Bietigheim-Bissingen.| Die Handballer der SG BBM Bietigheim bleiben beim Neustart nach ihrer Corona-bedingten Auszeit chancenlos und unterliegen am Mittwoch ersatzgeschwächt dem TV Großwallstadt mit 17:28 (9:10) Toren. Der Aufsteiger entführt hochverdient beide Punkte aus der Viadukthalle nach einem Spiel ohne Zuschauer und unter ungleichen Vorzeichen.

„Ich bin zufrieden und glücklich mit dem Spielverlauf und unserer Entwicklung in den letzten Wochen“, freute sich TVG-Coach Ralf Bader nach dem dritten Auswärtserfolg im neunten Saisonspiel. Für die Bietigheimer Handballer, bis Montag noch in Corona-Quarantäne, war es erst das vierte Match in dieser Runde. Bei den Schwaben stellte sich Jochen Zürn nach dem Spiel den Interviews: „Wir haben gar keinen Rhythmus in dieser besonderen Situation gefunden. Es war heute praktisch zum dritten Mal ein Saisonstart für uns unter schwierigen Vorzeichen“, betonte der Sportliche Leiter der SG BBM. „Das Spiel haben wir letztendlich aufgrund der schwachen Abschlusssituationen und der in der zweiten Hälfte schwächer werden Abwehrleistung verloren.“

Nach überstandener Corona-Erkrankung konnten Jonas Link, Dominik Claus und Christian Schäfer noch nicht eingesetzt werden. Der Ausfall ihrer drei torgefährlichsten Spieler konnte die SG BBM letztendlich nicht kompensieren. Nachdem auch Martin Marcec nach seiner Kreuzbandverletzung noch pausieren musste, war auf dem Spielberichtsbogen sogar noch Platz für Hannes Jón Jónsson. Und auch wenn sich der Bietigheimer Trainer am Ende nicht eingewechselt hat, für die Personalsituation gibt es nur ein Wort: prekär.

Der eine oder andere Spieler war zudem angeschlagen. Tim Dahlhaus beispielsweise sollte nach seinen Schulterbeschwerden noch geschont werden, musste nach dem Ausfall von Dominik Claus aber auf die Zähne beißen. Der Halbrechte warf drei Tore, ließ aber auch wie viele seiner Nebenleute einige Chancen liegen.

„Wir haben zwei unterschiedliche Halbzeiten gesehen“, analysierte Zürn. „Im ersten Abschnitt haben wir sehr gut verteidigt.“ Mit einer aggressiven Abwehr kamen die Schwaben defensiv gut ins Spiel, konnten dies aber nicht in einen Vorsprung ummünzen. Die SG BBM führte das letzte Mal beim 8:7 nach 22 Minuten, in die Pause ging es mit einem knappen 9:10-Rückstand.

„Es hat nicht an uns gelegen, dass Bietigheim nicht mit einem Vorsprung in die Halbzeit geht“, bemerkte Ralf Bader, auch wenn er Jan Steffen Redwitz ein Extralob aussprach: „Mein Torhüter hat einen Sahnetag erwischt.“ Beide Mannschaften hatten im Angriffsspiel anfangs ihre Schwierigkeiten, Bietigheim einfach zu viele klare Wurfmöglichkeiten vergeben.

Die Tormöglichkeiten sollten für die Hausherren im zweiten Abschnitt immer rarer werden. „Wir haben in der zweiten Halbzeit deutlich besser verteidigt“, sagt dazu Bader. Spätestens nachdem Großwallstadt in der ersten Viertelstunde nach Wiederanpfiff nur drei Gegentreffer zugelassen hatte und mit 12:19 Toren führte, war das Pendel zugunsten des Aufsteigers ausgeschlagen. Im Bietigheimer Angriffsspiel fehlten zunehmend die spielerischen Ideen, um Großwallstadt noch ernsthaft zu gefährden.

Wie geht es weiter beim Tabellendritten der letzten Saison? Eine 17:28-Klatsche kann auch unter ganz besonderen Umständen nicht so einfach weggesteckt werden. Bereits am Samstag steht das Spiel beim TV Emsdetten auf dem Programm. „Wir hoffen natürlich, dass unsere drei erkrankten Spieler möglichst bald wieder dabei sein können“; sagt Zürn. Der Zeitpunkt, an dem die Schwaben wieder in ihrer besten Formation und erst recht in ihrer besten Form auflaufen können, scheint noch in einiger Ferne zu liegen.
Bericht: Bernhard Gaus

SG BBM Bietigheim: Edvardsson, Lehmann; Öhler (5), Vlahovic (4), Asmuth (3), Dahlhaus (3), Barthe (1), M. Urban (1), Rentschler, Fischer, L. Urban, de la Peña, Boschen, Bader, Jónsson.

TV Großwallstadt: Redwitz, Adanir; Savvas (6/1), Matijašević (5/2), Eisenträger (4/1), Bandlow (4), Jansen (3), Stark (3), Bransche (1), Corak (1), Busch (1), Natsia, Pfeifer, Spieß, Weit.

Spielverlauf: 4:4 (8.), 8:7 (23.), 8:10 (28.), 9:10 (30.), 11:12 (36.), 12:19 (46.), 16:22 (51.), 17:24 (57.), 17:28 (60.).
Zeitstrafen: Vlahovic (32.), Fischer (44.), Rentschler (56.) – Natsia (49.) Siebenmeter: 0/2 – 4/6
Schiedsrichter: Manuel Lier / Jan Lier (DHB Bundesligakader) Zuschauer: 0 (Halle am Viadukt Bietigheim)