Was für ein Wasserball-Wochenende im Freibad Hoheneck! Der SV Ludwigsburg hat mit einem Sieg in aller letzter Sekunde am Samstag und mit einer souveränen Vorstellung am Sonntagabend die White Sharks Hannover geschlagen und das Halbfinale erreicht. Am Freitag, 13. Mai, ist der deutsche Rekordmeister Spandau 04 zu Gast im Ludwigsburg Freibad.

Strahlende Gesichter, wohin man auch schaut. Sonntagabend, kurz nach 21 Uhr im Freibad Hoheneck. Die Bundesliga-Wasserballer des SV Ludwigsburg haben eben das letzte von drei Viertelfinalspielen gegen die White Sharks Hannov er souverän gewonnen.

Der deutsche Nationalspieler Timo van der Bosch steht mit hoch rotem Kopf am Beckenrand, atmet tief ein und wieder aus, ein uns wieder aus – und erklärt dann: „Ich bin platt, platt und zufrieden.“ Speziell das dritte Viertel dieses Spiels gegen die Sharks sei „top“ gewesen. Fast alles lief nach Plan. Er werde diese Spiele bestimmt „die nächsten zwei Tage merken“, sprich schwere Muskeln haben.

Der Ludwigsburger Goalgetter Marko Martinic sagt, ihm sei immer klar gewesen – auch nach dem ersten Viertelfinalspiel, das in Hannover mit 12:9 verloren gegangen war: „Wir sind das bessere Team.“ Bei manchen Spielern sei das Problem phasenweise „der Kopf“ gewesen. Nach der Niederlage beim Auswärtsspiel am Mittwoch hätten einige seiner Kollegen viel über diese eine Niederlage nachgedacht – beim zweiten Spiel am Samstagnachmittag sei allen klar gewesen: „Wir MÜSSEN gewinnen.“ Entsprechend nervös sei man ans Werk gegangen.

Nach dem Sieg am Sonntagabend, den viel als „historischen“ für den SVL bezeichnen, erklären der SVL-Präsident, Volker Heyn, und sein Vize, Matthias Nagel unisono: Saisonziel erreicht. Die Mannschaft spielt Mitte Mai die Halbfinals gegen den deutschen Rekordmeister Spandau 04. Der SVL wird diese Saison also mindestens mit Platz vier beenden. Mindestens. Denn eins ist klar: auch wenn das Halbfinale gegen Spandau verloren werden sollte, in den dann folgenden Spielen um Platz drei sollen Siege her.

Der SVL Teammanager Adrijan Jakovcev – er hatte zum Start der Liga Platz vier als das ehrgeizige Ziel ausgegeben – sagt nach der Partie am Sonntag: das erste und das zweite Viertel seien noch nicht so ganz nach seinem Geschmack gelaufen. Aber die zweite Hälfte habe der SVL super gespielt. Speziell das dritte Viertel habe ihm sehr gut gefallen. Jakovcev spricht von einer „Wahnsinns-Leistung“ gegen sehr gute Hannoveraner. Die White Sharks seien eine „Spitzenmannschaft“. Dieses Spiel werde in die Geschichte des SV Ludwigsburg eingehen. Der SVL-Betreuer Dieter Gscheidle sagt, alle Männer hätten großartige Leistungen gezeigt, für ihn sei der Mannschaftskapitän und Torwart „der Mann des Tages“. Ivan Pisk hatte zig teilweise sensationelle Paraden gezeigt und den SVL immer im Spiel gehalten.

Rückblick. Samstagnachmittag, 17 Uhr. Der SVL muss den Rückstand nach dem verlorenen Auswärtsspiel wettmachen. Und die Spieler tun sich zunächst schwer. Ludwigsburg gerät gleich in Rückstand, Eric Fernandez Rivas gelingt zwar bald der Ausgleich zum 1:1, aber dann liegt der SVL zunächst fast immer zurück, einmal gelingt noch der Ausgleich, aber bis ins letzte Viertel tun sich die Ludwigsburger schwer. Sie schießen über das Tor, verteidigen ungeschickt, bekommen zu viele Treffer. Einer der Zuschauer im Freibad sagt: „Vorne ist das Problem.“ Marko Martinic hält den SVL im Spiel, er erzielt die Treffer zwei, drei und fünf. Nach dem dritten Viertel führt Hannover, es steht 5:6. Wieder ist es Martinic mit seinen Toren, der den SV Ludwigsburg und die Fans hoffen lässt.

Der SVL kommt in Schwung. Kurz vor Schluss steht es 9:7 für Ludwigsburg. Noch zwei Minuten sind auf der Uhr. Der Sieg sollte nicht mehr in Gefahr geraten, doch es kommt anders. Die Sharks erzielen das 9:8 und kurz vor dem Schlusspfiff auch noch den Ausgleich per Strafwurf. Nun sind nur noch ein paar Sekunden auf der Uhr. Angriff Ludwigsburg. Der Ball landet im Toraus, Eckball für den SVL. Ein blitzschneller Schuss aufs Tor den Timo van der Bosch noch abfälscht – und dem Nationalspieler gelingt das schier Unmögliche: mit dem Schlusspfiff fällt das 10:9. Was für eine unglaubliche Partie. Viele Zuschauer, die Spieler, der Trainer, der Teammager und der Vorstand haben vermutlich alle diesen einen Gedanken im Kopf: Macht das letzte Spiel an nächsten Tag bitte nicht wieder ganz so spannend.

Sonntagabend, 20 Uhr. Die Sonne scheint, die Stimmung am Beckenrand ist gut. Anpfiff des alles entscheidenden Spiels. Der SVL beginnt schlecht. Schnell steht es 0:2, Hannover legt wieder vor. Nach dem ersten Viertel ist auf der Anzeigetafel ein 1:3 zu lesen. Doch bald kommt Ludwigsburg immer besser ins Spiel. Nach der Halbzeit steht es 3:4. Nun drehen van der Bosch, Martinic und Co. voll auf. Das dritte Viertel ist für die Ludwigsburger Fans ein wahrer Genuss. Ein Tor nach dem anderen fällt: 4:4, Vitor Pavicic-Capucho, 5:4 Mateja Bosic, 6:4 Martinic, 7:4 Aleksa Manic. Mit dem Beginn des letzten Viertels steht es 8:6 für Ludwigsburg. Hannover kommt zwar nochmal auf 8:7 ran, doch dann erzwingen van der Bosch, Mikael Metodiev und Pavicic-Capucho die weiteren Treffer zum 12:10 Endstand. Und die Party an diesen legendären Sonntagabend am Beckenrand des Freibads in Hoheneck beginnt.