Maßnahmen aus dem Nahverkehrsentwicklungsplan (NVEP) konnten mit den aktuellen 204 Stadtbahnfahrzeugen abgedeckt werden. Für die mittelfristigen Maßnahmen sind zusätzliche Stadtbahnen erforderlich. Dazu gehören unter anderem die Verlängerung der U19 zum Mercedes-Benz Museum, der Einsatz von Zügen in Doppeltraktion auf der Linie U1 nach dem Ausbau der Bahnsteige, die neue Linie U5b Killesberg–Plieningen durch Übereckverbindung in Möhringen, die Verlängerung der Linie U5 nach Leinfelden-Echterdingen, die neue Stadtbahnstrecke Weilimdorf–Hausen/Ditzingen und zusätzliche Verstärkerzüge aufgrund von Kapazitätsengpässen. Die SSB hat deshalb Ende vergangenen Jahres bei der Firma Stadler 20 Stadtbahnfahrzeuge des Typs DT 8.15 bestellt, die 2021 bis 2023 geliefert werden sollen.

Die SSB erhält für die Beschaffung der zusätzlichen Stadtbahnfahrzeuge keine Förderung vom Land. Die Gesamtkosten der SSB belaufen sich auf rund 87,7 Millionen Euro. Die Stadt gibt dafür einen Investitionszuschuss von 40 Millionen.

Wenn die Stadtbahnflotte auf 224 Fahrzeuge vergrößert wird, müssen auch zusätzliche Abstellmöglichkeiten geschaffen werden. Der Bedarf eines vierten Stadtbahnbetriebshofs im Stuttgarter Norden wurde im Nahverkehrsentwicklungsplan bereits gezeigt. In Abstimmung mit den städtischen Ämtern und unter Beteiligung der Bürger, des Bezirksbeirats und des Gemeinderats wurde im Oktober 2018 ein Standort im Stuttgarter Norden „Bei Ditzingen Ost“ gefunden, wodurch auch eine Verlängerung der Stadtbahn nach Hausen und Ditzingen möglich wird. Das Planfeststellungsverfahren kann voraussichtlich 2020 eingeleitet werden. Der Bau ist von 2023 bis 2025 geplant.

Die Kosten für den Bau des neuen Stadtbahnbetriebshofs werden nach ersten Vorausberechnungen der SSB auf rund 60 Millionen Euro geschätzt. Die Stadt schießt 25 Millionen Euro zu. Außerdem beantragt die SSB beim Land eine Förderung nach dem Landesgemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz für den Bau des Stadtbahnbetriebshofes.

Auf der zwei Kilometer langen Zahnradbahnstrecke vom Marienplatz nach Degerloch hat die SSB drei Zahnradbahntriebwagen und drei Vorstellwagen zur Mitnahme von Fahrrädern im Einsatz. Wenn man den absehbaren Beschaffungszeitraum für Neufahrzeuge mitberücksichtigt, werden die Fahrzeuge zum Zeitpunkt ihres Ersatzes rund 40 Jahren in Betrieb sein. Darüber hinaus erfüllen die jetzigen Fahrzeuge nicht die Anforderungen, die heute an die Barrierefreiheit des ÖPNV-Angebots gestellt werden. Daneben sollen drei Fahrradvorstellwagen angeschafft werden, die mit jeweils 20 Fahrradplätzen eine doppelt so hohe Kapazität haben wie die jetzigen.

Die SSB hat bei der Firma Stadler drei Zahnradbahnfahrzeuge und drei Vorstellwagen bestellt, die Auslieferung ist für 2022 geplant. Für die drei Zahnradbahntriebwagen erhält die SSB eine Landesförderung in Höhe von einer Million Euro je Fahrzeug. Die Gesamtkosten der SSB belaufen sich auf rund 17,7 Millionen Euro, die Stadt gibt einen Zuschuss von 7,5 Million Euro.