von Bernhard Gaus

Bietigheim-Bissingen.| Saisonfinale unterm Viadukt. Am Samstag spielt die 2. Handball-Bundesliga zeitgleich ihren letzten Spieltag der Saison 2020/21, die SG BBM Bietigheim kann in ihrem Heimspiel dem HSV Hamburg zur Meisterschaft gratulieren. 250 Zuschauer werden ab 18 Uhr das Spiel in der Viadukthalle verfolgen, für alle anderen gibt es den kostenfreien Livestream unter www.sportdeutschland.tv in der gewohnten Qualität.

Der HSVH hat mit dem 32:28-Erfolg im Nachholspiel am Dienstag gegen den ASV Hamm-Westfalen nicht nur vorzeitig den Aufstieg unter Dach und Fach gebracht, sondern auch die Meisterschaft. Der TuS N-Lübbecke kann am 38. Spieltag im besten Fall nach Punkten zwar zu den Hanseaten aufschließen, hat jedoch den in diesem Fall relevanten direkten Vergleich verloren. Den zweiten Aufstiegsplatz machen Nettelstedt und Gummersbach im Fernduell unter sich aus. Holt Nettelstedt gegen den TuS Ferndorf einen Punkt, dann bleibt Gummersbach selbst bei einem Sieg beim TV Großwallstadt nur der undankbare dritte Platz. Genauso fällt im Fernduell zwischen Emsdetten (beim VfL Lübeck-Schwartau) und Konstanz (gegen Rimpar) die Entscheidung über den dritten Absteiger.

Akku leer?
Am 8. Tabellenplatz der SG BBM wird dagegen unabhängig vom Ausgang der Finalpartie nicht mehr gerüttelt werden. Bietigheim und Hamburg können am Samstag also ohne jeden Druck guten Handball zeigen. Ein Prestigeerfolg über den frisch gebackenen Meister könnte für die Schwaben dennoch wertvoll sein. Mit einem Erfolgserlebnis in die Sommerpause zu starten, ist ein nicht zu unterschätzender Faktor, denn der letzte Punktspielauftritt wird erfahrungsgemäß die Stimmung bis weit in die Vorbereitung auf die nächste Saison beeinflussen. Eine entscheidende Frage wird sein, ob die Schwaben ihre Kräfte auf eine letzte Aufgabe konzentrieren können. Bei der jüngsten 24:33- Niederlage beim HC Elbflorenz Dresden reichte der Akku noch 20 Minuten, in denen die SG BBM bei Stand von 9:9 das Spiel offenhalten konnte. Danach sorgte Dresden mit dem Zwischenspurt zum 15:9 für die Vorentscheidung, bei Bietigheim klappte in dieser knappen Viertelstunde nichts mehr – der Stecker war gezogen.

Die SG BBM geht in den für die Endabrechnung bedeutungslosen Partien vernünftigerweise kein Risiko mehr. Neben dem langzeitverletzten Patrick Rentschler fehlten in Dresden auch die angeschlagenen Nick Lehmann, Dominik Claus und Martin Marcec. Mehr Einsatzzeiten gab es da zwangsläufig für Tim Dahlhaus im rechten Rückraum oder für Kapitän Jan Asmuth auf der linken Außenbahn. Der eine oder andere Spieler wird das Saisonfinale und die Auszeit bis Mitte Juli herbeisehnen, nicht jedoch ohne sich vor eigenem Publikum mit einem ordentlichen Spiel zu verabschieden. Die 250 Eintrittskarten, die laut der aktuellen Corona-Verordnung vergeben werden dürfen, gehen wie zuletzt an Sponsoren und Dauerkarteninhaber. Schon Anfang dieser Woche meldet die SG BBM „ausverkauft“. Nach dem Schlusspfiff werden am Samstag neben Interimstrainer Brian Ankersen auch Aron Edvardsson und Martin Marcec aus dem Team verabschiedet werden.

Déjà-vu
Bei der Konstellation am Samstag in der Viadukthalle wird sich der eine oder andere vielleicht noch an den 25. Mai 2014 erinnern. Eine Woche zuvor feierte die SG BBM mit dem ersten Aufstieg in die 1. Liga den bis dato größten Erfolg ihrer Vereinsgeschichte. Die bedeutungslose Partie am letzten Spieltag beim TV Bittenfeld ging mit 23:31 Toren verloren – wer konnte es den Aufstiegshelden verdenken.

Jetzt steht die Mannschaft von HSVH-Erfolgstrainer Torsten Jansen vor derselben Situation. Der 44-jährige Weltmeister von 2007 wurde zum Zweitliga-Trainer des Jahres gewählt. Er führte die Hansestädter nach dem insolvenzbedingten Absturz 2016 in viereinhalb Spielzeiten unter seiner Regie aus der 3. Liga zurück in die Beletage des deutschen Handballs. Und nun steht zum Abschluss eine der längsten Auswärtsfahrten der Saison auf der Agenda. Man darf gespannt sein, ob der HSVH seine meisterliche Spannung noch aufrecht halten kann.