Novavax ab 03. März verfügbar

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Vierte Impfung im Kreis Esslingen mit mRNA-Impfstoff möglich

Kreis Esslingen.| Das Landratsamt Esslingen ermöglicht gemeinsam mit dem Malteser Hilfsdienst, Apotheken und den niedergelassenen Ärzten in der Fläche des Landkreises viele niederschwellige Impfangebote.

Ab Donnerstag, dem 03. März, wird der neue Protein-Impfstoff „Nuvaxovid“ der Firma Novavax in den beiden Impfstützpunkten in Esslingen am Neckar und Nürtingen angeboten. Termine sind für jedermann unter www.malteser-neckar-alb.de/impfen.html oder www.landkreis-esslingen.de buchbar.

Dem Landkreis Esslingen wurden 8.200 Impfdosen zugeteilt. Ein Teil der zu erwartenden Impfstoffmenge soll vorrangig der Personengruppe vorbehalten sein, die der ab Mitte März geltenden einrichtungsbezogenen Impfpflicht nach dem Infektionsschutzgesetz unterfällt. Dabei handelt es sich zum Beispiel um Beschäftigte der Pflegeeinrichtungen, Krankenhäuser oder Pflegedienste. Dieser Personengruppe wurde bereits Gelegenheit gegeben, sich vorab zu registrieren.

Zwischenzeitlich empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) für bestimmte Personengruppen eine zweite Auffrischungsimpfung (= zweite Booster-Impfung), also die insgesamt vierte Impfung. Zu diesen gehören Menschen ab 70 Jahren, Bewohner und Betreute in Einrichtungen der Pflege, Menschen mit Immunschwäche ab 5 Jahren, sowie Tätige in medizinischen Einrichtungen und Pflegeeinrichtungen.

Diese zweite Auffrischungsimpfung soll bei gesundheitlich gefährdeten Personengruppen frühestens drei Monate nach der ersten Auffrischungsimpfung erfolgen. Personal in medizinischen und pflegerischen Einrichtungen soll die zweite Auffrischungsimpfung frühestens nach sechs Monaten nach der ersten Booster-Impfung erhalten. Eine einzelne Impfdosis ist ausreichend. Personen, die nach erfolgter erster Auffrischungsimpfung eine Corona-Infektion durchgemacht haben, wird in der Regel vorerst keine weitere Impfung empfohlen.

„Wir bieten im Landkreis derzeit an sieben Tagen in der Woche Impfungen an, zudem impfen viele Ärzte und mehrere Apotheken. Das Angebot ist groß und leicht zu erreichen – bitte nehmen Sie es wahr. Trotz aller bevorstehenden Lockerungen müssen wir die Impfquote weiter steigern, auch um für weitere Wellen, insbesondere im Herbst und Winter, gewappnet zu sein. Schützen Sie sich und andere und lassen Sie sich gegen Corona impfen.“, appelliert Peter Freitag, der Gesundheitsdezernent des Landkreises Esslingen.

Auch Erstimpfungen sowie Booster-Impfungen mit den mRNA-Impfstoffen sind weiterhin flächendeckend im Landkreis Esslingen möglich, so in den sechs Impfstützpunkten. Termine dort können jederzeit unter www.malteser-neckar-alb.de/impfen.html oder www.landkreis-esslingen.de gebucht werden. Alle Impfstützpunkte können aber auch ohne Termin besucht werden.

Öffnungszeiten:
Die Impfstützpunkte in Esslingen am Neckar und Nürtingen sind täglich von 11 bis 18 Uhr geöffnet.

Die weiteren Standorte sind an bestimmten Tagen jeweils von 12.30 bis 18 Uhr geöffnet:

  • Filderstadt: samstags/ sonntags/ montags,
  • Kirchheim unter Teck: dienstags,
  • Ostfildern: donnerstags/ freitags/ samstags
  • Plochingen: mittwochs.

Zudem impfen die niedergelassenen Ärzte in derzeit 332 Praxen im Kreis und sind über www.arztsuche-bw.de zu finden. Impfende Apotheken lassen sich über die Homepage der Landesapothekerkammer unter www.lak-bw.de ermitteln.

Rund um die Impfung:
möglich sind Erst, Zweit- und Auffrischungsimpfungen („Booster“). Zum Termin werden der Personalausweis, wenn möglich der Impfausweis und die Krankenkassenkarte, benötigt. Bei Zweit- und Auffrischungsimpfungen muss der Nachweis der bisherigen Covid-19-Impfungen mitgebracht werden. Wer einen Termin bucht, muss die Terminbestätigung vorlegen (ausgedruckt oder digital). Personen unter 16 Jahren können nur in Begleitung eines Sorgeberechtigten geimpft werden.


Wasserball: SVL konnte bis zur Halbzeit mithalten

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Das Ziel war ehrgeizig: ein Sieg gegen den Traditionsclub ASC Duisburg. Bis zum zweiten Viertel waren die Bundesligawasserballer des SVL und die Fans in der Traglufthalle des Inselbads in Stuttgart optimistisch. Doch dann drehte der Gegner auf.

Die SVL-Wasserballer haben zu viele Chancen liegen gelassen, sagt der Ludwigsburger Betreuer Dieter Gscheidle in der Halbzeit. Er spricht von einem zerfahrenen Spiel, der ASC Duisburg habe clevererer agiert. Aber es steht 8:8. Noch ist also alles möglich, auch der anvisierte Sieg mit möglichst drei Toren Vorsprung.

