von Bernhard Gaus

Bietigheim-Bissingen.| Angestachelt von den Punktverlusten der Verfolger am Vortag gewinnt Spitzenreiter VfL Gummersbach in eindrucksvoller Manier am Samstag sein Spiel bei der SG BBM Bietigheim. Nach dem 26:34(16:19)-Erfolg in der Bietigheimer EgeTrans Arena steht hinter der Rückkehr der Oberbergischen in die 1. Liga nur noch ein theoretisches Fragezeichen. Bietigheim zeigte ein gutes Spiel, dennoch reichte die Leistung nicht, um den Tabellenführer zu gefährden. Die 1810 Fans in der EgeTrans-Arena sind für die SG BBM Rekordkulisse in einer heftig unter dem Einfluss von Corona stehenden Saison.

Für die Statistiker: Bei fünf ausstehenden Spielen kann der VfL nur noch durch das Torverhältnis auf den dritten Platz verdrängt werden. Und da haben die Jungs von Gudjon Valur Sigurdsson jetzt ein Polster von 137 Toren vor der HSG Nordhorn-Lingen. „Gummersbach steigt verdient auf, sie haben die beste Mannschaft in der Liga“, gratulierte Iker Romero. „Respekt vor dem Gegner ist immer gut, aber heute hatten wir zu viel Respekt“, stellte Bietigheims Coach auch fest. Lob gab es selbstverständlich von VfL-Trainer Sigurdsson für die Leistung seines Teams. „Wir sind heute stolz und glücklich. Wir haben in der ersten Halbzeit überragend im Angriff gespielt und waren sehr effektiv, auch über die gesamte Spielzeit gesehen.“

Gummersbach übernahm schnell die Initiative im Spiel, führte mit 7:11 Toren und verzeichnete erst nach 20 Minuten den ersten Fehlwurf überhaupt beim Stand von 11:14. SG BBM-Coach Romero hatte da schon seine Abwehr um- und mit Pascal Welz einen Überraschungsmann ins Tor gestellt.

Als 23-Jähriger stand Welz zuletzt im Tor seines Heimatvereins, spielte dann in Horkheim und Kornwestheim und hatte die Handballschuhe eigentlich schon längst an den berühmten Nagel gehängt. Acht Jahre später hilft „Passi“ jetzt aus, solange Konstantin Poltrum noch nicht voll einsatzfähig ist. Der Stammkeeper der SG BBM nahm zwar auf der Bank Platz, kämpft aber immer noch mit Beeinträchtigungen nach einem Kopftreffer, den er im Training einstecken musste. Für Welz ein schöner Moment und mit 6 Paraden in 25 Einsatzminuten nach gerade einer Trainingseinheit mit der Mannschaft durchaus auch ein erfolgreicher. Für höchstens drei Spiele steht der 31-Jährige aushilfsweise zur Verfügung.

Weil auch die SG BBM im ersten Abschnitt ihre Chancen hatte und nutzte, gelang es dem Tabellenführer vor der Pause noch nicht, entscheidend davonzuziehen. Einen 12:17-Rückstand verkürzte Bietigheim wieder. Christian Schäfer traf Sekunden vor dem Wechsel zum 16:19. Und in einer ausgeglichenen Auftaktphase des zweiten Abschnitts kam die SG BBM tatsächlich noch einem näher heran, das 21:23 in der 38. Minute markierte erneut Schäfer vom Siebenmeterpunkt.

Es spricht aber für die Qualität des Spitzenreiters, dass er gerade in dieser Drangphase seine Abwehr stabilisierten konnte. „Anfang der 2. Halbzeit haben wir gut gedeckt, kamen in die Gegenstöße. Tibor Ivanisevic hat dann überragend gehalten“, analysiert Sigurdsson. Kaum drei Minuten später stand es wieder 21:27 und die SG BBM musste einen weiteren Tiefschlag verkraften. Dominik Claus verletzte sich in einer Abwehraktion gegen Gummersbachs Julian Köster so schwer, dass er mit Verdacht auf Gehirnerschütterung ins Krankenhaus musste. „Für mich ist heute wichtig, dass die Verletzung von Dominik nicht so schwer wird, wie wir zuerst befürchten mussten“, sagte Romero gleich nach dem Spiel. „Ich hoffe, er wird schnell zurückkommen.“

Auf den restlichen Spielverlauf allerdings hatte der Ausfall im rechten Rückraum wenig Einfluss. Gummersbach war wieder stabil. „Wir waren in Richtung Tor nicht mehr aggressiv genug, haben deshalb auch viele Gegentore über die schnelle Mitte erhalten“, musste Romero eingestehen. Immerhin wuchs Gummersbachs Vorsprung bis zum 26:34- Endstand nicht mehr wesentlich an. Mit mehr Effektivität in der Chancenverwertung hätte das Ergebnis am Ende leicht freundlicher für Bietigheim ausfallen können. Die letzten drei Torerfolge gingen an die Gäste. Der Jubel des VfL mit seinen 50 mitgereisten Fans über den elften Auswärtssieg der Saison jedenfalls hatte schon etwas von Aufstiegsfeier Teil 1.

SG BBM Bietigheim: Poltrum, Lehmann, Welz; Vlahovic (4), Claus (2), Öhler (1), Dahlhaus (1), Schäfer (3/2), de la Peña (5), M. Urban, Barthe (3), Asmuth, Weßeling (1), Pfeifer (4), Boschen (2), Fischer.

VfL Gummersbach: Nagy, Ivanisevic; Fanger, Vidarsson (2), Köster (8), Blohme (4), Schroven (1/1), Häseler, Hermann, Herzig (2), Pregler (5), Santos (3), Kiesler, Stüber, Zeman (1), Bozovic (8/1).

Spielverlauf: 1:4 (7.), 7:9 (13.), 9:13 (18.), 12:17 (24.), 16:19 (30.), 21:23 (38.), 22:30 (48.), 25:30 (54.), 26:33 (60.).
Zeitstrafen: Fischer (20.), Boschen (37.) – Kiesler (25.), Zeman (35.), Schroven (54.)
Siebenmeter: 2/3 – 2/2
Schiedsrichter: Tanja Kuttler / Maike Merz (IHF und EHF Internationale Schiedsrichter)
Zuschauer: 1810 (EgeTrans Arena, Bietigheim-Bissingen)