Foto: SG BBM

von Bernhard Gaus

Eisenach.| Mit einem hart erkämpften 23:26 (8:13)-Auswärtserfolg bei Aufsteiger ThSV Eisenach schiebt sich die SG BBM Bietigheim auf den dritten Tabellenplatz nach vorne. Es war bereits der achte Auswärtserfolg für die Schwaben. Eisenach zehrt auf Rang 10 nach der siebten Niederlage im achten Spiel weiter von seinem guten Saisonauftakt.

„Dort, wo wir kämpfen, sind die zwei Punkte Gold wert“, freute sich SG BBM-Trainer Hannes Jón Jónsson. „Ich bin deshalb in erster Linie glücklich über den Erfolg heute.“ Durch die Punktverluste der drei führenden Teams ist Bietigheim erstmals in dieser Saison auf den dritten Rang vorgerückt und jetzt punktgleich mit TUSEM Essen auf dem Aufstiegsplatz. „Wir sind am Ende selbst Schuld an der Niederlage, wir hatten die Möglichkeit zum Unentschieden“, sagte Sead Hasanefendic, der seine Analyse jedoch auch mit einer heftigen Kritik am Schiedsrichtergespann verband.

Von einer solchen Premiere träumt man als Torsteher wohl. Aaron Edvardsson, mit einem Blitztransfer kurz vor dem Ende der Wechselfrist vom HSV Hamburg zurück an Metter und Enz geholt, parierte gleich im ersten Angriff zwei Bälle, darunter ein Siebenmeter von Adrian Wöhler. Der Isländer feierte nach seiner Rückkehr mit seinem neuen Team gleich einen verdienten Erfolg, an dem er einen gehörigen Anteil hatte.

Hasanefendic nahm beim Stand von 5:7 seine erste Auszeit. Die Trainer-Ikone hatte da wohl gesehen, dass Bietigheim nach einer Viertelstunde seine Stabilität gefunden hatte. Zwanzig lange Minuten sollte den Gastgebern gegen eine sattelfeste Bietigheimer Hintermannschaft nur ein Torerfolg gelingen. An der engagierten Defensivarbeit hatte Jónsson sicher seine Freude. Alleine eine hohe Anzahl an technischen Fehlern verhinderte eine höhere Führung als das 8:13 zur Pause für die souverän aufspielenden Schwaben, die im Torabschluss effektiver waren. Michael „Mimi“ Kraus setzte mit seinen ansatzlosen Schlagwürfen einige Akzente.

Die Stimmung änderte sich nach dem Wechsel jedoch schnell. „Ich weiß selbst, wie schwer es in dieser Halle für jeden Gegner wird, wenn das Spiel knapp wird“, bemerkte Jónsson, der selbst drei Jahre unter der Wartburg gespielt hatte. Schneller als dem Coach der SG BBM lieb war, rückte Eisenach, das mit viel Dampf aus der Kabine gekommen war, wieder heran. In der 39: Minute war beim 14:15 der Anschluss geschafft. „Wir wussten, dass wir bereit sein mussten, diesen Kampf anzunehmen“, so Jónsson. Insbesondere gegen den in die Spielmacherrolle gerückten Jonas Ulshöfer fand die Defensive der Gäste lange Minuten keine probaten Mittel. Schließlich stellte Jónsson den Eisenacher unter Manndeckung.

Nach dem Anschluss konnte die SG BBM zunächst den Pausenabstand beim 16:21 wieder herstellen, weil die Gäste ihr Überzahlspiel clever ausnutzen und ihre Torflaute beenden konnten. „Wir sind mit unserem Positionsspiel nicht mehr so durchgekommen wie vor der Pause, mussten zudem einige Treffer im Tempospiel hinnehmen“, stellte Dominik Claus fest, der sich mit Tim Dahlhaus wie zuletzt auf der rechten Halbposition abwechselte und eine solide Partie ablieferte. Und noch einmal sollte es in einer hektischen Schlussphase knapp werden. In der letzten Auszeit der SG BBM gut zwei Minuten vor den Ende war bei Stand von 22:24 klar: Vorsprung verwalten geht nicht. Im Gegenzug fiel der Anschlusstreffer. „Ich muss meine Mannschaft loben, wie sie kühlen Kopf behalten und das Spiel dann nach Hause gebracht hat“, freute sich Jónsson.

Es lief am Ende einiges gegen den Aufsteiger, bei dem im zweiten Abschnitt Top-Werfer Alexander Saul durch eine Verletzung gehandikapt war. Letzten Endes stand sich Eisenach zu häufig aber auch selbst im Weg. Früh sah Marko Racic nach einem Foul am durchgebrochenen Jonas Link die Rote Karte. Bezeichnend für zu viel Hektik bei den Gastgebern war auch die Szene in der 44. Minute, als Eisenach nach einer Auszeit beim Stand von 14:15 mit einem Spieler zu viel aufs Feld zurückkam. Cooler blieben die Gäste. Beispielsweise Christian Schäfer, der in der Schlussminute keine Nerven zeigte, sich den Siebenmeter nahm, obwohl er zuvor einmal gescheitert war und gegen die Halle den Treffer zum 23:25 markierte. Sekunden vor dem Ende traf Claus in doppelter Überzahl zum 23:26- Endstand.

ThSV Eisenach: Voncina (1), Noack; Tokic (6), Ulshöfer (4), Kikanovic (3), Saul (3), Wöhler (2/2), Obranovic (2), Snajder (1), Racic (1), Potisk, Miljak, Richardt, A. Alaj, Mürköster, Lumbroso.

SG BBM Bietigheim: Edvardsson; Müller; Schäfer (7/5), Kraus (6), Rentschler (3), Claus (3), Link (2), Fischer (2), Dahlhaus (1), Asmuth (1), Vlahovic (1), Rønningen, Öhler, Boschen, L. Urban, M. Urban.

Spielverlauf: 5:4 (6.), 5:7 (14.), 6:11 (26.), 8:13 (30.), 14:15 (39.), 16:21 (48.), 20.23 (55.), 23:24 (58.), 23:26 (60.).

Zeitstrafen: Dahlhaus (10.), Asmuth (30.), Link (48.) – Saul (9.), Obranovic (34.), Miljak (36.), Kikanovic (39.), Snajder (43., 59.), Voncina (44.)
Rote Karte: Racic (20.), Obranovic (60.)
Siebenmeter: 2/4 – 5/6
Schiedsrichter: Darnel Jansen / Lucas Hellbusch (EHF-Young Referee Project)

Zuschauer: 1938 (Werner-Aßmann-Halle Eisenach)