Gut eine halbe Stunde vorher. Die Helfer des SV Ludwigsburg haben ganze Arbeit geleistet. Sie haben übergroße Banner mit dem Vereinswappen aufgehängt, den leuchtend gelben Teppich im Bad ausgelegt. Jan Wörsinger und Simon Kunz haben alles für die Live-Berichterstattung via YouTube vorbereitet. Kurz nach 15.30 Uhr, der Anpfiff. Schnell erzielt der Ludwigsburger Nationalspieler Timo van der Bosch das Führungstor.

Na also, denken sich vermutlich die meisten Betreuer und Fans. Duisburg gleicht zwar wenig später aus, doch dann schießt Marko Martinic das 2:1 läuft, könnte man meinen. Dieses Tor indes wird die letzte Führung für Ludwigsburg im gesamten Spiel markieren. Wie aus dem Nichts erzielen die Gegner bald den neuerlichen Ausgleich – und dann legen sie auch noch nach. Erst fällt das 2:3, dann das 2:4 und das 2:5. Kurz vor dem Ende des ersten Viertels erzielt Mateja Bosic den Anschlusstreffer zum 3:5.

Der SVL-Torwart Ivan Pisk zeigt ein paar großartige Paraden, aber auch er macht an diesem Tag bei Spiel Dritter (Duisburg) gegen Vierten (Ludwigsburg) nicht sein bestes Spiel der Saison. Das zweite Viertel läuft für den SVL gut, auch, weil Nino Blazevic mehrfach trifft. Kurz nach dem Halbzeitpfiff kommentiert ein optimistischer SVL-Präsident den Zwischenstand 8:8, Volker Heyn sagt nur ein paar wenigen Worten: Noch sei alles möglich. Und Dieter Gscheidle erklärt den Zuschauern daheim an den Bildschirmen: seine Ludwigsburger müssten fortan strukturierter spielen. Ein paar Minuten später muss man aber feststellen: der SVL schwächelt. Blazevic, Marko Martinic und Tobi Bauer treffen zwar, doch nach dem dritten Viertel heißt es 12:14 für den Traditionsclub aus dem Westen.

Ludwigsburg erzielt in Überzahl schlicht zu wenig Tore. Und zu viele Schüsse gehen über oder neben das Tor des ASCD. Beim Schlusspfiff ist auf der Anzeigetafel das für Ludwigsburg ernüchternde Ergebnis zu lesen, das Spiel endete 14:18 für Duisburg. Wer 14 Tore schießt, sagen mehrere Spieler, Betreuer und Zuschauer, der müsste eigentlich gewinnen. Aber 18 Gegentore seien einfach zu viele. Unzufrieden sind auch zwei Senioren unter den Zuschauern: Günter Engelhardt (78) und der ehemalige SVL-Nationalspieler Lothar Krämer (92). Engelhardt sagt sinngemäß: die Ludwigsburger seien selbst schuld an der Niederlage. Krämer ist gnädiger und erklärt: die Spieler von heute seien viel schneller als er und seine Kameraden damals in den 1950er-Jahren.

Der SVL-Kapitän Ivan Pisk sagt unmittelbar nach dem Abpfiff am Beckenrad: „Wir sind sehr enttäuscht, ich bin sehr enttäuscht, weil wir nicht unser Maximum ausgespielt haben.“ Der SVL-Teammager Adrijan Jakovcev erklärt: „Meine Mathematik ist klar: Duisburg war besser, sie haben verdient gewonnen, sie haben alle unsere Fehler ausgenutzt, so, wie es eine erfahrene Mannschaft machen muss.“ Timo van der Bosch: „Wir haben zu viele einfache Tore bekommen und deshalb verdient verloren.“ Das Ergebnis sei aber kein Genickbruch, „wir spielen immer noch um Platz drei“. Allerdings mit der zunächst etwas besseren Ausgangssituation für Duisburg.


Stadtwerke Stuttgart bei Ökostromerzeugung auf Kurs

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  • 128 Millionen Kilowattstunden grüner Strom
  • Weiterer Photovoltaik-Ausbau geplant

Stuttgart.| Über 128 Millionen Kilowattstunden grünen Strom haben die Stadtwerke Stuttgart im Jahr 2021 mit eigenen Anlagen erzeugt. Das entspricht dem Bedarf von gut 64.000 Dreipersonenhaushalten und einer Kohlendioxid-Einsparung von knapp 40.000 Tonnen im Vergleich zum bundesweiten Strommix.

Das kommunale Unternehmen arbeitet zudem systematisch am Ausbau eigener Anlagen und unterstützt Dritte als Entwicklungs- und Umsetzungspartner bei Photovoltaikprojekten. „Klimaschutz und Energiewende gelingen nur, wenn mehr Strom aus erneuerbaren Ressourcen bereitsteht. Denn Verkehr und Wärmebereitstellung sind zunehmend auf elektrische Energie angewiesen“, erklärt Peter Drausnigg, Technischer Geschäftsführer der Stadtwerke.

Der selbst erzeugte Ökostrom der Stadtwerke Stuttgart stammt aus bundesweit 31 Windanlagen mit einer Nennleistung von 80 Megawatt sowie 26 selbst betriebene Solarkraftwerke mit einer Leistung von insgesamt 1.500 Kilowatt Peak.

PV-Ausbau als lokaler Schwerpunkt

Dass die selbst erzeugte Strommenge der Stadtwerke Stuttgart 2021 unter der des Vorjahres lag, hat Gründe, die der Energiedienstleister nicht beeinflussen kann: die Natur. Im zurückliegenden Jahr gab es deutlich weniger Wind. Bundesweit ging deshalb die Windstromerzeugung gut elf Prozent zurück, wie das Umweltbundesamt zum Jahreswechsel bekannt gab. Das hat sich auch im Erzeugungsportfolio der Stadtwerke Stuttgart bemerkbar gemacht, die an insgesamt 31 Windkraftanlagen in fünf verschiedenen Bundesländern beteiligt sind. Das Engagement reicht hier vom Bürgerwindrad im baden-württembergischen Alpirsbach bis zu Windparks in Nordrhein-Westfalen, Bayern, Hessen und Brandenburg.

