Landrat Roland Bernhard: „Aufnahme und Integration von geflüchteten Menschen war eine der großen Herausforderungen der letzten Jahre“

Integration gelingt durch das Zusammenwirken verschiedener Akteure 

Kreis Böblingen.| Bei der letzten Sitzung des bisherigen Kreistags am 8. Juli wurde zurückgeblickt auf große Herausforderungen und wichtige Entscheidungen der Legislaturperiode. Um die Aufnahme von Geflüchteten effizient zu organisieren und Integration nachhaltig zu gestalten, entwickelte Landrat Roland Bernhard neue Strukturen im Landratsamt. Das Amt für Migration und Flüchtlinge vereint das Staatsangehörigkeits- und Ausländerwesen mit der vorläufigen Aufnahme von Flüchtlingen und der Integrationsabteilung. Neben den konkreten Angeboten für die Kunden werden auch Leistungen für Externe bereit gestellt, z. B. für Städte und Gemeinden sowie andere Institutionen und Einrichtungen, die mit der Zielgruppe der Menschen mit Migrationshintergrund arbeiten. Gegründet werden konnte das Amt zum 1.4.2015.

Die neuen Strukturen mussten sich umgehend zum Flüchtlingshoch bewähren. Landrat Roland Bernhard erinnert sich: „Die hohe Zahl an geflüchteten Menschen, die im Landkreis Böblingen aufzunehmen und zu integrieren war, stellte die Kreisverwaltung und die Kreisrätinnen und Kreisräte vor eine große Herausforderung. Wir haben dies gemeinsam gemeistert. Ich danke den Kreisrätinnen und Kreisräten, den Verwaltungsmitarbeitenden insbesondere aus den Ämtern für Gebäudewirtschaft, Migration und Flüchtlinge, dem Jugendamt sowie dem Jobcenter, den Beruflichen Schulen in Trägerschaft des Landkreises, den Regelschulen und Kitas der Städte und Gemeinden sowie den vielen Ehrenamtlichen herzlich für die engagierte Arbeit. Durch Ihre herausragenden Leistungen war es möglich, diese Herausforderung zu stemmen“.

2015 und 2016 wurden rund 5.000 Personen aufgenommen. Die Kapazitäten der Flüchtlingsaufnahme mussten innerhalb kürzester Zeit ausgebaut werden, von 879 (1.1.2015) auf fast 4.000 Plätze in 2016.

Das Flüchtlingshoch brach ab durch die Schließung der Balkanroute. Entsprechend war der Landkreis zeitversetzt nach Ablauf der vorläufigen Unterbringung der aufgenommenen Geflüchteten auch zu einem rasanten Abbau gezwungen. Dies ist ebenfalls erfolgreich verlaufen. Inzwischen konnten die Kapazitäten wieder heruntergefahren werden auf aktuell 730 Plätze, die zu 80% belegt sind. Insbesondere beim Abbau gehört der Landkreis zu den Spitzenreitern in Baden-Württemberg. Landrat Roland Bernhard erklärte bei der letzten Kreistagssitzung am 8. Juli dazu: „Wir sind bei der Abbauplanung auf einem sehr guten Weg. Laufend werden die Kapazitäten an den Bedarf angepasst. In diesen Prozess waren Sie, liebe Kreisrätinnen und Kreisräte, erfolgreich mit eingebunden“.

Landrat Roland Bernhard ist erfreut: „Die Integrationsarbeit im Landkreis Böblingen läuft auf Hochtouren. Die Integration gelingt durch das Zusammenwirken verschiedener Akteure“.

Die berufliche Integration hat das Jobcenter Landkreis Böblingen maßgeblich vorangetrieben. Insgesamt haben zwischen Januar 2016 und Dezember 2018  ca.  3.450 geflüchtete Menschen einen Antrag auf Arbeitslosengeld II bei den vier Regionalen Jobcentern im Landkreis Böblingen gestellt. Aufgrund der Sprachproblematik sowie der Tatsache, dass viele geflüchtete Menschen weder einen Schulabschluss noch Berufsabschluss besitzen, war dies eine große Herausforderung für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Jobcenters. Trotz dieser schwierigen Ausgangssituation ist es dem Jobcenter gelungen bis Ende 2018 insgesamt schon 1.304 geflüchtete Menschen in eine versicherungspflichtige Arbeit oder Ausbildung zu vermitteln. Bei vielen geflüchteten Menschen ist es allerdings noch ein längerer Prozess, bis eine nachhaltige berufliche Integration gelingt.

Beim Integrationsprozess von jungen Geflüchteten haben das Jugendamt und die Beruflichen Schulen im Landkreis Böblingen Großes geleistet.

Seit dem Sommer 2015 musste das Jugendamt weit über 400 UMA (unbegleitete minderjährige Ausländer) unterbringen, altersgerecht betreuen und fördern. Neben den Schwierigkeiten und Krisen, die die Pubertät mit sich bringen, mussten und müssen die jungen Menschen die Trennung von ihren Familien, eine schwierige Fluchtgeschichte und eine völlig neue Lebenssituation bewerkstelligen. Auf diesen Weg gab und gibt es Erfolge und Rückschläge.

