Bericht zeigt Fortschritte und Herausforderungen
Stuttgart.| Der aktuelle Fuß- und Radverkehrsbericht zeigt Fortschritte beim Ausbau des Radverkehrs in der Stadt Stuttgart. Neue Infrastruktur, zusätzliche Investitionen und mehr Planungskapazitäten sollen den Anteil des Fahrrads deutlich erhöhen. Gleichzeitig bleiben komplexe Planungen, begrenzte Ressourcen und Abstimmungen große Herausforderungen.
Der Bericht zeigt: Die kontinuierliche Förderung des Radverkehrs zeigt Wirkung. Gleichzeitig bleibt der weitere Ausbau von Infrastruktur, Planungskapazitäten und Finanzierung entscheidend, um die gesetzten Ziele zu erreichen.
Radverkehr als wichtiger Baustein der Mobilitätswende
Die Förderung des Radverkehrs ist seit vielen Jahren ein zentraler Bestandteil der Stuttgarter Verkehrsplanung. Ziel ist es, den Anteil des Fahrrads am Gesamtverkehr deutlich zu erhöhen und gleichzeitig die Lebensqualität in der Stadt zu verbessern. Grundlage dafür sind unter anderem das Verkehrsentwicklungskonzept 2030, der Aktionsplan „Nachhaltig und innovativ mobil“ sowie der Klimamobilitätsplan der Landeshauptstadt.
Der Klimamobilitätsplan verfolgt das Ziel, den Radverkehrsanteil deutlich zu steigern. Im sogenannten Quell-, Ziel- und Binnenverkehr soll der Anteil des Fahrrads langfristig von acht Prozent im Jahr 2017 auf bis zu 25 Prozent steigen. Gleichzeitig sollen mehr Wege auf umweltfreundliche Verkehrsmittel verlagert werden, um die verkehrsbedingten Emissionen zu senken und die Klimaschutzziele der Stadt zu erreichen.
Mehr Infrastruktur und Projekte umgesetzt
In den vergangenen zwei Jahren hat die Stadt zahlreiche Maßnahmen umgesetzt. Im Doppelhaushalt 2024/2025 wurden insgesamt 87 Infrastrukturmaßnahmen für den Radverkehr fertiggestellt – darunter neue Fahrradstraßen, Radfahrstreifen sowie Verbesserungen bestehender Routen.
Ein Schwerpunkt lag auf dem Ausbau des Hauptradroutennetzes und der Verbesserung von Knotenpunkten. Auch kleinere Maßnahmen wie Markierungen oder Anpassungen bestehender Strecken an aktuelle Standards tragen zur besseren Sicherheit und Attraktivität des Radverkehrs bei.
Parallel dazu wächst das Radwegenetz weiter. Zwischen Oktober 2023 und Ende 2025 ist die Gesamtlänge der für den Radverkehr nutzbaren Strecken in Stuttgart auf rund 366 Kilometer gestiegen.
Investitionen und Fördermittel
Für den Ausbau der Radinfrastruktur stellt die Landeshauptstadt Stuttgart weiterhin erhebliche finanzielle Mittel bereit. Im Doppelhaushalt 2024/2025 standen für investive Maßnahmen im Radverkehr knapp 12 Millionen Euro zur Verfügung. Diese Mittel wurden vollständig ausgeschöpft.
Darüber hinaus konnte die Stadt zusätzliche Fördermittel von Bund und Land einwerben. In den Jahren 2024 und 2025 wurden Fördermittel in Höhe von rund 17,3 Millionen Euro für Radverkehrsprojekte beantragt, von denen ein Teil bereits in den Haushalt der Stadt geflossen ist.
Ausbau von Planung und Personal
Auch die personellen Kapazitäten wurden in den vergangenen Jahren erweitert. In verschiedenen Fachämtern arbeiten inzwischen zahlreiche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an der Planung, Koordination und Umsetzung von Radverkehrsprojekten. Gleichzeitig werden Maßnahmen zunehmend komplexer und müssen mit anderen großen Infrastrukturvorhaben abgestimmt werden.
Seit kurzem gibt es mit Jonas Marwein einen Fahrradbotschafter für Stuttgart. Die Stelle soll den Austausch zwischen Verwaltung, Politik, Initiativen und Öffentlichkeit stärken und neue Impulse für neue Projekte geben.
Jonas Marwein: „Als Fahrradbotschafter möchte ich dazu beitragen, dass Radfahren in Stuttgart für alle Altersgruppen sicher ist und Spaß macht. Respekt und ein gutes Miteinander aller Verkehrsteilnehmer sind mir dabei besonders wichtig. Auch wenn wir nicht in Verkehrsschubladen denken – Nachhaltige Mobilität braucht einen starken Radverkehr auf Augenhöhe, damit wir unsere Klimaziele für Stuttgart erreichen.“
Weiterentwicklung des Radverkehrskonzepts
Neben konkreten Infrastrukturmaßnahmen arbeitet die Stadt auch an den strategischen Grundlagen. Das Radverkehrskonzept aus dem Jahr 2009 wird derzeit umfassend fortgeschrieben.
Neben der Analyse der bisherigen Maßnahmen und der bestehenden Infrastruktur werden Themen wie Netzkonzeption, Fahrradparken, Verkehrssicherheit, Serviceangebote sowie Öffentlichkeitsarbeit bearbeitet. Begleitet wird der Prozess mit einer breiten Beteiligung von Verwaltung, Politik, Fachinitiativen und Bürgerschaft.
Zudem entsteht ein neuer Leitfaden für die Planung von Radverkehrsinfrastruktur, der künftig Qualitätsstandards und Musterlösungen definieren soll. Die Fertigstellung ist für Ende 2026 geplant.
Herausforderungen beim Ausbau des Radverkehrs
Der Bericht zeigt zugleich, dass der Ausbau des Radverkehrs weiterhin mit Herausforderungen verbunden ist. Dazu zählen aufwendige Planungs- und Abstimmungsverfahren, die Koordination mit anderen Bauprojekten sowie begrenzte personelle und finanzielle Ressourcen.
Viele Maßnahmen müssen mit größeren Infrastrukturprojekten, wie Brückenbau oder Straßensanierungen abgestimmt werden. Auch Beteiligungs- und Genehmigungsverfahren können Planungszeiten verlängern. Vor dem Hintergrund der angespannten Haushaltslage wird es daher zunehmend wichtig, Projekte zu priorisieren und vorhandene Mittel effizient einzusetzen.
Blick auf die kommenden Jahre
Für die kommenden Jahre setzt die Stadt weiterhin auf den Ausbau des Hauptradroutennetzes, zusätzliche Fahrradstraßen, bessere Verknüpfungen mit dem öffentlichen Nahverkehr sowie mehr Angebote für das Fahrradparken.
Der Fuß- und Radverkehrsbericht zeigt damit: Der Ausbau der aktiven Mobilität in Stuttgart kommt voran. Gleichzeitig bleibt die Weiterentwicklung des Radverkehrs eine langfristige Aufgabe, die kontinuierliche Planung, Investitionen und politische Unterstützung erfordert.