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Haushalt 2027: Landkreis Ludwigsburg hält Kreisumlage stabil

RegionKreis LudwigsburgHaushalt 2027: Landkreis Ludwigsburg hält Kreisumlage stabil

Ludwigsburg.| Landrat Dietmar Allgaier hat den Haushaltsplanentwurf für das Jahr 2027 in den Kreistag eingebracht. Er setzte dabei ein klares Zeichen: Die Kreisumlage bleibt bei 33 Prozent, neue Schulden sind nicht vorgesehen. Möglich wird dies durch das Konsolidierungsprogramm (Re-)Set 2027, mit dem der Landkreis Einsparungen in Höhe von 28,3 Millionen Euro erreicht hat. Damit bleibt die Kreisumlage die niedrigste in der Region Stuttgart und die zweitniedrigste im gesamten Regierungsbezirk Stuttgart.

„Unser Ziel ist es, die Städte und Gemeinden nicht zusätzlich zu belasten und zugleich die finanzielle Handlungsfähigkeit des Landkreises zu sichern“, so Landrat Allgaier. „Wir halten die Kreisumlage stabil und verzichten auf neue Schulden. Das ist angesichts der schwierigen wirtschaftlichen und finanziellen Rahmenbedingungen ein gemeinsamer Kraftakt von Kreistag und Kreisverwaltung.“ Der Entwurf sieht einen Überschuss im Ergebnishaushalt von 1,7 Millionen Euro vor.

Konsequente Konsolidierung als Grundlage

Geopolitische Krisen, die Transformation der Wirtschaft und der Wandel der Arbeitswelt stellen die öffentlichen Haushalte vor große Herausforderungen. Insbesondere die anhaltende Krise der Automobilindustrie und ihrer Zulieferbetriebe im mittleren Neckarraum belastet die wirtschaftliche Entwicklung. Gleichzeitig stehen steigenden Ausgaben vielerorts schwächere kommunale Steuereinnahmen gegenüber.

„Mit (Re-)Set 2027 hat der Landkreis frühzeitig auf diese Entwicklung reagiert. Zwischen März und Juni 2026 wurden 142 Handlungsempfehlungen erarbeitet, die der Kreistag am 17. Juli mit großer Mehrheit beschlossen hat“, erläuterte der Landrat. „Das ursprünglich erforderliche Einsparziel von 24 Millionen Euro haben wir mit einem Konsolidierungsvolumen von 28,3 Millionen Euro brutto deutlich übertroffen.“

Gleichzeitig machte der Landrat deutlich, dass die kommunale Ebene auf eine verlässliche Finanzierung ihrer Aufgaben durch Bund und Land angewiesen ist. Insbesondere bei Sozialleistungen müssen übertragene Aufgaben angemessen finanziert werden. Gefordert sind außerdem ein wirksamer Bürokratieabbau und eine grundlegende Reform des Sozialstaats.

Verwaltung modernisieren und Ressourcen gezielt einsetzen

Mit dem Projekt „Move LRA-LB“ will der Landkreis seine Verwaltungsabläufe systematisch verbessern. Durch ein strukturiertes Prozessmanagement sollen Abläufe transparenter, effizienter und zukunftsfähiger werden. Digitalisierung und Künstliche Intelligenz sollen dort zum Einsatz kommen, wo sie einen konkreten Mehrwert schaffen. Damit sollen vorhandene Ressourcen gezielter eingesetzt und die Leistungsfähigkeit des Landratsamts langfristig gesichert werden.

Kliniken sichern, Versorgung weiterentwickeln

Der Landkreis bekennt sich weiterhin zu seinen Klinikstandorten in Ludwigsburg, Bietigheim-Bissingen und Markgröningen. Die wirtschaftliche Lage bleibt angespannt: Für 2026 werden bei den Kliniken Ludwigsburg-Bietigheim rund 33 Millionen Euro und bei der Orthopädischen Klinik Markgröningen rund 1,5 Millionen Euro Defizit erwartet.

