Die Wasserballer des SVL haben das Bundesliga-Halbfinale am Donnerstagabend gegen den deutschen Rekordmeister aus Berlin mit 9:20 (3:5, 1:5, 3:5, 2:5) verloren. Aber der Interimstrainer Dieter Gscheidle sagt nach dem Abpfiff: „Ich bin absolut zufrieden, Spandau hat schon lange keine neun Tore mehr bekommen – außer gegen Waspo Hannover.“

Donnerstagabend gegen 21.30 Uhr, Freibad Hoheneck. Eben wurde das Bundesliga-Halbfinale Ludwigsburg gegen Spandau abgepfiffen. Die Gäste aus Berlin, der deutsche Rekordmeister, haben die Partie erwartungsgem&a uml;ß für sich entschieden – mit 9:20. Doch die Stimmung der SVL-Spieler und der beiden Interimstrainern, Dieter Gscheidle und Robert Kovacs, ist gut. Lauter zufriedene Gesichter am Beckenrand.

Spandau habe „schon lange keine neun Tore mehr bekommen, außer gegen Waspo Hannover“, sagt Gscheidle. Waspo und Spandau sind weiterhin die unumstrittene Nummer eins und zwei im deutschen Wasserball und spielen die Titel auf nationaler Ebene unter sich aus. Und der SVL schickt sich ja bekanntlich an, die Nummer drei zu werden. Gscheidle lobt speziell den Torwart Josip Katuša: „eine super Leistung, ein paar super Paraden“.

Gut zwei Stunden vorher. Eigentlich sollte die Partie im Freibad Hoheneck um 19.30 Uhr angepfiffen werden. Doch Spandau ist nicht da. Im DSV-Online-Ticker ist zu lesen: „Gast zu spät angereist.“ Später werden die Berliner erklären, die Deutsche Bahn sei schuld. Mit ordentlich Verspätung geht es gegen 20.15 Uhr los. Und die Spandauer Spieler zeigen sofort, dass sie weder die lange Anreise noch die Verzögerung und das fehlende Einschwimmen abhalten werden vom Ziel, dem Einzug ins Finale. Tor Spandau, Tor Spandau, Tor Spandau, Tor Spandau – ganz schnell steht es 0:4 gegen den SVL. Die erste Ernüchterung für Ludwigsburg. Die ersten Minuten verschläft der SVL.

Nach knapp fünf Minuten das 1:4 für den SVL durch Mateja Bosic. Endlich. Jetzt verteidigt der SVL cleverer. Und der Torwart Josip Katuša zeigt eine Parade nach der anderen. Trotzdem erhöht Spandau auf 1:5. Im Gegenzug macht der SVL-Nachwuchsspieler Tobias Bauer das 2:5. Und kurz darauf: ein super Tor durch Kristijan Lipar. 3:5. Der Sprecher der SVL-Online-Liveübertragung, Jan Wörsinger, sagt: „Sieht gar nicht so schlecht aus.“ Das zweite Viertel beginnt – mit einem weiteren Tor für Spandau, 3:6. Eine schöne Aktion von Aleksa Manic, aber keine Treffer. Und wieder eine großartige Parade von Katuša. Mit Blick auf die Torhüter hat der SVL ein Luxusproblem: zwei top Leute. In dieser Partie pausiert der Kapitän Ivan Pisk krankheitsbedingt.

Nach einer Auszeit: ein schlechter Pass des SVL, der Ball ist weg. Aber Ludwigsburg verteidigt gut. Applaus der zahlreichen Fans am Beckenrand. Mattia Ruggeri macht das nächste Tor, es steht 4:6. Ludwigsburg verkauft sich weiter gut gegen den Rekordmeister. Parade Katuša. Fünfmeter für Spandau. Verwandelt, 4:7. Spandau dreht wieder auf, 4:8. Pech für den SVL: Pfostenschuss. Konter, Tor Spandau, 4:9. Schuss SVL, geblockt. Kein Treffer. Dafür vier Sekunden vor der Halbzeitpause das 4:10 für Spandau.