Um die Energiewende direkt in der Landeshauptstadt voranzubringen, setzen die Stadtwerke Stuttgart den Schwerpunkt ihres Engagements bei der klimaneutralen Stromerzeugung auf den Ausbau von Photovoltaik. 2021 steht nun mit über 1,5 Millionen Kilowattstunden Sonnenstrom ein echter Spitzenwert in der Erzeugungsbilanz des Unternehmens, das sind fast achtmal so viel wie 2012.

Das Schöne daran: Es handelt sich dabei um Energie der kurzen Wege, für die keine Transportnetze über Land benötigt werden. „Deshalb unterstützen wir den Ausbau von Photovoltaik vor Ort auch durch Projektentwicklung und Umsetzung für die Landeshauptstadt, Unternehmen, Wohnungswirtschaft und Privathaushalte. Auch dank der Solaroffensive der Landeshauptstadt nutzen Betriebe und Privatpersonen dieses Angebot intensiv“, umreißt Martin Rau, Kaufmännischer Geschäftsführer der Stadtwerke Stuttgart das Engagement der Stadtwerke als Motor der Energiewende in Stuttgart. Denn der Solarzubau sei einer der wichtigsten lokalen Hebel für den Klimaschutz in einer Stadt mit gutem Sonnenpotential wie Stuttgart.

Seit 2014 haben die Stadtwerke Stuttgart 430 Solaranlagen mit einer Leistung von knapp 7.500 Kilowatt Peak verkauft oder für die eigene Stromerzeugung errichtet, davon allein 130 im zurückliegenden Jahr. Dank der neuen Kooperation mit der Stuttgarter Wohnungs- und Städtebaugesellschaft mbH (SWSG) statten die Stadtwerke Stuttgart zudem alle geeigneten SWSG-Dächer zukünftig mit Photovoltaik aus. Das Gesamtpotential wird auf mindestens 25 Megawatt Peak geschätzt. Damit können rund 9.000 Wohnungen versorgt werden.


Rund 3.000 Menschen bei Kundgebung auf dem Schlossplatz

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OB Nopper: „Unsere Herzen sind Blau-Gelb gefärbt“

Stuttgart.| Oberbürgermeister Dr. Frank Nopper hat am Sonntag, 27. Februar, seiner Verbundenheit zu den Menschen in der Ukraine Ausdruck verliehen. Bei einer Kundgebung auf dem Stuttgarter Schlossplatz sagte er vor etwa 3.000 Menschen: „Unsere Gedanken sind in diesen schweren Stunden bei den Menschen in der Ukraine, ihnen gilt unsere Solidarität. Und wir trauern um die Opfer, die dieser furchtbare Krieg bereits in wenigen Tagen mit sich gebracht hat.“ Die russische Invasion verurteilte Nopper als einen „Angriff auf die Völkergemeinschaft“.

Nopper betonte, dass in Stuttgart viele Menschen aus der Ukraine und Russland friedlich nebeneinander und freundschaftlich miteinander lebten. „Wir dürfen es nicht zulassen, dass diese guten Beziehungen, dass diese Freundschaften durch diesen Krieg beschädigt oder sogar zerstört werden. In diesen Zeiten müssen wir unsere Städtepartnerschaften ganz besonders pflegen – auch diejenige mit unserer russischen Partnerstadt“, so Nopper.

Er sagte auch: „Unsere Herzen sind in dieser schweren Zeit in den ukrainischen Nationalfarben Blau-Gelb gefärbt. Wir stehen ganz fest an der Seite der Ukraine, auch an der Seite derjenigen, die wegen des Kriegs aus der Ukraine flüchten müssen.“ Gräber- und Gedenkstätten der Opfer von Krieg, Gewalt und Terror mahnten Frieden und Versöhnung an. Sie mahnte zugleich gegen das „Schlafwandeln und die Fehleinschätzung, dass der Friede ohne unser Zutun für alle Zeiten gesichert sei.“

Nopper schloss in Anspielung auf die ukrainische Nationalhymne mit den Worten: „Wenn wir alle zusammenstehen, stirbt die Ukraine nicht, sterben Frieden und Freiheit nicht. Deswegen geht von Stuttgart ein flammender Appell aus – für Versöhnung, für Entschlossenheit, für Frieden in Freiheit!“

Die Kundgebung war von den Grünen, der CDU, der SPD und der FDP organisiert worden. Neben Vertreterinnen und Vertretern der Parteien sprach auch eine Stuttgarter Ukrainerin.

Die Rede von OB Dr. Nopper im Nopper:
„Liebe Stuttgarterinnen und Stuttgarter, liebe Freundinnen und Freunde, meine sehr geehrten Damen und Herren,

seit Donnerstag früh stehen wir alle unter Schock, ja vielleicht sogar unter Schockstarre. Wir alle sind tief bewegt, ja geradezu fassungslos, weil in der Ukraine und damit in Europa Krieg herrscht – zum ersten Mal wieder seit langer Zeit.

