von Bernhard Gaus

Bietigheim-Bissingen.| Nichts wurde es aus dem erhofften Sieg der SG BBM bei der Rückkehr der Zuschauer in die Viadukthalle nach langer Corona-bedingter Abstinenz. Bietigheim verlor nach einer 18:16-Pausenführung im zweiten Abschnitt den Faden und unterlag dem ThSV Eisenach mit 32:35 Toren. Der Erfolg der Wartburgstädter war aufgrund einer höheren Wurfeffektivität verdient.

„Der Grund für die Niederlage liegt ganz eindeutig in der Abwehr“, sagte Brian Ankersen. „Uns hat die Aggressivität gefehlt.“ Doch so ganz konnte sich der Interimscoach der Bietigheimer Handballer kurz nach dem Schlusspfiff noch keinen Reim darauf machen, warum das Spiel in der Schlussphase kippte. „Wir haben 40 Minuten lang dominiert und hätten schon zur Halbzeit mit 4 bis 5 Toren führen müssen.“

Erstmals seit Oktober letzten Jahres durfte die SG BBM wieder vor eigenen Fans spielen, 250 Zuschauer waren am Samstag zugelassen. Da rückte auch beim 32-jährigen Dänen die Enttäuschung über die vermeidbare Niederlage einen kleinen Moment lang in den Hintergrund. „Wir hatten eine bombastische Stimmung in der Viadukthalle. Vor Zuschauern zu spielen war fantastisch“, sagte Ankersen.

Und anfangs beflügelte das die Schwaben. Nach einem furiosen Auftakt lag die SG BBM bereits nach 20 Minuten mit 14:9 Toren vorne. Doch Eisenach ließ sich nicht abschütteln. Markus Murfuni sah sich in seinem Matchplan bestätigt. „Wir wollten versuchen, das Spiel im Angriff zu verschleppen und uns hundertprozentige Chancen erspielen, die wir wiederum auch genutzt haben – besonders in der 2. Halbzeit“, sagte der ThSV-Coach. „Am Ende haben wir den Sieg auch ein bisschen mehr gewollt“, sieht Murfuni seine Mannschaft nach dem dritten Sieg in Folge in einem Lauf, der gerne noch bis zum nahen Saisonende anhalten darf. Die erfolgreichsten Werfer hatten die Gäste mit Daniel Hideg (8) und Alexander Saul (7) im Rückraum. Bei der SG BBM trafen Christian Schäfer (9/6), Jonas Link (8) und Jonathan Fischer (6) am häufigsten.

Vielleicht hatte sich die SG BBM ein wenig zu sehr auf ein Offensivspektakel konzentriert und darüber die Abwehr vergessen. Bietigheim glänzte mit Anspielen auf den abschlusssicheren Jonathan Fischer am Kreis, Jonas Link und Juan de la Pena trafen und Christian Schäfer versenkte seine Siebenmeterchancen. Beim 14:9 roch alles nach einem Torefestival. Doch so sollte es nicht weitergehen. Während Bietigheims Effektivität nicht auf dem anfänglich hohen Niveau blieb, punktete Eisenach mit sicheren Abschlüssen und rückte wieder näher.

In der 42. Minute hatte die SG BBM ihre Halbzeitführung beim Stand von 24:21 behauptet. Nur drei Minuten später konnten die Thüringer Handballer durch den starken Peter Walz am Kreis zum 24:24 ausgleichen. Sekunden später drehte Daniel Hideg mit der ersten Führung der Gäste, die fortan den Takt angaben, das Spiel. Jonas Link konnte mit seinem achten Torerfolg acht Minuten vor dem Ende noch einmal zum 28:28 gleichstellen. Doch insgesamt glückten den Hausherren in der Schlussphase in der Abwehr zu wenige Ballgewinne, Eisenach nutzte seinen Wurfchancen konzentriert, allen voran Peter Walz mit vier Toren in den letzten 8 Minuten.

Nils Boschen, der nach überstandenem Muskelfaserriss ins Team der SG BBM zurückkehrte, brachte es auf den Punkt: „35 Gegentore daheim, da hat es auf jeden Fall in der Abwehr nicht gestimmt.“

SG BBM Bietigheim: Edvardsson, Reich; Schäfer (9/6), Link (8), Fischer (6), de la Peña (4), Claus (2), Marčec (1), Barthe (1), Asmuth (1), Vlahovic, Dahlhaus, Öhler, Boschen, L. Urban, M. Urban.

ThSV Eisenach: Voncina, Eichberger, Fehr; Hideg (8), Saul (7), Walz (5), Tokic (4), Wöhler (3/3), Snajder (3), Potisk (2), Iffert (1), Schneibel (1), Weyhrauch (1), Volar, Dicker, Obranovic.

Spielverlauf: 9:4 (8.), 10:7 (14.), 14:9 (19.), 15:13 (23.), 18:16 (30.), 21:20 (37.), 24:21 (42.), 24:25 (46.), 26:28 (51.), 28:28 (52.), 29:32 (57.), 32:35 (60.).
Zeitstrafen: Fischer (53.) – Walz (10.), Iffert (25.), Weyhrauch (26.), Wöhler (39.)
Siebenmeter: 6/6 – 3/4
Schiedsrichter: Sophia Janz / Rosana Sug (EHF-Young Referee Project)
Zuschauer: 250 (Sporthalle am Viadukt, Bietigheim)