Die strategische Weiterentwicklung der Standorte soll die medizinischen Profile schärfen, die Versorgung langfristig sichern und die wirtschaftliche Tragfähigkeit verbessern. Der Landkreis setzt dabei auf eine abgestimmte Versorgungsstruktur statt auf kurzfristige Sparmaßnahmen. Zugleich fordert er, dass die von Bund und Land beschlossenen Krankenhausreformen verlässlich finanziert werden und nicht zu zusätzlichen Belastungen der kommunalen Träger führen.

ÖPNV zwischen Fortschritten und Herausforderungen

Für den öffentlichen Personennahverkehr plant der Landkreis 2027 einen Nettoressourcenbedarf von 50,9 Millionen Euro (ohne die Zweckverbände und ohne die Schülerbeförderung). Eine geringere Umlage an den Verband Region Stuttgart entlastet den Kreishaushalt um rund 2,2 Millionen Euro. Gleichzeitig steigen die Kosten im Busverkehr voraussichtlich von 21,4 Millionen Euro im Jahr 2026 auf 22,7 Millionen Euro im Jahr 2027. Auch die Finanzierung des Deutschlandtickets bleibt ein Risikofaktor.

Ein positives Signal gibt es bei der Strohgäubahn, die in diesem Jahr ihr 120-jähriges Bestehen feiert. Die Modernisierung der Strecke ist weitgehend abgeschlossen, zudem verbessert die Beteiligung des Landes an den Betriebskosten die Finanzierung.

Einen Rückschlag bedeutet dagegen die Zurückstufung der Bottwartalbahn durch das Land. Eine Förderung für die Reaktivierung ist vorerst nicht vorgesehen. Bei der Stadtbahn LUCIE hat das Land hingegen das Vorhaben priorisiert. Nun kommt es darauf an, bis Ende März 2027 eine gemeinsame Beschlusslage im Kreistag und in den betroffenen Kommunen zu erreichen und vom Land eine klare Förderzusage zu erhalten.

Steigende Sozialausgaben belasten den Haushalt

Mit einem Nettozuschussbedarf von rund 318 Millionen Euro bleibt der Sozialhaushalt ein wesentlicher Ausgabenblock. Davon entfallen 119,5 Millionen Euro auf die Eingliederungshilfe, 87,2 Millionen Euro auf die Jugendhilfe, 45,3 Millionen Euro auf die Sozialhilfe nach SGB XII und 30,9 Millionen Euro auf das Jobcenter.

Besonders stark steigen die Kosten der Eingliederungshilfe, die innerhalb von fünf Jahren um mehr als 60 Prozent zugenommen haben. Der Landkreis kritisiert, dass das Land die durch das Bundesteilhabegesetz (BTHG) bedingten Mehrkosten weiterhin nur verzögert erstattet. Für 2026 fehlen nach aktuellem Stand noch 17,5 Millionen Euro. Der Landkreis erwartet deshalb eine vollständige und verlässliche Erstattung der gesetzlich zugesagten Mehrkosten. Gleichzeitig trägt der Sozialdienst EMiL durch eine verbesserte Bedarfsermittlung dazu bei, Kostensteigerungen zu begrenzen, ohne notwendige Leistungen für die betroffenen Menschen infrage zu stellen.

Investitionen in Sicherheit und Infrastruktur

Trotz des Konsolidierungsdrucks hält der Landkreis wichtige Zukunftsinvestitionen aufrecht. Dazu zählen der Neubau der Integrierten Leitstelle und das geplante Katastrophenschutzzentrum zur Stärkung des Bevölkerungsschutzes. Darüber hinaus sind ab 2027 energetische Sanierungen des Kreishauses und des Schuldorfs am Favoritepark vorgesehen. Für diese Maßnahmen können Mittel aus dem Sondervermögen des Bundes eingesetzt werden.

Gemeinsam Verantwortung übernehmen

„Der Haushaltsentwurf 2027 verbindet finanzielle Disziplin mit dem Anspruch, zentrale Aufgaben und Zukunftsinvestitionen des Landkreises zu sichern. Die stabile Kreisumlage und der Verzicht auf neue Kredite schaffen Verlässlichkeit für die Städte und Gemeinden. Zugleich bleiben eine konsequente Haushaltskonsolidierung und eine angemessene Finanzierung kommunaler Aufgaben durch Bund und Land entscheidend“, so Landrat Allgaier abschließend.


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