Unsere Gedanken sind in diesen schweren Stunden und Tagen bei den Menschen in der Ukraine, unsere Solidarität gilt den Menschen in der Ukraine, unsere Verbundenheit gilt den Menschen in der Ukraine. Und wir trauern um die Opfer, die dieser furchtbare Krieg bereits in wenigen Tagen mit sich gebracht hat. Deswegen ist es großartig, dass so viele hierher zu dieser Friedenskundgebung gekommen sind. Das Land Baden-Württemberg hat das Neue Schloss mit den ukrainischen Farben beflaggt. Als Zeichen der Solidarität und als Zeichen für Frieden habe ich am Freitag die Flagge des Bürgermeister-Netzwerks „Mayors for peace“ am Rathaus hissen lassen. Außerdem habe ich im Festraum des Rathauses eine Friedenskerze entzündet, um damit ein Zeichen für Frieden, Freiheit und Völkerverständigung zu setzen. Auch in Stuttgart leben viele Menschen aus Russland und aus der Ukraine nicht nur friedlich nebeneinander, sondern sogar freundschaftlich miteinander. Wir dürfen es nicht zulassen, dass diese guten Beziehungen, dass diese Freundschaften durch diesen Krieg beschädigt oder sogar zerstört werden. In diesen Zeiten müssen wir unsere Städtepartnerschaften ganz besonders pflegen – auch diejenige mit unserer russischen Partnerstadt. Städtepartnerschaften sind in Friedenszeiten von großer Bedeutung, in Zeiten von Krieg und bewaffneten Konflikten sind sie von noch größerer Bedeutung. Sie bereiten den Boden für eine friedliche Entwicklung zwischen den Städten und den Völkern. Deswegen setzen wir darauf, auch in Zukunft unsere seit 30 Jahren gewachsene Städtepartnerschaft mit unserer russischen Partnerstadt Samara fortzusetzen.
Meine sehr geehrten Damen und Herren, dieser Angriff auf die Völkergemeinschaft, dieser Angriff auf die freien Völker zeigt, wie brüchig der Friede in Europa ist. Vielleicht haben wir zu sehr an den ewigen Frieden in Europa geglaubt, vielleicht waren wir zu wenig wachsam.

Wir müssen alles unternehmen, dass die Geister der Vergangenheit nicht wieder erwachen und alles dafür tun, ein friedliches Zusammenleben zu ermöglichen. Der große deutsche Philosoph Immanuel Kant hat diese Forderung bereits vor über 200 Jahren in seinem berühmten Werk „Zum ewigen Frieden“ erhoben. Kant schreibt: „Der Frieden ist kein Naturzustand unter Menschen, er muss gestiftet werden.“ Frieden stiften im Sinne des Königsberger Philosophen heißt: Jeder soll ein Friedensstifter sein, jeder soll seinen Beitrag dazu leisten, unser Zusammenleben in Deutschland, Europa und in der Welt besser und menschengerechter zu machen. Der völkerrechtswidrige Überfall auf die Ukraine muss für uns aber auch Anlass sein, über Bedeutung, Rolle und Akzeptanz von Militär, Streit- und Sicherheitskräften in unserem Land nachzudenken. Militär und auch Polizei haben mehr Wertschätzung, Achtung und Rückhalt verdient. Der Bundeswehr nur wohlwollendes Desinteresse entgegenzubringen, wie es der frühere Bundespräsident Horst Köhler einmal kritisch anmerkte, ist zu wenig. Und die in Teilen unserer Gesellschaft bestehenden Vorbehalte gegenüber allem Militär und allem Militärischen – auch gegenüber der Parlamentsarmee Bundeswehr – sind unberechtigt. Ohne eine funktionsfähige Polizei gibt es keinen Rechtsstaat, der diesen Namen verdient. Und der Krieg in der Ukraine zeigt uns auch: Jedes souveräne Land braucht funktionsfähige Streitkräfte, die bei der Wahrnehmung ihrer schwierigen Aufgaben von breiten Schichten der Gesellschaft getragen werden.

„Weil die Toten schweigen, beginnt immer wieder alles von vorn“, hat der französische Philosoph Gabriel Marcel einmal geschrieben. Damit die Toten nicht schweigen, damit wir ihre Stimme hören, gibt es die Gräber- und Gedenkstätten der Opfer von Krieg, Gewalt und Terror – als anhaltende Mahnung für Frieden und Versöhnung, als Mahnung gegen das Schlafwandeln, als Mahnung gegen Gleichgültigkeit und als Mahnung gegen die Fehleinschätzung, dass der Friede ohne unser Zutun für alle Zeiten gesichert sei.

Liebe Freundinnen und Freunde, unsere Herzen sind in dieser schweren Zeit in den ukrainischen Nationalfarben Blau-Gelb gefärbt. Wir stehen ganz fest an der Seite der Ukraine, auch an der Seite derjenigen, die wegen des Kriegs aus der Ukraine flüchten müssen. Die ukrainischen Nationalfarben Blau-Gelb sind das Symbol für Solidarität. Sie sind das Symbol des Widerstandes gegen diesen völkerrechtswidrigen, sinnlosen und ungerechten Angriffskrieg. Sie sind das Symbol für Frieden und Freiheit. Sie sind das Symbol der freien Welt. Der große ukrainische Dichter Pawlo Tschubynskyi hat ein Gedicht verfasst, das zur ukrainischen Nationalhymne weiterentwickelt wurde und das mit den Worten beginnt: “Noch ist die Ukraine nicht gestorben.“

Ja, liebe Freundinnen und Freunde, wenn wir alle zusammenstehen, stirbt die Ukraine nicht, sterben Frieden und Freiheit nicht. Deswegen geht von Stuttgart ein flammender Appell aus – für Versöhnung, für Entschlossenheit, für Frieden in Freiheit!“


SG BBM hält den Sieg fest

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von Bernhard Gaus

Bietigheim-Bissingen.| Die Bietigheimer Handballer können ihre Negativserie stoppen und gewinnen bei der Rückkehr in die EgeTrans Arena gegen den HC Empor Rostock mit 26:24 (12:9) Toren. Spannend war’s bis zum Ende. Der Aufsteiger hatte im letzten Angriff die Chance zum Ausgleich.

