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NABU-Landeschef Enssle: „Förster müssen als Klimabotschafter aktiv werden“

Durch den Klimawandel ändern sich die Rahmenbedingungen für unsere Wälder rasant. Sie können sich jedoch nur sehr langsam an den Klimawandel anpassen. Gleichzeitig steigen die gesellschaftlichen Erwartungen an den Wald und an die Forstwirtschaft: „Das Multitalent Wald soll Holz liefern, Wasser filtern, Kohlenstoff binden, Tiere und Pflanzen schützen und gleichzeitig noch Arbeitsplatz sowie ein Ort der Erholung und geistigen Inspiration für uns gestresste Menschen sein“, sagt NABU-Landeschef Johannes Enssle anlässlich der heutigen Vorstellung der Waldstrategie 2050 durch Ministerpräsident Winfried Kretschmann und Forstminister Peter Hauk in Freiburg.

Es sei daher gut, dass sich die neu gegründete Landesforstverwaltung in einem intensiven Strategieprozess Gedanken darüber mache, wie sich die vielfältigen Ansprüche an die Wälder im Land sinnvoll unter einen Hut bringen lassen. Der NABU wird diesen Prozess auch weiterhin intensiv begleiten.

Große Sorge machen dem NABU-Landeschef die schnellen Klimaveränderungen: „Die Wälder sind die Ökosysteme, an denen wir am schnellsten und eindrücklichsten sehen können, wie dramatisch die Auswirkungen des Klimawandels sind.“ Die Dürre- und Hitzewellen der letzten beiden Jahre seien dabei erst die Vorboten einer noch viel dramatischeren Entwicklung gewesen, die noch bevorstehe. „Wenn es uns nicht gelingt, die Klimakrise abzuwenden, werden wir unsere Wälder in wenigen Jahren nicht wiedererkennen. Die Vorstellung mancher Forstleute, der deutsche Wald könne durch vermehrte Holznutzung das Klima retten, ist völlig realitätsfern. Vielmehr wird der Wald eines der ersten Opfer der Klimakrise sein. Wenn Wälder absterben oder gar brennen, verwandeln sie sich von einer CO2-Senke zu einer CO2-Quelle und werden damit selbst zu einem Treiber des Klimawandels.“

Der NABU appelliert daher an alle Försterinnen und Förster sowie an die rund 260.000 Waldeigentümerinnen und -eigentümer in Baden-Württemberg, sich nicht nur um den eigenen Wald zu kümmern, sondern auch gesellschaftlich noch sichtbarer zu werden. „Försterinnen und Förster müssen sich öffentlichkeitswirksam als Klimabotschafterinnen und -botschafter für den Erhalt unserer Wälder und für mehr Klimaschutz stark machen“, ruft Enssle auf. Diese gesellschaftspolitische Rolle der Forstwirtschaft als Mahner und Warner fehle im aktuellen Entwurf der Waldstrategie 2050 des Landes derzeit noch komplett.