von Bernhard Gaus

Bietigheim.| Im Duell der beiden Bundesliga-Absteiger gab es diesmal – anders als beim Saisonfinale – einen eindeutigen Sieger. Die SG BBM Bietigheim setzte sich gegen den VfL Gummersbach mit 32:26 (15:12) Toren durch und rückt in der Tabelle zunächst auf Platz 8 vor. Nachdem Spitzenreiter Essen Punkte gelassen hat, kann Gummersbach den Abstand zur Spitze nicht verkürzen und bleibt auf 4.

„Das ist jetzt unser dritter Sieg in Folge“, freute sich Kreisläufer Patrick Rentschler, „Wenn wir jetzt nächste Woche in Dormagen gewinnen, sieht’s ganz gut aus.“ Die Schwaben haben ihr Saisontief zu Beginn der Saison überwunden, so zumindest der Eindruck, den die 2622 Zuschauer aus der EgeTrans Arena am Samstag mit nach Hause nahmen. „Uns haben heute ein paar Prozent Wille und Leidenschaft gefehlt, die uns Bietigheim voraushatte“, analysierte Torge Greve die Leistung seines Teams.

Der VfL-Coach sah aber auch eine ungenügende Wurfquote als Ursache für einen frühen Rückstand schon in der Anfangsphase. „Das war von beiden Mannschaften ein sehr nervöser Beginn. Wir haben nach acht Minuten schon sieben Fehlwürfe und das summiert sich über die Zeit auf.“ Kein Wunder, dass Greve den Punkt mit einer ersten Auszeit beim Stand von 5:2 zu korrigieren versuchte. Bietigheim machte es zumindest vor dem Tor besser und wirkte zudem engagierter in der Defensive. Die Hausherren versäumten aber durch eine Reihe von technischen Fehlern im Spielaufbau den Abstand schon in der Anfangsphase deutlicher zu stellen.

Gummersbach blieb beim 15:12-Halbzeitstand in Schlagdistanz und schaffte in seiner besten Spielphase gleich nach dem Seitenwechsel den 16:15-Anschluss. Bietigheim blieb aber stabil, was in den Augen von Trainer Hannes Jón Jónsson auch ein Verdienst von Ex-Weltmeister Michael Kraus war. „Auch wenn Mimi selbst nur zwei Tore gemacht hat, war das heute für mich seine beste Saisonleistung“, so der Isländer, „denn er hat das Spiel unglaublich gut gesteuert.“ Wenig später war der alte Abstand von vier Toren beim 21:17 wiederhergestellt, das Gummersbacher Zwischenhoch gekontert. Tim Dahlhaus hatte da bereits seinen siebten Treffer erzielt. Der Bietigheimer Halbrechte traf am Ende zweistellig und war bester Rückraumakteur auf dem Feld.

Jónsson packt den 7. Feldspieler aus
Und dann gab es noch ein taktisches Schmankerl zu beobachten. Der VfL hatte auf eine offensivere Abwehrvariante umgestellt, die Bietigheim postwendend mit dem Einsatz eines zusätzlichen Feldspielers beantwortete und diese Variante bis zum Schlusspfiff erfolgreich spielte. „Das war kein Zufall, wir haben das in den letzten Wochen ausführlich trainiert“, so Jónsson, „Die Jungs haben die zweite Hälfte mit dem siebten Feldspieler souverän gespielt.“ In der Innendeckung hatte der SG BBM-Coach seinem Youngster Nikola Vlahovic viel Verantwortung und Spielzeit gegeben, was sich am Ende auszahlen sollte. „Wir haben in dieser Saison schon eine bessere Abwehr gespielt und eine bessere Torhüterleistung gesehen“, so Jónsson, „aber Kampf und Wille haben da immer gestimmt.“

Das war auch nötig, denn Gummersbach zeigte jetzt bessere Abschlüsse und Yonatan Dayans Treffer zum 22:20 brachte die Gäste noch einmal auf zwei Tore heran. Doch weil Bietigheim in der numerischen Überzahl seine Tore machte, kam der VfL in der restlichen Spielzeit nicht mehr zum Anschlusstreffer. Spätestens nach dem 30:25 durch den starken Jonas Link schien der Gummersbacher Widerstand gebrochen. Während der VfL in den letzten fünf Spielminuten nur noch einmal traf, Bietigheim aber vier Tore erzielte, brachte die SG BBM jetzt auch seinen ersten Saisonsieg in der Bietigheimer EgeTrans Arena unter Dach und Fach.

SG BBM Bietigheim: Müller, Maier; Dahlhaus (10), Rentschler (4), Link (4), Fischer (3), Schäfer (3/2), Kraus (2), Asmuth (2), Marčec (2/2), Claus (1), Vlahovic (1), Öhler, Rønningen, Emanuel, Boschen.

VfL Gummersbach: Ivić, Puhle; Sommer (6/2), Božović (5), Hermann (4), Becker (4), Schröter (4), Herzig (1), Dayan (1), Baumgärtner, Blohme, Kontrec, Villgrattner, Haller, Stüber, Weck.

Spielverlauf: 5:2 (9.), 6:5 (15.), 10:7 (19.), 12:8 (23.), 13:11 (27.), 15:12 (30.), 16:15 (33.), 21:17 (39.), 22:20 (43.), 26:22 (50.), 28:25 (56.), 32:26 (60.).
Zeitstrafen: Dahlhaus (17., 24.), Rentschler (50.) – Schröter (14.)
Siebenmeter: 4/5 – 2/2
Schiedsrichter: Tanja Kuttler / Maike Merz (IHF / EHF Kader) Zuschauer: 2622 (EgeTrans Arena Bietigheim)