Für einen Augenblick jedoch stand vor den 1322 Zuschauern nicht der Handball im Mittelpunkt, sondern der Krieg in Europa. Gedenkminute und ein das eindeutige Statement des Sports gegen den durch nichts zu rechtfertigenden Angriff auf die Ukraine.

Turbulent ging es in den letzten Sekunden des Spiels zu. Bietigheims hochverdiente 6-Tore-Führung zu Beginn der zweiten Halbzeit (17:11) war geschmolzen. Die Ostsee-Handballer schafften mehrmals den Ausgleich, zuletzt zum 24:24. SG BBM-Kapitän Paco Barthe tanzt eine Minute vor dem Ende die Rostocker Abwehr aus und trifft zum 25:24. Dann wird es unübersichtlich. Kam die Rostocker Auszeit rechtzeitig oder hat Bietigheim den Ball erobert? Rostock bleibt in Ballbesitz, der letzte Angriffsversuch endet aber in einem technischen Fehler. Bietigheims Torsteher Konstantin Poltrum befördert den Ball über das ganze Feld zum 26:24-Endstand ins Rostocker Netz. „Das war eng, aber wir haben mit allem, was wir haben, gekämpft und in der entscheidenden Phase die Tore gemacht“, freute sich der fünffache Torschütze Nils Boschen nach dem Schlusspfiff.

„Egal wie das Spiel ausgegangen wäre, ich kann meine Mannschaft für Einstellung und Kampf heute beglückwünschen“, zeigte sich SG BBM-Chefcoach Iker Romero beeindruckt davon, was seine Mannschaft am Samstag investierte. „Diese 100 Prozent haben uns bei den beiden letzten Niederlagen gefehlt. Wir haben nach dem Unentschieden weitergekämpft und das Spiel für uns entschieden.“ Genauso stolz war HC-Coach Till Wiechers auf seine Jungs: „Wir haben den 6-Tore-Rückstand einmal mehr in dieser Saison umgedreht, am Ende ist es sehr unglücklich gelaufen. Die letzten zehn Minuten hätten für beide Mannschaften gut ausgehen können.“

Doch zunächst ist die SG BBM am Drücker, führt Dank einer starken Abwehrleistung mit 5:1 Toren und gewinnt die Spielkontrolle. „In den ersten 20 Minuten haben wir zu viele Bälle verworfen und Poltrum hat sehr stark gehalten, analysierte Wiechers. Erst nach einer Auszeit in der 25. Minute schickt der HC-Trainer zum ersten Mal den siebten Angreifer aufs Feld. Die taktische Überzahlvariante, die Rostock gerne einstreut, geht zunächst nach hinten los. Dreimal erobert Bietigheims aufmerksame Defensive den Ball, Boschen trifft zweimal zum 12:6 ins leere Rostocker Gehäuse. „Dann bis zur Pause nochmal auf drei Tore heranzukommen, war in dieser Phase wichtig für uns“, sagte Wiechers.

Bietigheim lässt sich davon zunächst nicht beeindrucken und bleibt die spielbestimmende Mannschaft, zumindest bis zum 17:11 durch Alexander Pfeifer. Dann investiert die SG BBM lange Minuten zu wenig in ihr Spiel, kann kaum noch gefährliche Abschlüsse generieren. Rostock ist beim 17:15 wieder dran. Der 20:20-Ausgleich läutet zehn Minuten vor dem Ende eine dramatische Schlussphase ein – mit dem besseren, aber nicht unverdienten Ende für die Hausherren.

SG BBM Bietigheim: Poltrum (1), Lehmann; Vlahovic, Claus, Öhler, Dahlhaus (1), Schäfer (6/1), de la Peña (6), M. Urban, Barthe (2), Asmuth, Weßeling (2/2), Pfeifer (2), Boschen (5), Fischer (1).

HC Empor Rostock: Wetzel, L. Mehler, Uhl; Wilhelm (3), Ottsen (3), M. Schütze, D. Mehler (1), Völzke (2), Witte (1/1), Asmussen (6), Schmidt (3), Mehrkens, Kohnagel (3), Pechstein (2), Lößner.

Spielverlauf: 5:1 (11.), 9:5 (22.), 12:6 (27.), 12:9 (30.), 17:11 (37.), 17:15 (43.), 19:16 (47.), 20:20 (50.), 22:22 (54.), 24:24 (59.), 26:24 (60.).
Zeitstrafen: Boschen (14., 35.), de la Peña (24.), Dahlhaus (30.), Barthe (34., 45.) – Witte (21.), D. Mehler (28., 40., 43.), Völzke (30.), Pechstein (51.)
Siebenmeter: 3/4 – 1/3
Rote Karte: D. Mehler (43., 3x 2 Min.)
Schiedsrichter: Marvin Cesnik / Jonas Konrad (DHB Bundesligakader)
Zuschauer: 1322 (EgeTrans Arena, Bietigheim)


Bietigheim hofft auf Wende

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von Bernhard Gaus

Bietigheim-Bissingen: Die Zweitliga-Handballer der SG BBM stehen nach der Lockerung der Coronamaßnahmen vor der Rückkehr in die Bietigheimer EgeTrans Arena. Am Samstag (19 Uhr) erwarten die Jungs von Iker Romero am 24. Spieltag den Aufsteiger HC Empor Rostock, der aktuell auf Rang vier schon fünf Punkte mehr gesammelt hat als die Schwaben.

