von Bernhard Gaus

Der nächste Top-Gegner wartet auf die Bietigheimer Zweitliga-Handballer. Bundesliga-Absteiger HSC 2000 Coburg empfängt am Sonntag (16 Uhr) die SG BBM und ist am 10. Spieltag vor den eigenen Fans unter Zugzwang. Die Partie in der HUK-COBURG arena wird als kostenfreier Livestream unter www.sportdeutschland.tv zu sehen sein.

Dass sich Absteiger aus der 1. Bundesliga erst wieder an das raue Klima im Unterhaus gewöhnen müssen, das kennen die Schwaben aus eigener Erfahrung. Nach ihren beiden einjährigen Gastspielen in der Beletage des deutschen Handballs geriet 2015 und 2019 eine Etage tiefer jedes Mal zunächst gewaltig Sand ins handballerische Getriebe. Andere Qualitäten sind plötzlich gefragt, aus dem Jäger wird ein Gejagter, die Erwartungshaltung ist in jedem Spiel auf Sieg gestellt und in der Rolle des Underdogs sind nur noch die gegnerischen Teams. Nach beiden Abstiegen benötigten die Bietigheimer Handballer jeweils nahezu eine halbe Spielzeit, um wieder richtig eingenordet zu sein.

Vor solch einer Phase scheint auch der HSC Coburg nicht gefeit zu sein. Mit 6:12 Punkten finden sich die Oberfranken nach neun Spielen aktuell auf dem 14. Rang der Tabelle wieder. Für Trainer Alois Mráz war schon nach sechs Spielen Schluss. Der HSC trennte sich von dem Tschechen, dem nach dem Erstligaaufstieg vor einem Jahr die Verantwortung auf der Trainerbank übertragen worden war. Wenige Tage später wurde Brian Ankersen als neuer Mann in Coburg präsentiert – eine kleine Überraschung. Die Referenz des 33-jährigen Dänen: Er hatte in der vergangenen Saison in Bietigheim in einer schwierigen Phase drei Monate vor Saisonschluss das Zepter vom Isländer Hannes Jón Jónsson übernommen und die Mannschaft am Ende auf Platz acht geführt.

Jetzt soll Ankersen die Oberfranken wieder auf Kurs bringen. Der Däne feierte im Heimspiel gegen EHV Aue (32:23) den ersten Sieg mit seinem neuen Team. Die klare 33:26-Niederlage bei Mitabsteiger Eulen Ludwigshafen am Mittwoch zeigt jedoch, dass die Aufgabe für den talentierten Jungtrainer keine einfache werden wird. Jetzt rückt die Partie gegen seinen Ex-Verein ins Rampenlicht.

Neben Ankersen haben zwei der Torsteher am Sonntag eine Vergangenheit mit dem jeweils anderen Verein. Zur aktuellen Saison wechselte Konstantin Poltrum von den Oberfranken nach Bietigheim. Der 27-Jährige hatte in Coburg in der 1. Liga mit guten Leistungen auf sich aufmerksam gemacht und soll jetzt bei der SG BBM für zusätzliche Stabilität in der Hintermannschaft sorgen. Noch aber unterliegen die Leistungen der kompletten Bietigheimer Defensivabteilung starken Schwankungen. Das Coburger Gehäuse hütet Jan Kulhánek, der von 2013 an zwei Spielzeiten das Tor der Schwaben sauber hielt, bevor er zu den Oberfranken wechselte. Der Tscheche hat mit seinen 40 Lenzen immer noch das Zeug zu einem Top-Keeper in der 2. HBL.

Nicht ganz unerwartet steht Florian Billek (33) mit 48/10 Treffern an der Spitze der Coburger Torschützenliste. Der Rechtsaußen war einer der Top-Torschützen in der letzten Bundesligasaison, er erzielte für die Oberfranken 204/46 Saisontore. Auf der rechten Rückraumposition musste sich Coburg nach dem Abstieg komplett neu aufstellen. Merlin Fuß und Dieudonne Mumbenzem kommen beide vom Liga-Konkurrenten TV Hüttenberg.

Stabilität ist auch für die Bietigheimer Handballer und ihren neuen Trainer Iker Romero vor dem Spiel am Sonntag der wichtigste Punkt auf der Agenda. Schwankende Leistungen spiegeln sich in den jüngsten Ergebnissen wider, Siege und Niederlagen lösten sich in schöner Regelmäßigkeit ab. Zuletzt stellten die Schwaben ihr Potential beim 35:28- Heimerfolg über den TV Hüttenberg eindrucksvoll unter Beweis. Zwei Siege in Folge jedoch, das wäre eine Saisonpremiere für die Mannschaft um Kapitän Paco Barthe.

An der nötigen Motivation dürfte es indes nicht mangeln. Die Länderspielpause verschaffte der SG BBM zwei spielfreie Wochen, die zunächst zur Regeneration, dann aber intensiv zur Vorbereitung auf die Partie in Coburg genutzt wurden. Rechtsaußen Mario Urban rückt nach auskuriertem Nasenbruch erstmals in dieser Saison in die Aufstellung. Und Dominik Claus, der zuletzt krankheitsbedingt pausieren musste, wird wieder in den rechten Rückraum zurückkehren. Auch für den 25-jährigen Linkshänder hat die Partie gegen den Ex-Trainer ihren besonderen Reiz: „Wir freuen uns alle nach der Pause auf das Spiel und auf das Wiedersehen mit Brian. Wir wollen die Punkte in Coburg mitnehmen, das ist wie in jedem Spiel unser Anspruch.“