Zusammen mit den Trägern der Jugendhilfe, Gastfamilien und engagierten Mitarbeitern aus einem eigens aufgebauten UMA-Team des Sozialen Dienstes, den Amtsvormündern und der Wirtschaftlichen Jugendhilfe ist es gelungen, die jungen Menschen qualitativ gut zu versorgen, sie in ihrer Integration in das neue Leben zu unterstützen und ihnen einen Schulbesuch zu ermöglichen. Inzwischen konnte mehr als die Hälfte der betreuten Jugendlichen UMA einen Schulabschluss ablegen und/oder eine Ausbildung beginnen.

In kurzer Zeit entstanden in den Beruflichen Schulen des Landkreises über die laufenden Schuljahre zusätzliche sogenannte VABO-Klassen („Vorqualifizierungsjahr Arbeit und Beruf ohne Deutschkenntnisse“), in denen die Jugendlichen die deutsche Sprache erlernten und an das Bildungssystem herangeführt wurden. Die damit einhergehenden Anforderungen wurden nicht nur erfüllt, sondern es wurde ein höchstengagierter Einsatz von Lehrkräften, den Abteilungsleitungen und Schulleitungen sowie der Schulsozialarbeit geleistet. Dies umfasste nicht nur die Bereitstellung von Räumen und zusätzlichem Personal, sondern vor allem die soziale Integration, die über den Unterricht hinaus geleistet werden musste. Die Schulsozialarbeit hatte hierbei die persönliche und sehr intensive Betreuung der jungen Menschen übernehmen, die durch Entwurzelung und Fluchterlebnisse geprägt und traumatisiert waren.

Hierzu waren die am Schulleben Beteiligten auch bereit, sich weiter fortzubilden und die pädagogischen Konzepte weiterzuentwickeln. Die ehemaligen VABO-Schüler und Schülerinnen besuchen meist mehrere Jahre ihre Berufliche Schule. Entsprechend kommen ihnen die Ergebnisse aus Fortbildung und Erfahrungen aus der pädagogischen Arbeit auch weiterhin zugute.

Um eine berufliche Perspektive zu entwickeln und einen realistischen Weg in Ausbildung und Beruf zu finden, fand eine enge Zusammenarbeit von verschiedenen Akteuren statt. So wurde institutionsübergreifende Beratung am Übergang von Schule in Ausbildung oder Beruf angeboten, die mit einem enormen zeitlichen und personellen Aufwand verbunden war. Ausgangspunkt dieser Beratungsleistung war die Idee des Runden Tisches „Bildung und Beruf“, welcher das Bildungsbüro mit der Konzeptionierung beauftragt hatte.

Zusätzlich zur Betreuung an den Schulen, leistete das Ehrenamt außerordentliches Engagement und stellte die Verbindung zu Vereinen und zu kommunalen Angeboten her. Landrat Roland Bernhard stellt fest, dass „Aufgrund dieser umfassenden und ganzheitlichen Betreuung ein wesentlicher Beitrag zur Integration von jungen Menschen im Landkreis Böblingen geleistet wird“.

Parallel hat das Amt für Migration und Flüchtlinge eine Integrationsabteilung aufgebaut und arbeitet hier im Netzwerk mit anderen Partnern der Integration. Zudem werden Städte und Gemeinden bei der Umsetzung des Integrationsmanagements unterstützt. 2018 wurde der Integrationsplan für Geflüchtete vorgelegt  Weitere Angebote finden sich in der Beratung zur Deutschförderung und Sprachstandfeststellung durch die Clearingstelle Deutsch und die Fachstelle für interkulturelle Kompetenz. Ein besonderes Augenmerk gilt zudem den Betrieben als wesentliche Orte der Integration. Mit dem laufenden Projekt MiQnet (Migranten in Unternehmen – Qualifizierungsnetzwerk) soll eine branchenübergreifende Vernetzung von Unternehmen im Landkreis Böblingen erreicht werden. Im Zuge steigender Fachkräfteengpässe werden sie bei der Integration von Fachkräften mit Migrationshintergrund unterstützt. Im Landkreis wurden bereits zweimal Unternehmerpreise für Integration vergeben. 2019 wird wieder ein Unternehmpreis ausgelobt werden. Erfolgreich abgeschlossen werden konnte zudem das Projekt „Empowerment für geflüchtete Frauen“ sowie Wertevermittlung für Geflüchtete

2019 wurde unter der Schirmherrschaft von Landrat Roland Bernhard eine Einbürgerungskampagne gestartet mit dem Ziel, dass sich noch mehr Menschen einbürgern lassen Landrat Bernhard erklärt dazu: „Böblingen ist ein vielfältiger und weltoffener Landkreis und Menschen vieler verschiedener Nationalitäten haben hier ihre Heimat gefunden. Mit der Einbürgerung drückt man nicht nur aus: Ich PASS zum Landkreis Böblingen, hier möchte ich bleiben, sondern bekennt sich gleichzeitig zu Deutschland und zu den Grundwerten und der Grundordnung dieses Landes“.