Unter welchem Stern steht die Rückkehr des Tabellenneunten in die Bietigheimer Großarena? Bis zu 2.760 Zuschauer können nach den in dieser Woche gelockerten Einschränkungen unter 3G-Regeln Handball live in der EgeTrans Arena verfolgen. Für die SG BBM ist es in dieser Saison erst der zweite Auftritt in der angestammten Heimspielstätte. Der 35:28-Erfolg über den TV Hüttenberg am 9. Spieltag vor 1.700 Zuschauern könnte jedenfalls ein gutes Omen sein – wenn da nicht die jüngste Negativserie der Bietigheimer Handballer dagegenstehen würde. Mit den Niederlagen gegen Schlusslicht Dormagen und beim Kellerkind Emsdetten haben sich die Spieler um Kapitän Paco Barthe innerhalb einer Woche um eine gute Ausgangslage im oberen Mittelfeld der 2. Liga gebracht und dabei nicht gerade mit Ruhm bekleckert.

Jetzt gilt die volle Konzentration an Metter und Enz dem dritten Spiel innerhalb von 8 Tagen. Unabhängig vom Ausgang der Partie gegen die Ostsee-Handballer steht jetzt schon fest, dass die SG BBM am Wochenende mit einer negativen Bilanz aus der Englischen Woche gehen wird. Wenn sich der spanische Trainer der SG BBM in dieser Saison der schwankenden Leistungen jedoch auf eines verlassen konnte, dann war es die Stehauf-Mentalität seines Teams, die am Samstag einmal mehr gefordert sein wird.

Dabei ist die Aufgabe gegen den Aufsteiger aus dem hohen Norden keinesfalls eine einfache. „Der Sieg war wertvoll“, jubelte Empor-Trainer Till Wiechers am Mittwoch nach dem bereits zwölften Saisonsieg über ersatzgeschwächte Rimpar Wölfe. Dabei fehlten den Hansestädtern mit Spielmacher Robin Breitenfeldt (130 Tore) und Kreisläufer Jonas Thümmler (85) ihre beiden erfolgreichsten Torewerfer. Breitenfeldt wird nach der am vergangenen Samstag im Spiel in Coburg erlittenen schweren Knieverletzung in dieser Saison gar nicht mehr eingreifen können. Dass Rostock dennoch beide Partien in Coburg (26:28) und gegen Rimpar (30:28) drehen und für sich entscheiden konnte, zeigt, wieviel Moral und Kampfgeist die Mannschaft um Kapitän Tim Völzke entwickeln kann.

Inzwischen kann das Team aus der größten Stadt Mecklenburg-Vorpommerns jedoch auch ganz entspannt aufspielen. Der Klassenerhalt als primäres Saisonziel ist längst in trockenen Tüchern. Empor-Coach Wiechers (38) wird sich die jüngste Partie der SG BBM beim TV Emsdetten ganz genau angeschaut haben. Denn auch er spielt seine Positionsangriffe gegen stabile 6-0-Defensivreihen gerne mit numerischer Überlegenheit, schickt einen zusätzlichen Feldspieler zugunsten seines Torhüters aufs Feld. So beklagten die Rimpar Wölfe im Spiel bei Empor „das kräftezehrende und stressige sieben gegen sechs“ und auch der SG BBM hat dieser Schachzug in Emsdetten wenig geschmeckt.

Doch ausgerechnet in den beiden Partien, die Empor in dieser Saison gegen Bietigheim schon gespielt hat, hat diese taktische Variante nicht funktioniert. In der ersten Pokalrunde setzte sich Bietigheim mit 19:26 Toren in Rostock klar durch und auch in der Liga nahmen die Schwaben mit einem 29:32-Erfolg nach zwischenzeitlichem 6-Tore-Rückstand die Punkte mit zurück ins Schwabenland.

Nur allzu gerne beschwört man in Bietigheim-Bissingen in diesen Tagen den Geist der EgeTrans Arena. Erstmals seit drei Monaten kann die SG BBM wieder Einzeltickets im Vorverkauf wie an der Abendkasse anbieten. Ein Stück der alten Heimspielatmosphäre soll zurückkehren und den Schwaben-Handballern den Rücken stärken. Das Spiel wird unverändert auch im kostenfreien Livestream unter www.handball-deutschland.tv zu sehen sein.


Novavax-Termine zunächst nur im Kreisimpfstützpunkt (KIS)

  • Landkreis Böblingen befolgt die Empfehlungen des Landes
  • Gesundheitsamt ist im Gespräch mit den Einrichtungen mit Blick auf die einrichtungsbezogene Impfpflicht

Kreis Böblingen.| Ende Februar / Anfang März wird die Auslieferung des Impfstoffs der Firma Novavax an die Landkreise erwartet. Das Land verteilt diesen ausschließlich an die Landkreise und hat in Bezug auf die Verwendung klare Vorgaben gemacht. Mit Blick auf den Stichtag der einrichtungsbezogenen Impfpflicht (15. März 2022) soll Novavax anfangs vorrangig den Beschäftigten in medizinischen und pflegerischen Bereichen vorbehalten sein soll. Zudem muss der Landkreis selbst eine Lagerhaltung für die Zweitimpfung anlegen. Deshalb werden die ersten Impfdosen des neuen Impfstoffs nur im Kreisimpfstützpunkt (KIS) selbst verimpft.

