Anspruchsvolle Koordination gelungen – Rettungsdienste und Krankenhäuser meistern hohe Fallzahlen
Stuttgart.| Stuttgart hat den Höhepunkt der Hitzewelle bewältigt. Eine “Außergewöhnliche Einsatzlage” sicherte am Wochenende die medizinische Versorgung von vielen Notfällen. Feuerwehr, Rettungsdienste und Kliniken arbeiteten unter Höchstbelastung. Die Stadt zieht eine erste Bilanz und dankt den Einsatzkräften und der Bevölkerung.
Stuttgart hat den Scheitelpunkt der Hitzewelle überwunden und ein Wochenende mit besonderen Herausforderungen gemeistert. Die erste Bilanz am Montag, 29. Juni 2026, zeigt, wie viele Menschen stark unter den Belastungen der hohen Temperaturen litten und wie ungewöhnlich hoch der Bedarf an medizinischer Hilfe war.
Um die Folgen der extremen Wetterlage im Griff zu behalten, hatte die Untere Katastrophenbehörde ab Samstagabend um 18.30 Uhr für das Stadtgebiet eine „Außergewöhnliche Einsatzlage“ (AEL) ausgerufen – zunächst bis Sonntag um 24 Uhr. Das erlaubte, mehr Ressourcen des Katastrophenschutzes zu aktivieren und die Kräfte zu bündeln, um die Bürgerinnen und Bürger möglichst gut zu versorgen. Denn das Klinikum Stuttgart und die Hilfsorganisationen im Gesundheitswesen arbeiteten durch die hohe und steigende Zahl von hitzebedingten Betreuungsfällen bereits seit einigen Tagen am Limit.
Hohe Auslastung auch abends und nachts
Am Sonntagabend nahm die Auslastung im Rettungsdienst wegen der anhaltenden Hitze erneut stark zu. Daraufhin musste die Untere Katastrophenschutzbehörde die AEL bis zum Montagmorgen verlängern und weitere vier Krankentransportwagen des Katastrophenschutzes mit ehrenamtlichen Einsatzkräften in Dienst nehmen. Erst mit dem Rückgang der Temperaturen im Laufe der Nacht normalisierte sich das Einsatzaufkommen so weit, dass die „Außergewöhnliche Einsatzlage“ um sechs Uhr aufgehoben wurde.
Ein Blick auf die Zahlen zeigt, dass es im Talkessel tatsächlich außerordentliche Belastungen für die Bevölkerung und die Einsatzkräfte gab. Von Mittwoch bis Sonntag verzeichnete die Stuttgarter Feuerwehr mit 262 Einsätzen um die Hälfte mehr als sonst: plus 52 Prozent gegenüber regulären Vergleichszeiträumen. Die Notfallrettung rückte 1.150 Mal aus: ein Viertel mehr als üblich (plus 25 Prozent). Die Zahl der Krankentransporte stieg um acht Prozent auf 924 Fahrten. Alle Einsätze koordinierte die Integrierte Leitstelle Stuttgart, die entsprechend ebenfalls unter Volllast lief. Zu der hohen Arbeitsbelastung für alle Einsatzkräfte kam erschwerend hinzu, dass sie bei ihrem Engagement ihrerseits den extremen Temperaturen ausgesetzt waren und dabei ihre Schutzkleidung tragen mussten.
Seinen Dank sprach ihnen der Bürgermeister für Sicherheit, Ordnung und Sport, Dr. Clemens Maier, am Montag aus: „Die vergangenen Tage waren eine enorme Herausforderung für unsere Einsatzkräfte und für jeden persönlich körperlich fordernd. Im Namen der Landeshauptstadt Stuttgart bedanke ich mich bei allen haupt- und ehrenamtlichen Einsatzkräften, welche auch unter diesen Extrembedingungen bei den zahlreichen Notfällen schnell und professionell Hilfe geleistet haben.“
Die Einsatzkräfte richteten ihren Dank wiederum an alle Stuttgarterinnen und Stuttgarter, die die zahlreichen Warnhinweise der Behörden und Ratschläge zum Selbstschutz befolgt haben. Hierdurch konnten alle für sich dazu beitragen, dass sich die sehr angespannte Situation nicht noch weiter zuspitzte.
Schwerste hitzebedingte Notfälle
Das Klinikum Stuttgart als Maximalversorger in der Landeshauptstadt verzeichnete am Wochenende ein deutlich erhöhtes Patientenaufkommen in den Notaufnahmen, auch in der Nacht. Der medizinische Vorstand, Prof. Jan Steffen Jürgensen, stellt fest: „Die Zahl der Notfälle ist deutlich gestiegen und umfasste schwerste hitzebedingte Störungen mit Organversagen und neurologischen Komplikationen. Betroffen waren überwiegend – jedoch nicht ausschließlich – ältere und besonders vulnerable Menschen mit Vorerkrankungen.“
Insgesamt suchten am Wochenende 450 Erwachsene und 330 Kinder Hilfe in den Notaufnahmen des Klinikums Stuttgart. In den Schockräumen mussten mehrere Patienten mit akutem Hitzschlag und Körpertemperaturen über 40,5 Grad behandelt werden. Diese Häufung führte zu einer starken Auslastung der Intensivstationen. Bei der Behandlung kamen auch spezialisierte Behandlungsprotokolle zum Einsatz, um die Körpertemperatur der Patienten rasch zu senken.
Der Krankenhausbürgermeister Thomas Fuhrmann würdigt die anstrengende Arbeit und den unermüdlichen Einsatz aller Mitarbeitenden – insbesondere in den Stuttgarter Krankenhäusern, die unter enormer Belastung die medizinische Versorgung der vielen zusätzlichen Patientinnen und Patienten sichergestellt haben.