Foto: SG BBM

von Bernhard Gaus

Bietigheim-Bissingen.| Nach neun Siegen aus den letzten zehn Begegnungen wirkt das Heimspiel der SG BBM Bietigheim am Freitag gegen den EHV Aue (19:30 Uhr EgeTrans Arena) fast schon wie eine Pflichtaufgabe. Trainer Hannes Jón Jónsson ist sich sicher: „Meine Mannschaft ist fokussiert und wird diesen Gegner nicht unterschätzen.“

Gute Nerven benötigte die SG BBM nicht nur im letzten Spiel beim Tabellenzweiten TUSEM Essen, als die Schwaben in der Schlussminute zum ersten Mal überhaupt in Führung gingen und das Spitzenspiel mit 32:31 gewannen. Gute Nerven und Geduld sind auch bei einem Blick auf die Tabelle gefordert. Denn da hat sich trotz der Siegesserie aus der Sicht des Bundesliga-Absteigers seit dem Punktspiel-Neustart 2020 kaum etwas verändert. Bietigheim bleibt auf den fünften Tabellenplatz, der Rückstand auf einen Aufstiegsplatz bei zwei Punkten. „Die Liga ist einfach verrückt“, sagt Jónsson. „Wir können nur auf uns schauen, müssen versuchen unser Spiel zu gewinnen. Nach dem Schlusspfiff sehen wir dann in der Kabine, ob die anderen Ergebnisse für uns gelaufen sind.“

An diesem 21. Spieltag könnte es noch einmal enger an der Spitze werden, denn mit Gummersbach trifft der Dritte auf den Tabellenführer aus Coburg. Sechs bis acht Teams umfasst die Topgruppe aktuell. Bei dem Gedränge wäre es gut, wenn die „Pflichtaufgabe“ gegen den Tabellenelften EHV Aue erfolgreich bewältigt wird. „Aue ist eine Mannschaft mit viel Spirit“, bemerkt Jónsson. „Wenn die spüren, dass etwas geht, werden sie brandgefährlich.“ So wie im letzten Heimspiel gegen den TuS Ferndorf. Nach 40 Minuten sahen die erzgebirgischen Handballer beim Stand von 18:26 schon wie der sichere Verlierer aus und erkämpften sich noch in der Schlusssekunde die Ausgleichschance. Weil der starke Kreisläufer Bengt Bornhorn vom Punkt scheiterte, gab es kein Happy End – Endstand 31:32. Im Hinspiel Mitte September ließ die SG BBM in der Erzgebirgshalle in Lößnitz allerdings keine solchen Hoffnungen bei den Gastgebern aufkommen, Bietigheim siegte ohne den damals noch angeschlagenen Mimi Kraus klar mit 26:31 Toren.

Ein weiteres Indiz für die Kampfstärke der Truppe von Trainer Stephan Swat: Mit Ausnahme der 25:35-Niederlage am ersten Spieltag in Dormagen konnte der EHV seine Auswärtsspiele stets eng gestalten. So wie zuletzt in Coburg, als sich der Tabellenführer nur knapp mit 24:22 durchsetzen konnte. Gut möglich, dass am Freitag auch vom Tabellenfünften in der EgeTrans Arena eine gehörige Portion Geduld gefordert sein wird. Die Power beim EHV Aue kommt aus dem Rückraum. Neben dem torgefährlichen Spielmacher Benas Petreikis erzielte Adrian Kammlodt auf der linken Königsposition bereits 96 Saisontreffer. Kammlodt wechselte wie Gabriel de Santis vom HC Elbflorenz ins Erzgebirge.

Der Schwede de Santis spielt wie Bietigheims Tim Dahlhaus im halbrechten Rückraum. Daneben hätten die Beiden am Freitag als frisch gebackene Papas noch ein weiteres gemeinsames Thema. Doch ob da auf dem Spielfeld Zeit bleibt, sich auszutauschen? Wohl kaum. Dahlhaus wartet nach zwei torlosen Spielen noch auf seinen ersten Torerfolg im Jahr 2020. „Bei Tim habe ich in der Richtung keine Bedenken“, wiegelt Jónsson ab. Der Neu-Papa zeigt sich im Training in einer guten Form. Wie überhaupt das Angriffsspiel der Schwaben immer selbstsicherer von der Hand geht. Kommt die Rückraum-Achse mit Mimi Kraus, Jonas Link und Dominik Claus ins Rollen – wie nach der Pause in Essen, ist das für jeden Gegner schwer zu verteidigen. „Das Zusammenspiel funktioniert, wurfstark, stark im 1:1, immer weniger technische Fehler“, charakterisiert Jónsson nicht nur dieses Trio. „Das gilt im Moment für unser gesamtes Angriffsspiel“, betont der Isländer.

Mit dem Selbstvertrauen aus der jüngsten Siegesserie scheint so manches wie von selbst zu laufen. „Eigentlich ist es unmöglich, mit nur vier Torhüterparaden ein Spiel zu gewinnen“, wundert sich auch Jónsson noch über den verrückten Spielverlauf beim TUSEM Essen. Die Abwehr aber sei gut gestanden, Kampfgeist und Wille waren da und Aufgeregtheit sei zu keinem Zeitpunkt zu spüren gewesen, „selbst nicht beim 16:21-Rückstand“. „Jeder hat seinen Job gemacht und sich an unser Konzept gehalten“. Das wird Jónsson seinen Jungs auch am Freitag gegen den EHV Aue einimpfen.