„Wir halten uns an die Vorgaben des Landes“, betont Landrat Roland Bernhard. „In der ersten Lieferung erwarten wir ca. 6.500 Impfdosen. Mit der vorgeschriebenen Lagerhaltung für die Zweitimpfung und der prioritären Behandlung Aller, die von der einrichtungsbezogenen Impfpflicht betroffen sind, bleiben zunächst zu viele Unklarheiten, wie viele freie Termine es für den Impfstoff überhaupt geben wird.“ Man werde deshalb zunächst ausschließlich zentral im KIS impfen. „Es macht aus der ersten Lieferung keinen Sinn, Abgaben an die Ärzteschaft zu versprechen, die wir dann vermutlich nicht halten können“, wirbt der Landrat für Verständnis. Die Betonung liege darauf, dass das aber nur für die Anfangsphase gelte.

Mit Blick auf die einrichtungsbezogene Impfpflicht und den herannahenden Stichtag ist der Landkreis mit den Einrichtungen im Gespräch. Man sei in einem guten Austausch. Über ein zentrales Meldeportal sollen die Meldungen nach dem 15. März eingehen. Sie werden erfasst, die Betroffenen werden angeschrieben und nochmals angemahnt. Wird dann kein entsprechender Nachweis vorgelegt, gilt es ein Betretungs- oder Beschäftigungsverbot zu prüfen. Dazu werden zunächst die/der jeweils Betroffene und die Einrichtung angehört, anschließend wird entschieden. „Wir haben den hohen Anspruch an uns selbst, die individuellen Bedürfnisse der Einrichtungen bestmöglich zu berücksichtigen“, sagt Landrat Bernhard. Man wolle das Ermessen, das man als Behörde habe, größtmöglich ausüben.

Für die Impfung mit Novavax, auf die man diesbezüglich noch einige Hoffnung setzt, wurden viele Einrichtungen bereits angeschrieben.Aber auch, wer auf diesem Weg bisher nichts gehört hat: Wenn die Novavax-Termine in der Terminvereinbarungssoftware des KIS eingestellt sind, erfolgt bei Terminbuchung eine Abfrage, ob man aus beruflichen Gründen für den Impfstoff berechtigt ist. Mit Terminen wird voraussichtlich ab KW 10 gerechnet; noch ist nämlich das genaue Lieferdatum für die Impfdosen weiter unklar.

Das Land verteilt sein Kontingent über einen Einwohnerschlüssel unter den einzelnen Landkreisen. Generell ist Novavax natürlich für alle zugänglich. Der Impfstoff wird in zwei Impfungen im Abstand von drei Wochen verabreicht. „Ich verbinde mit dem weiteren Impfangebot die Hoffnung, dass sich noch mehr Menschen für eine Impfung entschließen, die den bisherigen Impfstoffen gegenüber misstrauisch waren“, so Bernhard. „Eine höhere Impfquote gerade in solchen Bereichen wie Altenpflegeheimen oder Einrichtungen, wo Menschen mit Behinderungen leben, ist zwingend nötig, um diese besonders gefährdete Gruppe von Menschen zu schützen.“

In Zusammenhang mit der einrichtungsbezogenen Impfpflicht hat das Land dieser Tage einen Handlungsleitfaden erarbeitet, der praxisbezogene Hilfestellungen liefert. Dabei handelt es sich um Informationen für betroffene Einrichtungen und Unternehmen. Der Link dazu findet sich auf der Homepage des Landkreises. Dort finden sich auch die Infos rund um den Impfstoff Novavax und der Link zur Terminvereinbarung für den KIS. www.lrabb.de, Stichwort „Informationen zur Corona-Impfung“.


Anspruch auf Schadensersatz bei falschen Angaben im Exposé

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Käuferinnen und Käufer einer Immobilie können von der Verkäuferin oder dem Verkäufer Schadensersatz verlangen, wenn das überreichte Exposé falsche Angaben enthält. Das gilt unter Umständen sogar dann, wenn im Kaufvertrag die Haftung für Sachmängel ausgeschlossen ist. Die Wüstenrot Immobilien GmbH, ein Unternehmen der W&W-Gruppe, weist auf ein aktuelles Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH V ZR 119/20) hin.

Die Käuferin eines sanierungsbedürftigen Objekts verklagte die Verkäuferin auf Schadensersatz. Dabei berief sie sich darauf, dass das ihr übergebene Exposé falsche Angaben zur Sanierbarkeit der Immobilie enthielt. Zunächst wies das Oberlandesgericht Hamburg die Klage mit der Begründung ab, die Käuferin habe das Exposé erst erhalten, nachdem sie bereits ihre Bereitschaft zum Kauf des Objekts erklärt hatte. Die falschen Angaben hätten daher ihren Kaufentschluss nicht beeinflusst. Außerdem sei im notariellen Kaufvertrag die Haftung für Sachmängel ausgeschlossen worden.

Das sah der BGH im Revisionsverfahren anders. Der Kaufvertrag komme erst mit der notariellen Beurkundung zustande. Bis dahin könne eine Käuferin oder ein Käufer die eigene Entscheidung überdenken und sich dabei auch von einem Exposé beeinflussen lassen. Trotz der ausgeschlossenen Haftung für Sachmängel komme ein Schadensersatzanspruch in Betracht, wenn die Verkäuferin wusste, dass das Exposé falsche Angaben enthielt und sie damit arglistig handelte. Da dies noch nicht abschließend geklärt war, verwies der BGH den Fall an das Oberlandesgericht Hamburg zurück.


