Foto: SG BBM

von Bernhard Gaus

Bietigheim-Bissingen.| Als einziges Team der 2. Liga sind die Handballer der SG BBM Bietigheim nach fünf Spielen in der Rückrunde noch verlustpunktfrei. Am Sonntag (17 Uhr) wird diese Serie in der EgeTrans Arena vom VfL Lübeck-Schwartau getestet.

„Das wird wohl nix mehr werden mit dem Torverhältnis“, gibt Jonas Link mit einem leicht gequälten Lächeln zur Antwort, als der mit 99 Saisontoren zweitbeste Bietigheimer Werfer nach dem knappen Sieg des frisch gebackenen Tabellendritten beim ThSV Eisenach auf die Torbilanz des Bundesliga-Absteigers angesprochen wird. Die nämlich ist mit deutlichem Abstand die schlechteste unter den ersten sechs Teams an der Spitze der 2. HBL. Beim derzeitigen Tabellenbild – den Zweitplatzierten TUSEM Essen und N-Lübbecke auf 6 trennen gerade einmal zwei Punkte – könnte das Torverhältnis ganz am Ende im Kampf um die beiden Aufstiegsplätze eine Rolle spielen. Mit engen Saisonfinals haben die Schwaben ja so ihre (schlechten) Erfahrungen. Ein Tor, ein Punkt mehr im letzten Spiel der Vorsaison gegen den VfL Gummersbach und die Mannschaft von Hannes Jón Jónsson wäre noch drin in der Eliteliga.

Die Handballer der SG BBM mögen’s eben gerne spannend – wie beim jüngsten 23:26-Erfolg bei Aufsteiger Eisenach. Erst in den Schlussminuten machte die Mannschaft um ihren Spielmacher Michael „Mimi“ Kraus alles klar, nicht ohne auch in der hektischen Endphase den Überblick zu behalten. Die elf Siege aus den letzten 12 Spielen sorgen für felsenfestes Vertrauen in das eigene Leistungsvermögen.

Doch das Ganze hat auch etwas Positives: Die Heimpartien an Metter und Enz bleiben stets spannend fürs Publikum. Vieles deutet deshalb darauf hin, dass die SG BBM am Sonntag auch gegen den 13. der Tabelle keinen Kantersieg einfahren wird, dafür aber gewillt ist, grundsolide Arbeit abzuliefern. Der VfL Lübeck-Schwartau hat sich mit dem jüngsten 20:17-Heimerfolg über die HSG Konstanz zunächst einmal Luft verschafft im Abstiegskampf. Dass die Ostsee-Handballer nach zwei Dritteln der Saison im unteren Tabellendrittel feststecken würden, darauf hat zu Saisonbeginn jedoch noch nichts hingedeutet. Nach dem 27:22-Erfolg über Bietigheim war der letztjährige Fünfte Ende September noch in der Spur. Das war, bevor die Verletztenmisere zugeschlagen hat an der Trave.

„Was für eine Seuchen-Saison“
Zwischenzeitlich drohten VfL-Trainer Piotr Przybecki vor allem die Rückraumspieler auszugehen. Zuletzt fehlten derer vier, dazu kam ein angeschlagener Routinier Jan Schult im linken Rückraum. Die Nachverpflichtung des 23-jährigen Przemyslaw Mrozowicz vom polnischen Erstligisten Lubin für den linken Rückraum löst da noch nicht alle Probleme. So wird die Defensive um Torsteher Dennis Klockmann, der in der laufenden Saison einmal mehr mit herausragenden Statistikwerten glänzt, umso wichtiger bei den Hansestädtern.

Edvardsson-Premiere in der EgeTrans Arena
Auch bei der SG BBM Bietigheim werden die Torsteher am Sonntag im Mittelpunkt stehen. Aron Rafn Edvardsson feiert in der EgeTrans Arena die Rückkehr an seine alte Wirkungsstätte. „Es freut mich natürlich für ihn, dass er einen so guten Einstand gezeigt hat“, lobt Teamkollege Dominik Claus die Leistung des Isländers in Eisenach. Da auch der von der SG nach Hamburg gewechselte Jonas Maier in seinem ersten Spiel für den HSV eine starke Leistung bot, könnte sich die viel beschworene Win-Win-Situation für alle Beteiligten dieses Blitz-Torhütertausches zwischen Hamburg und Bietigheim tatsächlich erfüllen.

Das alles sind Blickwinkel, über die Bietigheims Trainer vor der Partie am Sonntag gegen den VfL Lübeck-Schwartau keine Gedanken verlieren will. Seine Konzentration gilt alleine der kommenden Aufgabe, für die er seinem Team die Sinne schärfen will. Hannes Jón Jónsson hat die Trainingswoche wohl temperiert, damit alle Akteure in bestem körperlichem Zustand und fokussiert an den Start gehen können. Jede Aufgabe in einer „verrückten“ Liga fordere den vollen Einsatz, das ist das Mantra der aktuellen Erfolgsserie. Seine Spieler scheinen das verinnerlicht zu haben. In einem engagiert geführten Spiel in Eisenach scheuten sich die Jungs jedenfalls nicht davor, dorthin zu gehen, wo es wehtat. Zudem dürfte der Stachel der klaren Hinspielniederlage in Lübeck noch tief sitzen.