In der Halbzeit zeigen zwei Synchronschwimmerinnen was sie drauf haben – und dann beginnt die zweite Hälfte. Wieder gewinnt Spandau das Anschwimmen. Und wieder eine der tollen Paraden des SVL-Torwarts. Doch bald fällt das 4:11 für die Berliner. Jan Wörsinger sieht „leichte Auflösungserscheinungen“ bei Ludwigsburg. Katuša hält einen fast unhaltbaren Schuss, doch in zweiten Anlauf der Berliner: der nächste Treffer für Spandau, 4:12. Bosic macht aus super spitzem Winkel das 5:12. Konter SVL, und wenig später macht Ruggeri das 6:12. Im Gegenzug das 6:13 für Spandau. Lipar 7:13. Ballverlust SVL, Tor Spandau, 7:14. Und dann das 7:15. Spandau zieht davon. Spandau dominiert.

Das letzte Viertel. Das Spiel ist gelaufen, das wissen alle. Wie erwartet. Nun heißt es, dieses Spiel als Vorbereitung auf das übernächste Spiel um Platz drei zu nutzen. Der SVL verkauft sich aber nach wie vor über weite Strecken des Viertels ordentlich. Tobi Bauer erzielt das erste Tor des letzten Viertels, 8:15. Und wieder eine super Parade von Katuša. Wenig später aber keine Chance, das 8:16 für Spandau. Fünfmeter Spandau, verwandelt, 8:17. Abstauber Tor Timo van der Bosch, 9:17. Dann aber das 9:18, das 9:19 und das 9:20 für Spandau. Noch ein paar gute Chancen für das zehnte SVL-Tor, das aber nicht mehr fällt.

Die Ludwigsburger – und auch die Berliner – sind sich einig: eine starke Leistung des SVL. Maurice Jüngling, Spandau, sagt nach dem Abpfiff: „Hut ab, die Ludwigsburger haben es uns nicht einfach gemacht.“ Das deutliche Ergebnis spiegele das Spiel nicht wider. „Neun Tore, das darf uns nicht passieren.“ Im Finale werde Spandau wohl gegen Waspo antreten. Das Ziel der Berliner sei klar, sagt Jüngling. „Revanche.“ Waspo hat Spandau kürzlich im Finale des DSV-Pokals unerwartet deutlich geschlagen. Spandau, so Jüngling, wolle „immer“ Deutscher Meister werden.

Jan Wörsinger sagt, sein SVL habe ihm richtig gut gefallen. Okay, Ludwigsburg habe die ersten Minuten „verschlafen“, sich dann aber super verkauft und zeitweise gut mitgehalten mit der deutschen Über-Mannschaft aus der Hauptstadt. Tobi Bauer erklärt, sein Team habe „oft gut dagegengehalten“. Er und seine Mitspieler hätten Erfahrungen gesammelt, von einem besseren Gegner gelernt. Beim zweiten Halbfinale am Sonntag in Berlin würden sicherlich „schon ein paar Sachen einstudieren für das Spiel um Platz drei gegen dann wohl den ASC Duisburg“.

Auch Dieter Gscheidle spricht von „einem schönen Training“ für das Spiel gegen Duisburg und von „Werbung für den Wasserballsport“. Der SVL-Nationalspieler Timo van der Bosch sagt, „im Großen und Ganzen war das ein gutes Spiel von uns“. Die Stimmung im Team sei gut, „die brauchen wir auch für das Spiel um Platz drei“, denn die Partie gegen Duisburg werde sicherlich „ein heißer Tanz“. Obwohl das nächste Spiel am kommenden Sonntag das zweite Halbfinale gegen Spandau ist, alle Ludwigsburger sind in Gedanken bereits bei dem zu erwartenden kleinen Finale gegen Duisburg.

Ivan Pisk will, dass Ludwigsburg beim zweiten Halbfinale gegen Spandau, das an diesem Sonntag um 14 Uhr in Berlin angepfiffen wird, „einen weiteren Schritt macht und noch besser spielt“. Doch auch ihm ist klar: in Berlin wird am Wochenende nur wenig zu holen sein. Alle Konzentration gilt den darauffolgenden Spielen. Der SVL empfängt aller Voraussicht nach den ASC Duisburg zum ersten von mindestens zwei Spielen um Platz Drei in der Bundesliga. Das Rückspiel ist in Duisburg angesetzt. Sollte es nach diesen zwei Partien 1:1 stehen, dann würde die entscheidende Begegnung ebenfalls in Duisburg ausgetragen.