von Bernhard Gaus

Bietigheim-Bissingen.| Ungewöhnliche Konstellation in der 2. Handball-Bundesliga: Innerhalb von nur drei Tagen treffen die SG BBM Bietigheim und der TuS N-Lübbecke zweimal aufeinander. Im Nachholspiel der Hinrunde trennten sich beide Teams am Mittwoch in der Merkur Arena mit einem 27:27-Unentschieden. Genauso spannungsgeladen will die SG BBM die Partie des 24. Spieltag am Samstag (19:30 Uhr) in der Viadukthalle gestalten, die im kostenfreien Livestream unter www.sportdeutschland.tv verfolgt werden kann.

Für die Ostwestfalen geht es darum, im Fernduell mit Hamburg und Gummersbach an der Tabellenspitze keinen Boden zu verlieren. Der Tabellenzwölfte Bietigheim präsentiert sich eine knappe Woche nach dem Rücktritt von Hannes Jón Jónsson erstmals mit Interimstrainer Brian Ankersen in der heimischen Viadukthalle.

„Wenn du in der 2. Halbzeit mit sechs Toren zurückliegst, rechnest du nicht damit, dass du einen Punkt holst“, kommentierte der 32-jährige Däne nach dem ersten Spiel unter seiner Verantwortung den Freudentanz seiner Jungs, die das Unentschieden feierten wie einen Sieg. „Nach den letzten Spielen ging es einfach darum, die Leistung zu zeigen, ein bisschen positive Energie wieder reinzubringen und Spaß zu haben.“ Klar, dass das Bietigheimer Spiel weiterhin die Handschrift des in der Mannschaft beliebten Hannes Jón Jónsson trägt, der mit seiner Rücktritts- Entscheidung vom letzten Wochenende die SG BBM ein letztes Mal aufgerüttelt hat.

„Generell bin ich zufrieden, dass wir unserem Gameplan gefolgt sind. Letztendlich sind wir mega-happy über den einen Punkt und die Mannschaftsleistung, die gezeigt wurde“. Ein Auftakt nach Maß also für den jungen Ankersen, der noch wenig Zeit hatte, sich mit der Mannschaft vertraut zu machen. In Lübbecke war er auf der Bank präsent und traf die richtigen Entscheidungen.

Apropos Reaktion: die war insbesondere nach dem 21:15-Rückstand zu spüren. Als Nettelstedt ein wenig in der Konzentration nachließ, war die SG BBM präsent, holte in kürzester Zeit sechs Tore auf. Immer wieder wurde Jonathan Fischer am Kreis erfolgreich in Szene gesetzt, der mit sieben Toren erfolgreichste Werfer der Schwaben. Der 23-Jährige hatte am Ende sogar noch den finalen Wurf, der Ball landete allerdings nach dem Schlusspfiff in den Maschen. Lange war es den Bietigheimer Handballern nicht mehr gelungen, sich erfolgreich gegen einen Rückstand zu stemmen.

„Wenn man sieht, dass wir glücklich sein können, einen Punkt zu haben, ist das schon enttäuschend nach, wie ich finde, dominanten 42 Minuten, die wir gespielt haben“, sagte TuS-Coach Emir Kurtagic zum Spielausgang. „Wir haben in der 2. Halbzeit für einen kurzen Moment vergessen, dass ein Spiel, egal wie hoch man führt oder wie hoch man zurückliegt, nie zu Ende ist.“

Das soll seinen Jungs am Samstag nicht noch einmal widerfahren. Den Ausfall des erkrankten Yannick Dräger am Kreis lässt Kurtagic nicht als Argument gelten. Ein Faktor war dagegen die Rote Karte gegen Spielmacher Roman Becvar, zumal der angeschlagene Benas Petreikis auf der Mittelposition noch geschont werden sollte. Am Ende rettete vor allem Valentin Spohn, der die letzten vier Tore für Nettelstedt erzielte, einen Punkt. Die Ostwestfalen rutschen durch die Punkteteilung zunächst auf den dritten Tabellenplatz ab.
Am Samstag wird die Defensive der SG BBM neben Spohn wieder auf die wurfgewaltigen Distanzwerfer des TuS, Lutz Heiny und Dominik Ebner, einstellen müssen. Die Bietigheimer Handballer wollen an die letzten 20 Minuten in Lübbecke anknüpfen, in denen die SG BBM ihre Abwehrleistung steigern konnte und Aron Edvardsson im Tor entscheidende Impulse setzte. Der Isländer war am Mittwoch in Lübbecke übrigens der einzige Torsteher in der Aufstellung der SG BBM. Nick Lehmann wurde nach einem harten Kopftreffer in Großwallstadt vorerst aus dem Spiel genommen. Die Corona-Regelungen der HBL machten es dann unmöglich, kurzfristig einen dritten Torhüter in den Kader aufzunehmen.