von Bernhard Gaus

Bietigheim-Bissingen.| Die Erfolgsserie der SG BBM Bietigheim hat am Freitag jäh ein vorläufiges Ende gefunden. Der HC Elbflorenz Dresden entführt nach einem von Nils Kretschmer in letzter Sekunde verwandelten Siebenmeter beide Punkte aus der Halle am Viadukt. Die Schwaben hadern nach der 28:29(14:17)-Niederlage vor allem mit ihrer Leistung bis zur 40. Spielminute.

Mit 16:22 hatte Bietigheim da schon zurückgelegen, drehte dann das Spiel und war nach dem Treffer von Tim Dahlhaus zur 28:26-Führung schon auf der Zielgeraden. Doch Elbflorenz kam noch einmal zurück. „Nachdem uns im letzten Spiel in Hamburg nur eine Sekunde zum Punktgewinn gefehlt hatte, war der Sieg für uns als Team wichtig“, freute sich Elbflorenz-Trainer Rico Göde.

„Wir hatten heute zu lange Phasen im Spiel, in denen vorne und hinten die Aggressivität gefehlt hat“, musste Hannes Jón Jónsson eingestehen. „Mit sechs Toren Rückstand hat die Mannschaft dann aber Charakter und auch Qualität gezeigt. Zum Schluss waren ein paar unglückliche Szenen drin“, so der Trainer der SG BBM. In den letzten vier Spielminuten brachten die Hausherren, die eigentlich am Drücker waren, den Ball nicht mehr im Tor unter. Zudem musste mit Top-Torschütze Christian Schäfer der routinierteste Spieler der SG BBM ausgerechnet in der Crunchtime nach einem Zusammenprall raus. Für Diskussionsstoff sorgte auch der letzte Siebenmeterpfiff der Unparteiischen Hellbusch/Jansen, den Elbflorenz zum Siegtreffer nutzte. „Mir hat da heute die Linie gefehlt“; gab sich Jónsson schmallippig.

Nach der schnellen Bietigheimer 4:1-Führung kam Elbflorenz mit Macht in die Partie, traf von allen Rückraumpositionen nach Belieben und führte beim 8:12 schon deutlich. Und hätte nicht Jonas Link, der ein starkes Spiel machte, kurz vor der Pause zwei Bälle versenkt, der Rückstand der SG BBM wäre noch deutlicher ausgefallen als das 14:17 zum Seitenwechsel. „Wir müssen in der Abwehrmitte kompakter sein“, hatte Juan de la Peña in der Halbzeitpause erkannt. Der spanische Spielmacher fehlte weiterhin nach seinem Nasenbruch. Vielleicht hatte die SG BBM auch den nach überstandener Verletzung zurückgekehrten HC-Spielmacher Ivar Stavast nicht ganz auf der Rechnung. Der Niederländer machte insgesamt fünf Tore, soviel wie bislang in der gesamten Saison.

Auch zu Beginn des zweiten Abschnitts schien Bietigheim zunächst kein Rezept gegen die mit großer Sicherheit vorgetragenen Dresdener Angriffe zu finden. Elbflorenz baute seine Führung auf 16:22 aus. „Ich bin vor allem stolz auf die Mannschaft, wie sie dann zurückgekommen ist“, sagte Jónsson zur anschließenden Spielwendung. Zwei, drei Balleroberungen in der Abwehr ließen Bietigheims Handballer wieder an ihre Chance glauben und Elbflorenz sah sich von einer Sekunde zur anderen mächtig unter Druck gesetzt. Erst der Treffer des starken Sebastian Greß zum 21:23 beendet einen siebenminütige Torflaute bei den Gästen und verhinderte den Ausgleich. Den besorgte kurze Zeit später Jonas Link zum 25:25 in seiner unnachahmlichen Art. Hellwach war Sekunden später auch Christian Schäfer, der nach einem Steal beim Wurfversuch aufs leere Gästetor behindert wurde und den fälligen Siebenmeter selbst zur 26:25-Führung verwandelte. Dass Bietigheim Spiel und Punkte nach der 28:26-Führung noch hergibt, das müssen die Jónsson-Schützlinge jetzt möglichst schnell verdauen. Am Mittwoch bereits geht es zu Tabellenführer HSV Hamburg.

SG BBM Bietigheim: Edvardsson, Lehmann; Link (7), Schäfer (6/3), Dahlhaus (4), Barthe (3), Rentschler (3), Asmuth (2), Vlahovic (1), Öhler (1), Claus (1), Fischer, M. Urban, Boschen, Marčec, L. Urban.

HC Elbflorenz Dresden: Huhnstock, Mohs, Noack; Greß (7), Stavast (5), Dumcius (5), Kretschmer (4/2), Jungemann (3), Wucherpfennig (3/1), Vanco (2), Emanuel, Dierberg, Buschmann, Quade, Kasal, Thümmler.

Spielverlauf: 4:1 (4.), 5:8 (15.), 9:13 (23.), 12:16 (27.), 14:17 (30.), 16:22 (40.), 21:22 (47.), 22:25 (49.), 26:25 (54.), 28:26 (57.), 28:29 (60.).

Zeitstrafen: Link (14.), Öhler (27.), Barthe (37.) – Kretschmer (4., 53.), Kasal (24.), Emanuel (43.), Stavast (54.)

Siebenmeter: 3/3 – 3/4

Schiedsrichter: Lucas Hellbusch / Darnel Jansen (EHF Young Referee Project)

Zuschauer: 0 (Sporthalle am Viadukt, Bietigheim)