In Stuttgart-Mühlhausen entsteht Deutschlands größtes Solarfaltdach. Ab 2027 erzeugt es jährlich über 2,2 Millionen Kilowattstunden Solarstrom.
Das größte Solarfaltdach Deutschlands wird aktuell im Hauptklärwerk Stuttgart-Mühlhausen gebaut. Es wird zugleich die größte Photovoltaikanlage in Stuttgart werden: Das Faltdach ist so groß wie zwei Fußballfelder – es überspannt die gesamten Belebungsbecken der biologischen Abwasserreinigungsstufe.
Das Besondere an der Anlage im Klärwerk ist ihre Beweglichkeit. Die Modulgruppen sind an Stahlseilen aufgehängt und können mittels 120 Motoren eingefahren werden. Bei Schnee, starkem Wind oder Hagel werden die Module aus dem Gefahrenbereich bewegt; auch nachts ist das möglich.
Die Konstruktion befindet sich rund fünf Meter über den Belebungsbecken. Dadurch bleiben die Becken und die technischen Anlagen für den laufenden Klärwerksbetrieb und Wartungsarbeiten zugänglich. Gleichzeitig wird die vorhandene Fläche doppelt genutzt: weiterhin für die biologische Abwasserreinigung und künftig zusätzlich für die Erzeugung von Solarstrom. „Das Solarfaltdach ist damit nicht einfach eine große Photovoltaik-Anlage, sondern eine smarte Lösung, die auf bestehende Infrastruktur aufgebaut ist“, erklärt Jürgen Mutz, Leiter des Tiefbauamtes.
Rund neun Prozent des Eigenstrombedarfs aus Sonnenenergie
Seit Juni 2026 wird die Anlage im Hauptklärwerk Stuttgart-Mühlhausen montiert. Auf einer Fläche von 17.493 Quadratmetern werden 120 sogenannte Faltdachgruppen mit insgesamt 5.280 Solarmodulen installiert. Das bewegliche Solarfaltdach soll ab Frühjahr 2027 mit einer Leistung von 2.745 kWp jährlich mehr als 2,2 Millionen Kilowattstunden Strom erzeugen. Die innovative Konstruktion steigert damit die Eigenstromproduktion im Klärwerk und verkleinert den CO2-Fußabdruck.
Das Hauptklärwerk gehört zu den größten Energieverbrauchern der Stadt. Mit dem neuen Solarfaltdach erwartet die Stadtentwässerung Stuttgart einen jährlichen Stromertrag von mehr als 2,2 Millionen Kilowattstunden. Damit können rund neun Prozent des Eigenstrombedarfs des Hauptklärwerks gedeckt werden.
Der erzeugte Strom kann direkt auf dem Klärwerksgelände genutzt werden. Insbesondere die Verdichter der biologischen Abwasserreinigung benötigen große Mengen elektrischer Energie. Der Solarstrom wird damit unmittelbar dort eingesetzt, wo ein hoher Energiebedarf besteht.
Technische Herausforderung im laufenden Klärwerksbetrieb
Die Integration einer Photovoltaikanlage dieser Größenordnung in die bereits existierende Infrastruktur ist technisch anspruchsvoll. Im Jahr 2025 wurden Rückbauarbeiten durchgeführt und notwendige Anpassungen an den bestehenden Becken vorgenommen. Seit Mitte 2026 läuft die Montage der Stahlkonstruktion und der Faltdachgruppen. Für die Konstruktion wurden rund 250 Tonnen Stahl verbaut. Lars Färber, Chief Operating Officer von der Firma dhp Technology, die die Anlage technisch realisieren, betont: „Die Herausforderung liegt darin, eine Photovoltaikanlage dieser Größe in die laufende Klärwerksinfrastruktur zu integrieren. Das Projekt verdeutlicht, welches Potenzial in großen bestehenden Infrastrukturen steckt, wenn Energieproduktion, Anlagenbetrieb und bauliche Gegebenheiten gemeinsam gedacht werden.“
Boris Diehm, Leiter Abteilung Klärwerke und Kanalbetrieb, unterstreicht: “Das Solarfaltdach ist ein Beispiel dafür, wie Planung, Bau und Betrieb ineinandergreifen können. Gemeinsam mit der Stadtentwässerung Stuttgart und dem Amt für Umweltschutz bringen wir unsere Fachkenntnisse ein, um neue Lösungen für die Energiewende zu erproben. Das Projekt zeigt, wie sich bestehende Infrastruktur zusätzlich für die Erzeugung erneuerbarer Energie nutzen lässt. Die Erfahrungen daraus können auch für andere Städte interessant sein.“
Im Winter 2026/27 soll die technische Anbindung der Anlage erfolgen. Voraussichtlich im 2. Quartal 2027 wird das Solarfaltdach erstmals Strom erzeugen.
Daten & Fakten auf einen Blick
- Anlagenfläche: 17.493 m2
- Installierte Leistung: 2.745 kWp
- Jährlicher Ertrag: > 2.200.000 kWh
- Beitrag zum Eigenstrombedarf des Hauptklärwerks: ca. 9 %
- Anzahl der Solarmodule: 5.280
- Inbetriebnahme: 2. Quartal 2027