Bahn macht Netz und Bahnhöfe fit für die Zukunft

1,88 Milliarden Euro Investitionen für Baden-Württember
  • DB-Infrastrukturvorstand Pofalla: „Jeder Euro in die Schiene ist ein Euro in den Klimaschutz“
  • DB packt in Baden-Württemberg 150 Kilometer Gleise, 130 Weichen, 13 Brücken und 105 Stationen an
  • 610 neue Mitarbeitende für die Infrastruktur

Stuttgart.| Die Deutsche Bahn (DB) setzt ihr Investitionsprogramm „Neues Netz für Deutschland“ konsequent fort. 2022 soll bundesweit die Rekordsumme von 13,6 Milliarden Euro von DB, Bund und Ländern in die Schieneninfrastruktur fließen – rund 900 Millionen Euro mehr als im Vorjahr.

1,88 Milliarden Euro stehen 2022 für Netz und Bahnhöfe in Baden-Württemberg zur Verfügung. Damit modernisiert und erneuert die DB rund 150 Kilometer Gleise, 130 Weichen sowie 13 Brücken. Außerdem packt die DB 105 Haltepunkte und Bahnhöfe an – darunter Friedrichshafen, Rastatt und Metzingen. Mit diesem Programm will die DB die vorhandene Infrastruktur leistungsfähiger machen und mehr Kapazität im Schienennetz und in den Bahnhöfen schaffen.

Ronald Pofalla, Infrastrukturvorstand der DB: „Wir bauen so viel wie noch nie – ein echter Kraftakt! Dieser gelingt uns nur mit einem starken Team, mit motivierten und engagierten Mitarbeitenden.“ Deshalb baut die DB ihre Teams 2022 weiter auf: 610 zusätzliche Ingenieur:innen und Fachkräfte für Ausbau und Instandhaltung werden in diesem Jahr in Baden-Württemberg neu eingestellt.

Die diesjährige Investitionsoffensive hat zwei große Schwerpunkte: Zum einen schafft die DB mehr Platz auf der Schiene. Dafür geht es beim Aus- und Neubau wichtiger Infrastrukturprojekte auf hohem Niveau weiter. Als wesentlicher Meilenstein geht Ende 2022 wie geplant die rund 60 Kilometer lange Hochgeschwindigkeitsstrecke Wendlingen–Ulm in Betrieb. Sie ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Inbetriebnahme von Stuttgart 21 und wird die Fahrzeiten zwischen Stuttgart und Ulm um rund eine Viertelstunde verkürzen.

Zum anderen treibt die DB ihre Digitalisierungsprojekte weiter voran, beispielsweise durch die Arbeiten am Digitalen Knoten Stuttgart. Gleichzeitig geht der Ausbau mit ETCS, dem modernsten Leit- und Sicherungssystem mit europäischem Standard, weiter.

Beides – mehr Kapazität und Digitalisierung – sind Voraussetzung für mehr und schnellere Verbindungen und den Deutschlandtakt. „Eine starke Infrastruktur ist die Grundlage für ein attraktives Angebot für alle Bahnreisenden. Genau darum geht es uns: Wir wollen mehr Menschen vom umweltfreundlichen Verkehrsmittel Bahn überzeugen. Jeder Euro in die Schiene ist deswegen auch ein Euro in den Klimaschutz“, so Pofalla weiter.


Gedenktafel am Rathaus wird erneut entfernt

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Stadt will den Prozess zum Thema Erinnerungskultur auf andere Weise in Gang setzen

Stuttgart.| Die Landeshauptstadt Stuttgart wird das illegal am Rathaus angebrachte Schild zum Gedenken an die Opfer des Anschlags von Hanau zeitnah entfernen. Zur Anbringung des Schildes hatte sich wie schon im letzten Jahr die Initiative „Stuttgart gegen Rechts“ bekannt. Vor einem Jahr hatte die Stadtverwaltung die Tafel bereits ein erstes Mal entfernen lassen, unter anderem aus Gründen der Gleichbehandlung.

Das Thema Erinnerungskultur hat für die Landeshauptstadt Stuttgart einen hohen Stellenwert. Die illegale Anbringung eines Schildes, das großflächig fest mit dem Mauerwerk verbunden ist, ist aus Sicht der Verwaltung aber kein geeignetes Mittel, um einen Prozess zum Thema Erinnerungskultur in Gang zu setzen.

Seit Sommer 2021 ist beim Kulturamt eine neue Koordinierungsstelle für Erinnerungskultur angesiedelt. Sie soll u. a. den städtischen Diskurs zum Thema bündeln. In den vergangenen Monaten versuchte diese Koordinierungsstelle mehrmals, Kontakt zur Initiative “Stuttgart gegen Rechts” aufzunehmen. Bislang erhielt sie keine Rückmeldung zu einem möglichen Gesprächstermin.

Gemeinsam mit einer Stuttgarter Künstlerin hat die Koordinierungsstelle Erinnerungskultur inzwischen einen Vorschlag entwickelt, wie ein Erinnerungsort an die Opfer des Anschlags von Hanau dauerhaft eingerichtet werden könnte. Eine Umsetzung sollte aus Sicht der Koordinierungsstelle jedoch in Abstimmung mit den zivilgesellschaftlichen Initiativen in Stuttgart und insbesondere mit den Angehörigen der Opfer von Hanau erfolgen. Die Verwaltung der Landeshauptstadt ist für einen Austausch und eine Zusammenarbeit mit der Initiative „Stuttgart gegen Rechts“ weiterhin offen.

Stuttgarts Oberbürgermeister Dr. Frank Nopper stellt die grundsätzliche Frage, ob es angemessen sei, nur an die Opfer eines einzelnen und in diesem konkreten Fall rassistisch motivierten Anschlags zu erinnern. Er regt an: „Wir sollten gemeinsam mit der Koordinierungsstelle Erinnerungskultur eine geeignete Form des Gedenkens für alle Opfer extremistischer Gewalt finden – auch für die Opfer von Hanau.“