Grundlage für schnelleres Bauen von Wohnungen
Stuttgart.| Der Gemeinderat beschließt den „Stuttgarter Weg zum Bau‑Turbo“: Klare Zuständigkeiten, Prüfkriterien und standardisierte Abläufe zur Aktivierung von Umnutzungen, Aufstockungen und Nachverdichtungen im Siedlungsraum. Soziale, städtebauliche sowie Klima-, Umwelt- und Naturschutzstandards gelten weiter; sensible Flächen bleiben ausgeschlossen.
Die Landeshauptstadt Stuttgart wird die neuen gesetzlichen Möglichkeiten zur Beschleunigung des Wohnungsbaus gezielt nutzen. Mit seinem aktuellen Grundsatzbeschluss zum sogenannten „Bau-Turbo“ schafft der Gemeinderat einen klaren Handlungsrahmen, um zusätzlichen Wohnraum schneller zu schaffen und gleichzeitig hohe Anforderungen an Städtebau, Klimaschutz und Lebensqualität zu sichern.
Bürgermeister Peter Pätzold sagt: „Der Wohnraummangel ist eine der größten Herausforderungen für Stuttgart. Mit dem heutigen Beschluss schaffen wir die Grundlage, neue Wohnbauprojekte schneller umzusetzen, und an unsere städtebaulichen, sozialen und ökologischen Ziele festzuhalten.“ Und weiter: „Der Bau-Turbo bedeutet nicht weniger Qualität, sondern mehr Geschwindigkeit bei gleicher Verantwortung. Stuttgart nutzt die neuen gesetzlichen Spielräume dort, wo zusätzlicher Wohnraum sinnvoll geschaffen werden kann und öffentliche Belange gewahrt bleiben.“
Das Ende 2025 in Kraft getretene Bundesgesetz eröffnet Kommunen erweiterte Möglichkeiten, Wohnungsbauvorhaben zu beschleunigen. Die Landeshauptstadt Stuttgart hat hierfür einen eigenen Handlungsrahmen entwickelt – den „Stuttgarter Weg zum Bau-Turbo“. Dieser legt klare Zuständigkeiten, Prüfkriterien und Verfahrensabläufe fest und schafft damit Transparenz für Vorhabenträger, Verwaltung und Öffentlichkeit.
Im Mittelpunkt steht die gezielte Aktivierung von Flächen und Potenzialen innerhalb des bestehenden Siedlungsraums. Dazu gehören insbesondere die Umnutzung bestehender Gebäude zu Wohnzwecken, Aufstockungen und Nachverdichtungen sowie die Entwicklung geeigneter innerstädtischer Standorte. Durch standardisierte Verfahren und eine frühzeitige Abstimmung mit der Verwaltung sollen Genehmigungsprozesse deutlich beschleunigt werden.
Jetzt hat der Gemeinderat festgelegt, dass zentrale städtische Zielsetzungen auch bei Anwendung des Bau-Turbos verbindlich bleiben. Insbesondere die Vorgaben des Stuttgarter Innenentwicklungsmodells (SIM), die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum, Anforderungen an die städtebauliche Qualität sowie Klima-, Umwelt- und Naturschutzstandards werden weiterhin konsequent berücksichtigt.
Von einer Anwendung ausgeschlossen sind in der Regel Flächen mit erheblichen Umweltkonflikten, Schutzgebiete, Überschwemmungsbereiche sowie Standorte, an denen Wohnnutzung zu Nutzungskonflikten mit bestehenden Gewerbebetrieben führen würde.
Zur Umsetzung des Beschlusses hat die Stadtverwaltung eine interdisziplinäre Projektgruppe eingerichtet. Eine zentrale Geschäftsstelle „Bau-Turbo“ koordiniert künftig die Verfahren und dient als Ansprechpartnerin für Vorhabenträger.
Mit dem Grundsatzbeschluss erhält die Verwaltung zugleich den Auftrag, die neuen Instrumente anzuwenden und die Erfahrungen in einer ersten Umsetzungsphase auszuwerten. Ziel ist es, zusätzliche Wohnbaupotenziale im gesamten Stadtgebiet schneller zu erschließen und damit einen Beitrag zur Entlastung des angespannten Wohnungsmarktes in Stuttgart zu leisten.