Foto: SG BBM

von Bernhard Gaus

Bietigheim-Bissingen.| Enttäuschung in den Gesichtern der Spieler und Zuschauer in der Bietigheimer EgeTrans Arena. Die SG BBM verliert am Samstag ihr Heimspiel vor den Corona-bedingt maximal 500 Fans mit 25:26 (10:11) Toren gegen den TSV Bayer Dormagen, der sich seinerseits für eine ähnlich unerwartete Auftaktniederlage gegen Aufsteiger Dessau-Roßlau vor einer Woche rehabilitieren konnte.

Auch in der Gestik regierte die Enttäuschung. SG BBM-Keeper Aron Edvardsson ließ sich nach dem Schlusspfiff demonstrativ auf die Ersatzbank plumpsen. Fast 40 Prozent der Bälle auf sein Tor konnte der Isländer abwehren und dennoch hatte es nicht zum Sieg gereicht. „In der Abwehr stehen wir gut, mit einem überragenden Torhüter“, sagt auch Hannes Jón Jónsson. „Die Rückraumreihe hat heute nicht funktioniert“, so der SG BBM-Coach.

„Die ersten 14 Minuten waren für mich entscheidend, als wir nur drei Gegentore kassierten“, lobte TSV-Trainer Dusko Bilanovic seine Defensive. „Das hat uns Sicherheit für die 60 Minuten gebracht. Heute haben wir zwei Big Points geholt.“ Sein Team führte zu dem Zeitpunkt bereits mit 3:6 Toren. „Bietigheim wird im ersten Spiel auch nervös sein, damit hatten wir gerechnet“, so Bilanovic. Für sein Team war es anders als für die SG BBM bereits das zweite Punktspiel. Und auch im weiteren Verlauf konnte die SG BBM die Unsicherheit nicht abschütteln, auch nicht, als sich das Team um Kapitän Jan Asmuth die Führung beim 7:6 wieder zurückerkämpft hatte.

Jónsson brachte Neuzugang Juan de la Peña bereits in der Anfangsformation. Der Spanier blieb bei seinem ersten Einsatz im Trikot der SG BBM eher unauffällig. Doch damit war er am Samstag im Bietigheimer Rückraum nicht alleine. „Vorne hat das Spiel in die Tiefe gefehlt. Wenn die Rückraumspieler gar nicht funktionieren, wie heute wird es schwierig ein Spiel zu gewinnen. Wir können unser Spiel nicht nur auf Christian Schäfer aufbauen.“ Der Rechtsaußen der SG BBM „funktionierte“ wie ein Uhrwerk, traf am Ende 13 Mal und war neben Edvardsson der beste Akteur der Hausherren. Erfolgreiche Würfe aus 9 Metern sah Jónsson nur vom Gegner, der an der Schulter angeschlagene Tim Dahlhaus blieb auf der Bank.

Geradezu fahrlässig war jedoch, wie die SG BBM nach dem 10:9 eine Pausenführung aus der Hand gab. In Unterzahl ließ man sich zweimal den Ball stibitzen, Dormagen traf ins verwaiste SG-Tor zum 10:11-Halbzeitstand. Dasselbe wiederholte sich noch einmal nach dem Seitenwechsel. Zunächst war Bietigheim mit viel Wut im Bauch aus der Kabine gekommen, lag schnell mit 14:12 in Führung, ehe Dormagen in Überzahl wieder allzu leicht das Spiel drehen konnte (14:17). „Das war brutal, dabei war unser Unterzahlspiel war bisher immer „rock solid““, wie Jónsson klagte. „Die Jungs waren motiviert“, war sich der Isländer sicher. Aber längst hatte sich zu viel Unsicherheit breit gemacht unter den Blauen.
Denn selbst in der Schlussphase hatte Bietigheim noch seine Chancen auf den Ausgleich, aber beispielsweise Paco Barthe oder Jan Asmuth scheiterten frei am guten Dormagener Keeper Sven Bartmann. Der mögliche Ausgleich fiel nicht mehr. „Wenn du alles zusammennimmst, kannst man nicht sagen, dass wir heute mehr verdient hätten“, so Jónsson.

SG BBM Bietigheim: Edvardsson, Lehmann; Schäfer (13/4), Link (3), Barthe (3), Claus (2), Asmuth (1), Rentschler (1), Fischer (1), Vlahovic (1), Öhler, L. Urban, de la Peña, Boschen, M. Urban, Dahlhaus.

TSV Bayer Dormagen: Bartmann, Juzbasic; I. Hüter (7), Senden (4), Meuser (4), Juric, Richter (4/3), P. Hüter (2), Sterba (2), Grbavac (2), Noll (1), Iliopoulos, Reimer, Mast.

Spielverlauf: 2:5 (11.), 6:6 (19.), 10:9 (28.), 10:11 (30.), 14:12 (33.), 14:17 (38.), 16:20 (44.), 21:22 (53.), 23:25 (59.), 25:26 (60.).

Zeitstrafen: Asmuth (28., 36.) – P. Hüter (5.), Grbavac (10.), Meuser (38.), Senden (53.)
Siebenmeter: 4/5 – 3/5
Schiedsrichter: Tobias Schmack / Philipp Dinges (DHB Bundesligakader)
Zuschauer: 500 (EgeTrans Arena Bietigheim)